Neuemissionen

Börsengänge aus China kommen in Mode

20. November 2007 Kaum sind die Bambuspflanzen der Asian Bamboo AG wieder vom Parkett der Frankfurter Börse verschwunden, streben abermals chinesische Unternehmer an die halbrunde Handelsschranke für Börsenneulinge in Frankfurt. Die Vtion Wireless Technology AG bietet von Freitag an bis zu 5,1 Millionen Aktien zur Zeichnung an. Der Emissionserlös soll bis zu 150 Millionen Euro betragen, und der Aktienhandel soll am 30. November beginnen.

Animiert wird Vtion durch zwei gelungene Beispiele chinesischer Aktienemissionen im hochregulierten Prime Standard in Frankfurt. Im Juli kam der Hersteller von Müllverbrennungsanlagen Zhongde auf das Parkett. Die Aktien wurden am oberen Ende der Zeichnungsspanne zu 26 Euro emittiert. Mittlerweile ist der Kurs bis auf 35 Euro gestiegen, zwischenzeitlich waren es sogar knapp 42 Euro.

Enormes Interesse

Vergangenen Freitag wurden die Aktien des Anbauers von Bambuspflanzen Asian Bamboo erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt. Auch hier erfolgte die Emission der Aktien am oberen Ende der Zeichnungsspanne. Die Papiere notieren nahe dem Emissionspreis von 17 Euro.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim berichtete von einem enormen Interesse an den Aktien der chinesischen Unternehmen. So wurden für die Papiere von Asian Bamboo 15 Mal mehr Stücke gezeichnet, als angeboten wurden. Das Kölner Bankhaus begleitet alle drei chinesischen Börsengänge und macht damit gute Geschäfte.

Das Prozedere ähnelt sich in den bisherigen Fällen, weitere sollen folgen. Die Gesellschaften sind jeweils recht klein, haben wenige hundert Mitarbeiter und machen keine 50 Millionen Euro Umsatz. Sie arbeiten mit Gewinnmargen jenseits von 30 Prozent sehr ertragreich und weisen über mehrere Jahre ein hohes Wachstum von oft mehr als 100 Prozent auf. Die Geschäftstätigkeit findet ganz überwiegend in China statt.

Marktkapitalisierung beim 22fachen des Umsatzes

Für den Börsengang wird jedoch eine deutsche Aktiengesellschaft gegründet und das hochregulierte Börsensegment Prime Standard gewählt. Für solche Wachstumsgeschichten scheint der deutsche Aktienmarkt empfänglich zu sein. Zumindest ist es den Unternehmen und dem Bankhaus Sal. Oppenheim bisher gelungen, ihre ambitionierten Preisvorstellungen am Markt durchzusetzen.

Bei Vtion, das sich mit der Entwicklung und dem Verkauf von Datenkarten für die mobile Computer- und Internetnutzung über Mobilfunknetze in China befasst, kommt nun sogar noch ein Preisaufschlag für besonders hohe Wachstumsaussichten in der chinesischen Computerbranche hinzu. Wird der angestrebte Emissionserlös von 150 Millionen Euro für die gut 5 Millionen Aktien erreicht, würde dem Unternehmen ein Börsenwert von 420 Millionen Euro zugebilligt. Der Umsatz von Vtion in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 betrug 19 Millionen Euro, der Gewinn 6 Millionen Euro.

Zwei, die sich gefunden haben

Wer eine derartige Bewertung für gerechtfertigt hält, braucht schon ein ausgeprägtes Vertrauen in das künftige Umsatz- und Gewinnwachstum des Unternehmens. Die Gesellschaft berichtet zudem bei ihrer Vorstellung in Frankfurt von einem stark fragmentierten Markt für Datenkarten in China, wobei sich Vtion jedoch in der Rolle des Marktführers sieht.

Die Anleger lassen sich bislang nicht von solchen Bewertungen abschrecken. An den enormen Kurssteigerungen an den chinesischen Börsen in Schanghai und Shenzen können ausländische Anleger kaum partizipieren; da gilt es als willkommen, vom chinesischen Wirtschaftswachstum zumindest über eine in Deutschland gelistete Gesellschaft teilzuhaben.

Die chinesischen Unternehmen wiederum sind froh, überhaupt an Eigenkapital über eine Aktienemission zu kommen. In China selbst wollen derzeit so viele Unternehmen an die Börse, dass mit langen Wartezeiten zu rechnen ist, und in den Vereinigten Staaten sind die Kosten des Börsengangs und die regulatorischen Anforderungen höher. Davon will die Deutsche Börse profitieren. Sie organisiert in China Listing-Seminare und bietet den chinesischen Unternehmen einen guten Marktzugang in Deutschland. Zum Schaden der Anleger war das bislang nicht.



Text: F.A.Z., 20.11.2007, Nr. 270 / Seite 23
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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COMMERZBANK AG INHAB -2,28 -16,08
NamePunkteProzent
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