19. November 2007 Die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt hinterlässt nun ihre Spuren in der Versicherungsbranche. Die schweizerische Rückversicherung Swiss Re kündigte am Montag völlig überraschend Abschreibungen von 1,2 Milliarden Franken im Geschäft mit Kreditausfallabsicherungen an. Analysten sprachen von einer Hiobsbotschaft.
An der Börse kam die Ankündigung des Branchenprimus verheerend an. Die Nachricht habe den Markt als ein wahrer Schock getroffen, sagte ein Händler. Obwohl es Spekulationen über das Ausmaß der Verwicklung der Versicherer in die Kreditkrise gegeben habe, sei es doch eine Überraschung, dass die Swiss Re als erste damit an den Markt trete.
Die Aktie bricht fast sieben Prozent ein
Andere Marktteilnehmer äußerten sich etwas zuversichtlicher: Die Entwicklung zeige, dass die Subprime-Krise auch bei den Rückversicherern ihre Spuren hinterlasse, sagten sie. Das Ausmaß der Abschreibungen sei überraschend hoch, aber für den Rückversicherer gut zu verkraften
Die Swiss-Re-Aktie gab massiv nach. Zur Mittagszeit notierte das Papier in Zürich bei 91,15 Franken, am Freitag war der Titel mit 97,55 Franken aus dem Handel gegangen. Das entspricht einem Verlust von knapp sieben Prozent. Das Minus hatte sich im Tagesverlauf stetig ausgeweitet. Der Schweizer Standardwerte-Index SMI bewegte sich zur selben Zeit nur mit 0,6 Prozent im roten Bereich.
Ein Verlust von 981 Millionen Franken...
Aus den zwei Engagements in sogenannten Credit Default Swaps, die mit 1,2 Milliarden Franken abgeschrieben werden müssen, resultiert ein Verlust nach Steuern in Höhe von 981 Millionen Franken. Swiss Re hält aber am angekündigten Aktienrückkaufprogramm fest und bekräftigte die Finanzziele. Damit konnte der Konzern die negative Stimmung der Investoren nicht mildern. Vielmehr bewahrheiteten sich nun die schlimmsten Befürchtungen, dass die Krise im Subprimesegment sich auch auf Versicherungen auswirke, hieß es. Bisher hatten vor allem die Banken die Märkte mit Schreckensmeldungen verunsichert.
Die Nachricht kam umso überraschender, als das Unternehmen erst vor zwei Wochen seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegte und dabei noch keine größeren Schwierigkeiten ausmachte. Die Finanzmarktturbulenzen hätten das Unternehmen nicht wesentlich beeinträchtigt, hatte Konzernchef Jacques Aigrain damals eingeschätzt.
...wegen der Absicherung eines Kundenportfolios
Die Rückversicherung begründete den Verlust mit der Absicherung eines Kundenportfolios, das zu einem großen Teil aus durch Hypotheken besicherten Wertpapieren (mortgage backed securities, MBS) bestanden habe. Markante Herabstufungen, die von Ratingagenturen im Oktober vorgenommen worden seien sowie das Fehlen eines liquiden Marktes hätten zu einer deutlichen Reduktion des Wertes der zugrundeliegenden Basiswerte geführt, hieß es. Finanzchef George Quinn legte dar, dass der Verlust aus Credit Default Swaps für Dritte resultiere und nicht aus dem direkten Engagement der Gesellschaft im Subprime-Segment. Dieses habe mit Ende des dritten Quartals weniger als 300 Millionen Franken betragen.
In der gleichen Mitteilung bekräftigte Swiss Re ihre Ziele. Dank der exzellenten Entwicklung der Gruppe im Jahresverlauf sei sie in der Lage, die außerordentliche Entwicklung im Oktober zu absorbieren, heißt es. Die Schweizer gehen weiterhin von einem anteiligem Ergebniswachstum von 10 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von 13 Prozent aus. Zudem hält die Gesellschaft am jüngst angekündigten Aktienrückkaufprogramm über 6 Milliarden Franken fest. Für 2007 würden ein Nettogewinn sowie eine Eigenkapitalrendite um dem Langfristziel von 13 Prozent erwartet.
Swiss Re zieht die Branche nach unten
Aktien von deutschen Versicherern haben sind am Montag nach der Nachricht über Milliardenabschreibungen der Swiss Re erneut unter Druck geraten. Allianz verloren am Dax-Ende 2,4 Prozent auf 138,38 Euro. Münchener Rück gaben 1,4 Prozent auf 119,29 Euro ab. Im MDax verloren Hannover Rückversicherung 1,7 Prozent auf 31,39 Euro. Nach den Milliarden-Abschreibungen der Swiss Re werde am Markt mit weiteren Turbulenzen auch für die deutschen Versicherer gerechnet, sagte in Händler.
Die Swiss-Re-Aktie sieht mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund sieben (2007) jetzt richtig billig aus. Ähnlich niedrig liegen auch die KGVs von Branchenmitgliedern wie Münchener Rück (7,1), Hannover Rück (5,4) oder Allianz (7,5). Für Anleger bedeutet das: Wer Mut hat, kann sich nun in Finanztitel einzukaufen. Allerdings dürfte die Hiobsbotschaft aus Zürich nicht die letzte gewesen im Banken- und Versicherungsuniversum gewesen sein - mit entsprechenden künftigen Kursreaktionen.
Text: @tih
Bildmaterial: AP, dpa, FAZ.NET, REUTERS
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| LINDE AG INHABER - A | +2,07 | +2,47 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,16 | +1,82 |
| ADIDAS AG INHABER - | +0,66 | +1,68 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,37 | -1,81 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,10 | -1,68 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,51 | -1,37 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.422,30 | +0,03 |
| TecDax | 827,16 | +0,24 |
| DowJones | 11.543,96 | -1,46 |
| Nasdaq | 2.367,52 | -1,83 |
| STOXX 50 | 3.365,63 | +0,18 |
| Nikkei 225 | 13.072,87 | +2,39 |
| S&P 500 Zert. | 12,95 | +1,17 |
| Euro/Dollar | 1,47 | +0,00 |
| Bund Future | 114,16 | -0,12 |
| Gold | 829,80 | +0,00 |
| Öl | 113,83 | -0,54 |
Soso, Frau Y. geht es also nicht um die Macht....
00:05Lehrgeld ? Es hat eben keiner "gelernt"
23:46