Volkswagen

Spektakulärer Kurssturz

Schwindelerregende Tiefe: Viele VW-Anleger sahen am Montag für einen Moment in den Abgrund

Schwindelerregende Tiefe: Viele VW-Anleger sahen am Montag für einen Moment in den Abgrund

20. Oktober 2008 Es war ein vernichtendes Urteil über die Aktie von Volkswagen. Unter der Überschrift: „Die am stärksten überbewertete Aktie der Welt?“ widmete sich das amerikanische Anlegerwochenblatt „Barron's“ auf einer ganzen Seite mit der Aktie von Volkswagen.

Das war mehr als ein leichter Aufprallunfall - das war ein Crashtest unter Extrembedingungen: Um mehr als 26 Prozent auf bis zu 264,11 Euro stürzte der Titel in der Spitze. Damit drückte allein Volkswagen den gesamten Dax um mehr als 100 Punkte in die Tiefe. Bis zum Handelsschluss begrenzte sich der Einbruch auf ein Minus von 22,6 Prozent auf 277,09 Euro.

Ein derartiger Kurssturz in einem großen Standardwert passiert normalerweise nur, wenn dem Unternehmen unmittelbar die Insolvenz droht. So schlimm ist es - Gott sei Dank - um Volkswagen noch nicht bestellt. Vielmehr hat sich in den vergangenen Tagen ein immenser spekulativer Druck in dem Titel aufgebaut.

Heiße Spekulation

Volkswagen sei die „heißeste Aktie“ unter den 100 größten Unternehmen der Welt, meinte „Barron's“. Und tatsächlich trieb eine heiße Spekulation den Kurs bis zum Überkochen: Während alle großen Aktien der Welt unter dem Eindruck der Finanzkrise abstürzten, kannte die Kursentwicklung von VW nur eine Richtung, nämlich steil nach oben. Um mehr als 100 Prozent stieg die Notierung in den vergangenen zwölf Monaten, während der Dax in diesem Zeitraum um gut 40 Prozent stürzte. Allein seit Mitte September verteuerte sich die Aktie um 27 Prozent.

Es sind vor allem die Bemühungen von Porsche, die Mehrheit bei Volkswagen zu übernehmen, die den Aktienkurs zuletzt in die Höhe getrieben haben - losgelöst von allen Fragen um die wirtschaftliche Entwicklung des Autokonzerns und ungeachtet aller Konjunktursorgen, die sämtliche Autoaktien in den vergangenen Monaten belasten.

Der aktuelle Kursrückgang sei „mehr als gerechtfertigt“, meint Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Die Aktie hat sich den Fundamentaldaten längst entzogen und die Kursentwicklung war in den vergangenen Wochen unberechenbar.“

Das Spiel läuft an den Terminmärkten

Es ist nicht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking allein, der die Nachfrage nach der Aktie hoch hält. Zuletzt wollten auch Hedge-Fonds mitmischen und von dem Kursabstand zwischen der Stammaktien und der Vorzugsaktien profitieren. Normalerweise verläuft die Kursentwicklung zwischen den beiden Aktien ähnlich. Denn der einzige Unterschied zwischen den beiden Papieren ist, dass Inhaber der Vorzugsaktie auf der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben und im Gegenzug eine etwas höhere Dividende erhalten. Doch seit Mitte September hat der Kurs der Stammaktie einen großen Sprung nach oben gemacht, während die Vorzugsaktie an Wert verloren hat (siehe Grafik).

Die engagierten Hedge-Fonds haben darauf spekuliert, dass die Stammaktien stark an Wert verlieren, wenn Porsche einmal die Mehrheit in Wolfsburg übernommen hat. Bisher hat der Stuttgarter Sportwagenbauer 35 Prozent der VW-Stammaktien eingesammelt und strebt bis Ende November die Mehrheit an. Es könnte sein - so geht wenigstens die Spekulation, die dem Ausverkauf bei VW zugrunde liegt -, dass Porsche sich die zusätzlichen Anteile schon längst über Terminkontrakte gesichert hat.

Dass sich die Übernahme von VW durch Porsche sich verzögern könnte, wie die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ schrieb, sei zwar eine Belastung, aber nicht der Hauptgrund für die Verluste, hieß es zudem am Markt. Dem Bericht zufolge müsse Porsche ein aufwändiges Verfahren vor den Wettbewerbsbehörden in knapp 20 Ländern durchlaufen. Dies werde die effektive Übernahme verzögern.

Text: hlr.
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

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