Mode

Zara-Mutter Inditex an der Börse mehr in Mode als H&M

16. Dezember 2005 Bei junger und bezahlbarer Mode, zu der auch Leute jenseits der Dreißig gerne greifen, ist Hennes & Mauritz in Europa eine Macht und auch in Übersee gut vertreten. In Frankfurt etwa sind die Schweden gleich mit drei Läden auf einer Strecke von wenigen hundert Metern in der Innenstadt vertreten, in anderen Städten bietet sich das gleiche Bild. Dagegen zeigt sich der vom Inditex-Konzern getragene spanische Konkurrent Zara seltener. Das heißt aber nicht, daß Zara weniger Erfolg bei der Kundschaft hat.

Im Gegenteil: In der jüngsten Zeit konnten die Spanier die Umsätze stärker steigern als die Schweden. H&M legte bei den Erlöse im November um elf Prozent zu, bleib aber trotz der Stella McCartney-Kollektion hinter der Prognose von 13 Prozent recht klar zurück; in den beiden Monaten zuvor konnte der Konzern die Verkäufe um sieben und zehn Prozent verbessern. Der Periodengewinn stieg im dritten Quartal dagegen um etwas mehr als ein Drittel, da H&M weniger Preisabschläge gewährte. Zum Vergleich: Inditex verkaufte im dritten Quartal bis Ende Oktober 20 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum und verdiente 29 Prozent mehr; in den ersten neun Monaten verbuchten die Spanier ein Plus von 14 Prozent.

Dabei traf Inditex mit seinen Zahlen die Erwartungen von Anlegern und Analysten, während H&M eben beim Umsatz enttäuschte. Die Tatsache, daß die Schweden im Vorjahr aufgrund der Lagerfeld-Kollektion besonders stark waren und die Latte entsprechend hoch lag, ändert daran nichts - auch wenn es ungerecht erscheinen mag. So ist die Börse eben. Insofern verwundert es auch nicht, daß die H&M-Aktie in der jüngsten Zeit der Inditex-Notiz anders als früher nicht mehr vorauseilt, sondern hinter diese zurückgefallen ist.

Bisherige Bestmarke klar überflügelt

Im Rückblick auf die vergangenen drei Jahre war H&M das erheblich bessere Investment: Um fast 38 Prozent legte das Papier zu, während Inditex nur ein mageres Plus von 5,5 Prozent vorzuweisen (siehe Grafik 1). Doch ist die Jahres-Performance der Schweden mit 12,15 Prozent schwächer als der Wertzuwachs der Spanier, die sich um 18,35 Prozent verbessert haben. Besonders deutlich hat Inditex in den jüngsten drei Monaten mit einem Plus von fast zwölf Prozent die Nase vorn; H&M hat im gleichen Zeitraum 4,3 Prozent eingebüßt (Grafik 2).

Allein binnen vier Wochen ist die Inditex-Aktie um zehn Prozent gestiegen. Im Zuge dessen konnte die Notiz nicht nur ihren Jahresbestwert von 24,90 Euro hinter sich lassen, sondern gleichsam das bisherigen auf Inner-Tages-Basis markierte Rekordhoch von 25,20 Euro überflügeln und mithin ein Kaufsignal erzeugen: Am Donnerstag schloß die Aktie an der Heimatbörse in Madrid mit einem Plus von 4,1 Prozent bei 26,40 Euro, während sie auf dem Frankfurter Parkett sogar noch etwas höher kletterte.

Zwei frische Kaufempfehlungen

Hilfreich beim Aufstieg dürften Kaufempfehlungen durch die Deutsche Bank und Morgan Stanley sein. Die Deutsche Bank hat das Kursziel bei 28 Euro gesteckt, während die amerikanische Konkurrenz noch etwas optimistischer für Inditex gestimmt ist. Aus ihrer Sicht ist das Papier nun 30 Euro wert. Begründung: Der neue Konzernchef Pablo Isla werde das Ausgabenwachstum zügeln und großzügiger mit der Dividende umgehen. Zudem dürfte Inditex nach Meinung von Morgan Stanley von einer niedrigeren Steuerquote profitieren - ein Argument, das sich auch die Investmentbank Credit Suisse First Boston anführt, die indes die Zara-Mutter bisher als „Underperformer“ ansieht und das Kursziel bei 23 Euro gesteckt hat.

Was für Inditex spricht, ist das Kursbild: Weitere Hürden auf dem Weg nach oben hat die Notiz nicht mehr vor sich. Weniger gut sieht die Bewertung aus. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24,6 ist die Aktie für dieses Jahr ehrgeizig bewertet und dabei etwas teurer als H&M (23,7). Allerdings wies Inditex für 2004 ein KGV von gut 30 auf, und wenn die Analysten recht behalten, sinkt die Bewertung 2006 auf erträglichere 20,6. Damit wäre Inditex etwas günstiger als H&M (20,9). Bei der Dividendenrendite wirken allerdings die Schweden mit einem für dieses Jahr erwarteten Wert von 3,4 Prozent klar attraktiver als die Spanier, die nur auf 1,2 Prozent kommen.

Unter dem Strich wirkt Inditex als gute Halteposition, solange der Trend stimmt. Um die Bewertung zu rechtfertigen, muß das Unternehmen das jüngste Gewinnwachstum fortschreiben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi
Bildmaterial: FAZ.NET, Inditex

 
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