Luftfahrt

Cargolifter-Aktien mit Blei an Bord

Braucht dringend Geld: Cargolifter-Vorstand von Gablenz

Braucht dringend Geld: Cargolifter-Vorstand von Gablenz

13. Mai 2002 Der Flug über das Börsenparket scheint sich bei Cargolifter langsam dem Ende zuzuneigen. Und es sieht dabei nicht nach einer sanften, sondern eher nach einer Bruchlandung aus. Am Montag befindet sich die Aktie jedenfalls wieder einmal im Sturzflug. Mit dem zu Wochenbeginn markierten neuen Rekordtief von 1,52 Euro betrug das Tagesminus phasenweise fast 42 Prozent, ehe sich der Titel dann wieder etwas erholen konnte.

Der anhaltende Kursrutsch, der sich seit dem im Mai 2000 zu 15 Euro erfolgten Börsengang nunmehr in der Spitze auf fast 90 Prozent summiert, spricht Bände. Im Klartext zeigt die niedrige Notiz: Die Börsianer trauen dem Luftschiffbauer keine lange Zukunft mehr zu.

Liquiditätsprobleme schüren Insolvenzgerüchte

Am Wochenende erhielten die Zweifler neue Nahrung durch Gerüchte hinsichtlich einer in Kürze bevorstehenden Insolvenz. Nach einem wochenlang verzweifelten Kampf gegen das endgültige Aus kommt selbst vom Unternehmen jetzt nur noch wachsweicher Widerspruch gegen die Gerüchte. „Auch wenn ich es nicht glaube, kann ich nicht ausschließen, dass wir diese Woche Insolvenz anmelden müssen. Heute wird es aber jedenfalls nicht sein“, erklärte Investor Relations-Chef Christoph Stübbe.

Das drängendste Problem für Cargolifter - neben der ungeklärten Frage der langfristigen Rentabilität des Projekts - sind in der Tat die knappen Finanzmittel. „Unsere Barmittel reichen nur noch eine kurze Zeit“, räumte auch Stübbe ein. Die geplante Ausgabe von Wandelanleihen ist demnach schlechter als geplant gelaufen. Offenbar wurden bislang nur 3,8 Millionen Euro statt der erhofften 50 Millionen Euro eingenommen. Dieser Umstand bringt das Unternehmen nicht nur in große Schwierigkeiten sondern er zeigt auch, wie gering das Vertrauen der Anleger ist. Offenbar ist niemand mehr bereit, dem bereits schlechten Geld noch mehr gutes Geld hinterher zu werfen.

Staatskredit wäre nur eine weitere Gnadenfrist

Die Hoffnungen des Vorstands ruhen nun auf staatliche Hilfen. Beim Land Brandenburg wurde dazu ein Kredit über 50 Millionen Euro beantragt. Ist das Gesuch erfolglos, dürfte das einst als visionär gefeierte, aber letztlich zu kostspielige Prestigeobjekt vor dem Aus stehen. Aus Sicht der Steuerzahler bleibt dabei nur zu hoffen, dass die Politiker sich bei ihrer Entscheidungsfindung nicht zu sehr vom näherrückenden Wahltermin leiten lassen. Denn Finanzierung von Wagniskapital kann nicht Aufgabe des Staates und damit des Steuerzahlers sein.

Beweist die Politik Rückgrat, droht den Anlegern schon bald der Totalverlust. Unsere Warnungen vor den Risiken eines Engagements bei Cargolifter würden sich damit bis zum bitteren Ende als richtig erweisen (siehe Links). Sollte es dem Vorstand gelingen, dieses Mal doch noch den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, dürfte es sich dabei mit Blick auf den dann vermutlich kurzfristig steigenden Aktienkurse nur um eine Gnadenfrist handeln. Bislang war es jedenfalls immer so, dass nach einer Erfolgsmeldung bei Cargolifter immer wieder Hiobsbotschaften folgten, die sowohl das Unternehmen als auch den Aktienkurs noch tiefer als zuvor schon nach unten zogen.


Im Chart sehen Sie die Cargolifter-Aktie seit dem Börsengang Ende Mai 2000.



Text: @JüB
Bildmaterial: dpa

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