Frankfurter Börse

Erster Börsengang aus China in Deutschland

Von Jürgen Büttner

Ein Novum ab Freitag an der Frankfurter Börse: Eine Neuemission aus China

Ein Novum ab Freitag an der Frankfurter Börse: Eine Neuemission aus China

29. März 2007 Viele chinesische Aktien werden an den deutschen Börsen schon gehandelt. Allein in Frankfurt sind 91 chinesische Titel notiert. Allerdings handelt es sich bei den Werten bisher nur um Zweitlistings im Freiverkehr. Eine echte Neuemission, verbunden mit einer Kapitalaufnahme, war bisher nicht dabei. Das wird sich an diesem Freitag ändern: Für den 30. März ist im Börsensegment Open Market der Frankfurter Börse die Einführung der Aktien von Gongyou Machines (ISIN: SG9999002927) geplant.

Das Unternehmen wurde 1958 gegründet und ist heute der größte chinesische Hersteller von holzverarbeitenden Maschinen und Elektromotoren. Den ersten chinesischen Börsengang in Deutschland begleiten die VEM Aktienbank AG und die Tradecross AG, die auf vorbörsliche Aktienplatzierungen spezialisiert ist.

Initiiert wurde das Vorhaben von Orchid Capital, einer Investmentboutique in Singapur, die auf vorbörslichen Aktienplazierungen (Pre-IPOs im Börsenjargon genannt) in Asien spezialisiert ist. Auch im Fall von Gongyou Machines wurden kurz vor dem Börsengang ausgewählten Kunden der VEM Aktienbank und von Tradecross 1,67 Millionen Aktien zur Zeichnung zum Preis von 4,4 Millionen Euro angeboten. Dies sind 16,7 Prozent aller Aktien.

Zahlreiche Hürden

Der chinesische Pionier am deutschen Kapitalmarkt musste zahlreiche Hürden überwinden. Dies verzögerte die Emission um einige Monate. Angedacht war der Börsengang ursprünglich für November vergangenen Jahres. Doch die Verantwortlichen mussten im Laufe der Zeit feststellen, dass der erste Börsengang eines chinesischen Unternehmens in Deutschland mehr Kleinarbeit bedeutete als ursprünglich angenommen.

Intern verzögert wurde das Projekt durch die Restrukturierung einer Tochtergesellschaft von Gongyou, weil dafür diverse Genehmigungen chinesischer Behörden erforderlich waren. Als langwieriger Prozess erwies es sich angesichts abweichender Bilanzierungsstandards auch, zwei geprüfte konsolidierte Jahresabschlüsse für China und Singapur vorlegen zu können. Zeit kostete zudem die Abstimmung mit der Abwicklungs- und Verwahrstelle der Aktien in Singapur.

Viel Aufwand musste Julian Sandt, CEO von Orchid Capital, auch darauf verwenden, den Emissionspreis auf dem ursprünglich vereinbarten Niveau zu verteidigen. „Angesichts der immer weiter steigenden Kurse für China-Aktien musste das Gongyou-Management vom Abspringen abgehalten werden“, sagte Sandt.

Führende Aktienindizes haben wieder Rekorde erreicht

Auf Basis des Gewinns von 2006 betrug das Kurs-Gewinn-Verhältnis 7,8 und 6,4 auf Basis des für 2007 geschätzten Gewinns (das Geschäftsjahr endet am 30. Juni). Dieser Rechnung lag ein Ausgabepreis von 2,68 Euro zugrunde. Dieser war jedoch zu einem Zeitpunkt ausgehandelt worden, als es noch nicht so einfach war, kleinere chinesische Unternehmen zu plazieren.

Inzwischen werden chinesische Aktien aber im Durchschnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 30 gehandelt. Ein anderes Industrieunternehmen schaffte kürzlich bei seinem Gang an die Börse Shenzhen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18. Das Unternehmen ist am gleichen Ort ansässig wie Gongyou, in Weihai, einer 2,5 Millionen Einwohner großen Stadt in der ostchinesischen Provinz Shandong. Das weckt Begehrlichkeiten. Letztlich aber zeigten sich die Anteilseigner kompromissbereit. Dabei spielte es laut Sandt eine Rolle, weiteren China-Börsengängen mit einem erfolgreichen Listing des Pioniers den Boden zu bereiten.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Tradecross und VEM Aktienbank bei der vorbörslichen Privatplazierung von Gongyou auf großes Interesse gestoßen ist. Angelockt werden die Anleger von der niedrigen Bewertung und von der Hausse am chinesischen Aktienmarkt. Der Ende Februar erlittene Kurseinbruch ist überwunden, und die führenden Aktienindizes in Schanghai wie in Shenzhen haben schon wieder Rekorde erreicht.

Bei Gongyou, dessen Produkte überwiegend in der Möbelindustrie verwendet werden, kommen als Kaufargument die Geschäftsaussichten hinzu. 1998 wurde das Unternehmen an das Management verkauft und so privatisiert. Die Unternehmensführung bleibt auch nach dem Börsengang Mehrheitseigner. Eigenen Angaben zufolge hat Gongyou in China einen Marktanteil von 60 Prozent bei Maschinen zur Holzverarbeitung und erzielte im Vorjahr ein Umsatzplus von 28 Prozent und einen Gewinnanstieg von 45 Prozent. Ziel ist es, den Umsatz von zuletzt umgerechnet 19 Millionen Euro bis 2009 auf 34 Millionen Euro zu steigern. Der Jahresüberschuss soll sich von 2,2 Millionen auf 6,2 Millionen Euro erhöhen.

Muttergesellschaft ist die Gongyou Machines Ltd. mit Sitz in Singapur. Das operative Geschäft ist bei der hundertprozentigen Tochtergesellschaft Asia Gongyou (Weihai) Co. Ltd. angesiedelt. Bei allen China-Listings wird aus aktienrechtlichen und steuerlichen Gründen eine Auslandsgesellschaft als Obergesellschaft gewählt. Singapur, einziges Land in Asien mit dem bestmöglichen Länderrating „AAA“, genießt auch einen guten Ruf hinsichtlich Corporate Governance.

Sollte der Börsengang von Gongyou in Frankfurt ein Erfolg werden, hoffen Tradecross, die VEM Aktienbank und Orchid Capital, aber auch die Deutsche Börse auf weitere chinesische Börsengänge in Deutschland. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, da Emissionen im Ausland den chinesischen Unternehmen Vorteile bieten. „Inlandslistings in China sind noch immer langwieriger und teurer als im Ausland“, sagte Sandt. „Außerdem ermöglicht ein Auslandslisting den Unternehmen eine Profilierung auf Exportmärkten.“ Zusätzlich lasse sich so ein verbesserter Zugang zu Fremdkapital erschließen als bei einem reinen China-Listing, da Unternehmen bei den Banken im Listingland bessere Chancen haben und chinesische Banken bei der Kreditvergabe an Privatunternehmen restriktiv seien.

Bildmaterial: ddp

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