Krise in Großbritannien

Aktien von Taylor Wimpey und Marks & Spencer stürzen ab

02. Juli 2008 Die Kredit- und Häusermarktkrise sorgt schon seit Monaten für Schlagzeilen. Meistens steht bei den Berichten der amerikanische Markt im Brennpunkt, dabei sieht es in Großbritannien, Irland und Spanien keinen Deut besser aus.

Das führt dazu, dass sich die Folgen bei jenen Unternehmen am deutlichsten zeigen, die gleichzeitig in diesen Märkten tätig waren. Zum Beispiel beim britischen Unternehmen Taylor Wimpey. Hatte es in den Jahren 2000 bis 2007 die Umsätze im Bau-, Planungs- Immobilienentwicklungs- und Vermögensmanagementgeschäft massiv steigern können, so war es mit der positiven Gewinnentwicklung schon im vergangenen Jahr vorbei. Das Unternehmen verbuchte einen Verlust von 24,2 Pence je Aktie.

Kurscrash am Mittwoch

Am deutlichsten zeigt sich die Krise an der Kursentwicklung der Aktie. In den Jahren 2000 bis in den April des vergangenen Jahres war sie im Trend nach oben gelaufen auf bis zu 518,5 Pence. Seitdem hat sie jedoch knapp 95 Prozent ihres Wertes verloren, alleine am Mittwoch geht es um 52 Prozent nach unten im Vergleich mit dem Vortag auf 28,75 Pence.

Der Grund: Das größte Bauunternehmen hat Finanzierungsschwierigkeiten. Es teilte mit, Versuche, das Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien zu erhöhen, seien vorerst gescheitert. Ferner werde Finanzchef Peter Johnson das Unternehmen zum Jahresende verlassen, die Dividende für das erste Halbjahr werde gestrichen und 900 Stellen würden abgebaut, indem ein Drittel der Büros in Großbritannien geschlossen würden.

Zum Börsenkurs

Das Unternehmen, das in den vergangenen Jahren unter anderem durch mehrere Übernahmen und Fusionen gewachsen war, erklärte, es könne in Zahlungsschwierigkeiten auf die Kreditlinie in Höhe von 1,9 Milliarden Pfund geraten, wenn es sich nicht refinanzieren könne. Die Auftragseingänge im zweiten Quartal gingen im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 60 Prozent zurück.

Anhaltend schwachse Geschäft im Immobilienbereich

Die Hypothekengewährungen waren im Mai nach Angaben der Bank of England auf den tiefsten Stand seit mindestens neun Jahren gefallen, der Einkaufsmanagerindex für den Baubereich lag im Juni mit 38,8 deutlich unter den geringen Erwartungen. Das ist der tiefste Stand seit Beginn der Erhebungen. Gleichzeitig ist die Preiskomponente des Sektors mit 81,5 unerwartet hoch ausgefallen. Sie liegt auf Rekordniveau. In den vergangenen Quartal ist zudem die Kaufkraftschöpfung aus Immobilien deutlich zurückgegangen, während die Hauspreise fallen. Im Mai lag das Minus bei 6,3 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr.

Auf dieser Basis dürfte kaum verwundern, dass sich die Aktien der gesamten Branche nicht nur schon seit Monaten in der Defensive befinden, sondern sie werden auch am Mittwoch weiter nach unten gezogen. Auf Sicht eines Jahres sind die Papiere von Taylor Wimpey nicht einmal jene, mit der schlechtesten Kursentwicklung. Sondern die Aktien der Barratt Developments haben inzwischen sogar knapp 94 Prozent ihres Wertes verloren.

Der FTSE 350 legt am Mittwoch zwar trotzdem 0,84 Prozent zu. Dafür sind allerdings die Erholungsbewegungen bei defensiven und Finanzwerten verantwortlich und nicht ein allgemeiner Wirtschaftsoptimismus. Dieser dürfte angesichts der anhaltenden Schwierigkeiten im Bau- und Finanzbereich nicht so schnell aufkommen können. Der FTSE 100-Index wird primär stabilisiert von den stark vertretenen Energie- und Rohstoffwerten.

Vieles deutet darauf hin, dass die Geschäfte im Finanz-, Bau-, Immobilien- und Einzelhandelsbereich in Großbritannien sich allenfalls unterdurchschnittlich werden entwickeln können.Die Auswirkungen der Krise zeigen sich am Beispiel von Marks & Spencer. Die Aktien des Unternehmens verlieren am Mittwoch mehr als 20 Prozent auf 252,5 Pence. Das ist der tiefste Stand seit mehreren Jahren. Der Grund: Der Umsatz ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres im Vergleich mit dem Vorjahr auf vergleichbarer Basis um 5,3 Prozent gefallen.

Dafür ist der zunehmende Preiswettbewerb verantwortlich, der im Nahrungsmittelsektor tobt. Die Analysten nehmen daraufhin ihre Gewinnschätzungen zurück. So mögen die Aktien mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 6,5 für das laufende und das kommende Geschäftsjahr optisch günstig aussehen. Allerdings sind sehr wahrscheinlich die Gewinnerwartungen im Druchschnitt noch zu hoch. Die Papiere dürften erst dann wieder interessant werden, wenn sich die konjunkturelle Lage in Großbritannien stabilisiert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BNP Paribas, Reuters EcoWin, FAZ.NET

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