Von Ben Steverman
06. März 2008 Noch vor einem Jahr war sie die größte Bank der Welt. Jetzt könnte der Citigroup ein weiterer Gang als Bittstellerin um frisches Kapital bevorstehen.
Am 4. März verlor die Citigroup-Aktie in der Tagesspitze acht Prozent an Wert und sackte damit auf ihren niedrigsten Stand seit fast einem Jahrzehnt. Einer der Gründe für den Kurseinbruch: Analysten von Merrill Lynch und anderen Instituten reihten sich in den vielstimmigen Chor der Besorgnis um die prekäre Finanzlage der Citigroup ein.
Weitere Kapitalspritzen unabdingbar?
Für Nervosität sorgte außerdem eine Rede aus dem Nahen Osten, wo Citigroup von Staatsfonds bereits Milliardensummen erhalten hatte. Sameer Al Ansari, Leiter des staatlichen Investmentfonds Dubai International Capital, äußerte die Meinung, dass weitere Kapitalspritzen für die angeschlagene Citigroup unabdingbar seien
Citi hat bereits Kapital im Volumen von rund 30 Milliarden Dollar aufgenommen, um die durch die Kreditkrise entstandenen Verluste zu kompensieren. Meldungen zufolge äußerten sich Führungskräfte am 4. März optimistisch über die Kapitalausstattung des Unternehmens, die keine Aufnahme weiterer Mittel erforderlich mache
Doch Ansari hielt an seiner Ansicht fest, dass die Citigroup mehr tun müsse. Um Citi zu retten, wird das [bislang aufgenommene Kapital] nicht ausreichen sagte er nach Angaben von Dow Jones
Die durch die Kreditkrise hervorgerufene Blutung der Citigroup scheint nicht zu stoppen. Nach Schätzungen von Guy Moszkowski, Analyst bei Merrill Lynch, dürfte Citi allein im laufenden Quartal weitere 15 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Subprime-Engagements und drei Milliarden Dollar aufgrund anderer notleidender Kredite und problematischer Investments in den Kamin schreiben
Am 18. April wird Citigroup seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen. In den vergangenen Wochen haben sich die von Analysten erwarteten Gewinnaussichten für das laufenden Jahr jedoch bereits merklich verschlechtert.
Moszkowski rechnet inzwischen für das erste Quartal mit einem Verlust je Aktie von 1,66 Dollar gegenüber einem zuvor prognostizierten Gewinn von 0,55 Dollar. Für das Gesamtjahr sieht er einen Gewinn je Aktie von lediglich 0,24 Dollar.
Ebenfalls am 4. März senkten Aktienanalysten von Standard & Poor's ihren für Citigroup im Gesamtjahr erwarteten Gewinn je Aktie, und zwar von 2,99 Dollar auf 1,05 Dollar. Goldman Sachs korrigierte seine Schätzung für das erste Quartal: Anstelle eines Gewinns je Aktie von 15 Cent wird nun ein Verlust je Aktie von einem Dollar prognostiziert. Laut Goldman sei ein Kalkulationsfehler in unserem Modell Grund für diese Korrektur.
Woran krankt es nun bei der Citigroup?
Die Liste der Probleme ist lang, wenngleich viele davon auf die Kredit- und die Häusermarktkrise zurückzuführen sind. Moszkowski führt den folgenschweren Rückgang der Häuserpreise und die anhaltende Verschlechterung der amerikanischen Märkte für private und gewerbliche Hypothekendarlehen, der Unternehmensanleihemärkte und der wichtigsten Investment-Banking-Kategorien an.
Probleme bereitet der Citigroup zwar auch ihr japanisches Konsumentenkreditgeschäft, doch die Hauptsorgen der international aufgestellten Bank liegen in den Vereinigten Staaten. Die amerikanischen Verbraucher haben es zusehends schwerer, ihren Kreditverpflichtungen - insbesondere ihren Hypothekenzahlungen - nachzukommen, wodurch sich in den Bilanzen der Citigroup mehr und mehr notleidende Kredite anhäufen.
