Rekord-Börsengang an der Wall Street

Hohe Zeichnungsgewinne beim Visa-Börsengang

Von Norbert Kuls

19. März 2008 Der größte Anbieter von Kreditkarten Visa ist erfolgreich an die Börse gestartet. Der Aktienkurs stieg zur Handelseröffnung um 35 Prozent über den Ausgabepreis. Visa hatte 406 Millionen Aktien zu einem Ausgabepreis von 44 Dollar je Anteilschein emittiert. Damit ist der Börsengang des Kreditkartengiganten mit 17,9 Milliarden Dollar (11,5 Milliarden Euro) das größte Börsendebüt in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

Den bisherigen Rekord hielt das Mobilfunkunternehmen AT&T Wireless, das im Jahr 2000 bei seinem Börsengang 10,6 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Weltweit ist Visa der zweitgrößte Börsendebütant nach der chinesischen Bank ICBC, die Ende 2006 Aktien für 22 Milliarden Dollar emittierte. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Visa-Aktien lag der Ausgabepreis über der zunächst avisierten Kursspanne von 37 Dollar bis 42 Dollar. Visa hat noch die Option, weitere 40,6 Millionen Aktien auszugeben, was das Gesamtvolumen der Emission auf 19,7 Milliarden Dollar steigern würde.

Konkurrent Mastercard ging schon 2006 an die Börse

Visa debütiert in einer Phase hoher Verunsicherung und starker Kursschwankungen an der Börse. Auch der amerikanische Markt für Börsengänge stagnierte in den ersten zwei Monaten des Jahres aufgrund der allgemeinen Schwäche des Aktienmarktes.

Visa hatte bereits Ende 2006 eine Umstrukturierung mit dem Ziel des Börsengangs angekündigt. Seither hat der Konzern sein amerikanisches und internationales Geschäft fusioniert. Einzig Europa war von der Umstrukturierung ausgenommen. „Visa Europe“ bleibt eine unabhängige Organisation, die den 4500 europäischen Mitgliedsbanken gehört und von ihnen geführt wird. Das gesamte Visa-Netzwerk gehört rund 13.400 Banken.

Mastercard, der nächstgrößte Konkurrent von Visa, war im Mai 2006 an die Börse gegangen. Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich seither verfünffacht. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Kurs der Mastercard-Aktie verdoppelt. Die Aktienkurse der Kreditkartenanbieter American Express und Discover sind dagegen gefallen. Discover war im vergangenen Jahr von der Investmentbank Morgan Stanley abgespalten worden.

Keine Kredite an Kunden

Im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten geben Visa und Mastercard aber keine Kredite an Kunden, sondern wickeln nur die Transaktionen ab. Banken und Kreditkartenanbieter hatten in den vergangenen Monaten wegen der unsicheren Konjunkturlage ihre Rückstellungen für notleidende Kredite erhöht, weil sie weiter steigende Zahlungsausfälle befürchten.

Anleger suchen nach Ansicht des Analysten Scott Valentin vom Wertpapierhaus Friedman, Billings, Ramsey derzeit Investionsmöglichkeiten in Finanzwerte, ohne ein hohes Kreditrisiko auf sich nehmen zu müssen. „Plastik ersetzt Bargeld und Schecks, selbst bei kleinen Käufen wie einem Essen bei McDonald's. Jedes Mal, wenn eine Karte benutzt wird, bekommt Visa ein Stück ab“, beobachtet Valentin. Finanzwerte tendierten im vergangenen Jahr besonders schwach.

Trotz der hohen Nachfrage nach Visa-Aktien äußerten einige Anleger aber Zweifel an der Theorie, dass Visa eine mögliche Rezession in den Vereinigten Staaten unbeschadet überstehen wird. „Wir fürchten, dass mit höheren Kreditausfällen die Verbraucherausgaben und somit auch das Transaktionsvolumen der Kreditkartennetzwerke nachlassen wird“, gab John Augustine, der Chefanleger bei der Fifth Third Private Bank, zu bedenken.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

 
NamePunkteProzent
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TecDax 866,04 +0,54
DowJones 12.986,80 -0,05
Nasdaq 2.528,85 -0,19
STOXX 50 3.862,91 +0,21
Nikkei 225 14.219,48 -0,23
S&P 500 Zert. 14,25 +1,28
Euro/Dollar 1,56 +0,00
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