Die Rahmenbedingungen sind extrem schlecht, schrieb Moszkowski am 4. März.
Angesichts ihrer massiven Verluste infolge der Kreditkrise bietet sich der Citigroup die Option, weiteres frisches Kapital von Investoren wie Staatsfonds einzusammeln. Diese Kapitalaufnahme kann jedoch eine deutliche Verwässerung der bisherigen Aktionärsanteile nach sich ziehen.
Weitere Optionen sind Kostensenkungen und der Verkauf von Vermögenswerten. Nach einem unbestätigten Bericht des Fernsehsenders CNBC vom 4. März werde bei Citigroup über einen Abbau von mindestens 30.000 Stellen innerhalb der kommenden anderthalb Jahre nachgedacht. Bei insgesamt 374.000 Mitarbeitern würde dies einem Anteil von acht Prozent entsprechen.
Muss die Bank versilbern, was sich versilbern lässt?
Analystin Meredith Whitney vom Wertpapierhaus Oppenheimer gilt als eine der pessimistischsten Stimmen, wenn es um die Citigroup geht (und bislang lag sie mit ihren düsteren Prophezeiungen zur Großbank stets richtig). Sie geht davon aus, dass Citi zum Verkauf von Vermögenswerten im Volumen von bis zu 100 Milliarden Dollar gezwungen sein könnte. In Zeiten turbulenter Kreditmärkte sicherlich keine leichte Sache. [Citigroup] dürfte im Notfall gezwungen sein, alles zu verkaufen, was einen Käufer findet, schrieb Whitney am 25. Februar. Nach ihrer Ansicht dürfte Citigroup wahrscheinlich auch nicht um eine weitere Dividendenkürzung herumkommen; nach den jüngsten Kursrückgängen liegt die derzeitige Dividendenrendite bei relativ großzügigen 5,4 Prozent.
Analysten stellen Citis langfristiges Überleben zwar nicht in Frage, gehen jedoch mehrheitlich von einem weiterhin steinigen Weg für die Bank aus, insbesondere dann, wenn sich die Kreditkrise fortsetzt und die Zahl der notleidenden Kredite weiter zunimmt.
Das ist selbst für die besten Manager keine einfache Aufgabe, schrieb Credit-Suisse-Analystin Susan Roth Katzke kürzlich.
Doch wie ernst kann die Lage wirklich werden?
Schließlich ist die Citigroup-Aktie bereits auf ihrem tiefsten Stand der jüngeren Vergangenheit angelangt. Am 4. März schloss das Papier mit einem Abschlag von 4,3 Prozent bei 22,10 Dollar, nachdem im Handelsverlauf mit 21,23 Dollar ein 52-Wochen-Tief markiert wurde. Damit hat die Aktie im Vorjahresvergleich 56 Prozent ihres Wertes verloren.
Analystin Diane Merdian vom Wertpapierhaus Keefe Bruyette & Woods berechnete vor kurzem den ungünstigsten Fall, von dessen Eintritt sie mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent ausgehe. Sollte Citi sämtliche Subprime-Papiere und sonstige riskanten Positionen abschreiben müssen, würde dies nach Merdians Berechnungen einer Belastung von 32 Milliarden Dollar vor Steuern gleichkommen und könnte die Bank zur Aufnahme weiteren Kapitals im Volumen von 20 Milliarden Dollar zwingen. Der Wert der Citigroup-Aktien könnte daraufhin auf 15,19 Dollar sinken.
Dies wäre ein weiterer Rückgang von 30 Prozent. Anleger dürften sich weiterhin aus der Aktie zurückziehen, solange sie von den Kreditmärkten oder den Führungskräften der Citigroup keine Signale erhalten, dass ihre schlimmsten Alpträume nicht doch wahr werden.
Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.
Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: FAZ.NET, REUTERS
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21:57Im Jahr 2004 habe ich mich dazu herabgelassen
21:56Und ganz wesentlich: Es sollten Lehren aus diesem Fall gezogen
