Schwellenländer

Brasilien: Korruptionsvorwürfe belasten Real, Aktien, Anleihen

Korruptionsskandal zehrt an Lulas Ruf

Korruptionsskandal zehrt an Lulas Ruf

26. Juli 2005 Der brasilianische Real verzeichnete am Montag den größten Tagesverlust seit Oktober des Jahres 2002, und auch bei Aktien und Anleihen gingen die Kurse auf Talfahrt.

Marktteilnehmer machen sich Sorgen, daß der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva in eine laufende Untersuchung über angebliche Korruption in der Regierung hineingezogen wird.

Real, Börse und Anleihe kurzfristig in der Defensive

Der Real sackte am Montag gegenüber dem Dollar 3,8 Prozent auf 2,487 Real je Dollar ab, für den Benchmarkindex Bovespa ging es 3,4 Prozent auf 24.530,79 Punkte abwärts. Der Chart des Index zeigt in jüngster Zeit gewisse Konsolidierungszeichen an. Die Staatsanleihe mit Fälligkeit 2040 gab 1,6 Cent je Dollar Nominalwert nach auf 115 Cent, die Rendite legte 15 Basispunkte zu auf 9,52 Prozent, zeigen Kurse von JPMorgan Chase & Co.

Eine parlamentarische Untersuchung von Vorwürfen, Lulas Arbeiterpartei und die Regierung hätten Schmiergelder gezahlt, um sich Stimmen im Kongreß zu sichern, wird ausgeweitet. Außerdem werden in den brasilianischen Medien fast täglich neue Anschuldigungen veröffentlicht. Am Freitag erklärte Lula auf einer Versammlung von Mechanikern in Sao Bernado do Campo, er halte die höchsten ethischen Werte hoch, und warnte, „es wird nicht die brasilianische Elite sein, die mich dazu bringt, den Kopf zu senken“.

„Der Markt registriert langsam, daß dieser Skandal immer näher an Lula heranrückt“, kommentierte Boris Segura, Fondsmanager bei Standish Mellon Asset Management in Boston. „Er hat nicht konsequent auf die Angriffe reagiert. Das macht die Anleger besorgt.“

Lula stößt nur noch bei 35 Prozent der Wähler auf Zustimmung

Einer Umfrage von DataFolha vom 21. Juli zufolge stößt Lula nur noch bei 35 Prozent der Wähler auf Zustimmung, verglichen mit 36 Prozent einen Monat zuvor. Etwa 78 Prozent der 2110 Befragten sahen Korruption in der Regierung, nach 70 Prozent im Juni und 32 Prozent, bevor der Kongreß im Mai seine Korruptionsuntersuchung begann. Die Arbeiterpartei streitet die Korruptionsvorwürfe ab.

Lulas Amtsperiode endet nächstes Jahr, noch hat er sich nicht geäußert, ob er sich zur Wiederwahl stellen will. Als die parlamentarische Untersuchung erweitert wurde, ersetzte der ehemalige Gewerkschaftsführer zehn Minister, das ist ein Drittel des Kabinetts. Mehrere Führer der Arbeiterpartei traten zurück.

Insgesamt hat sich in den vergangenen Jahren die wirtschaftliche Lage des Landes unter anderem auf Grund des Rohstoffbooms, der zunehmenden Integration in den Welthandel und auch die weltweit anhaltend tiefen Zinsen relativ schnell relativ deutlich verbessert. Allerdings war das keinesfalls ein Verdienst der Regierung des Landes, sondern mehr oder weniger ein Geschenk des Himmels.

Denn die Regierung unter Lula hat nicht nur Probleme, die Wahlversprechen einzulösen, sondern sie scheint nicht in der Lage oder Willens zu sein, die Strukturprobleme des Landes anzugehen. Mit dem nun offensichtlich immer weiter um sich greifenden Korruptionsskandal wird die Schwäche der Regierung immer deutlicher. Auf dieser Basis scheint eine gewisse Vorsicht nicht unangebracht zu sein, auch wenn die Börse mir einem Kurs-Gewinnverhältnis von 8,4 unglaublich günstig zu sein scheint.

Der Chart zeigt die Entwickung der Bovespa in den vergangenen Jahren
Der Chart zeigt die Entwickung der Bovespa in den vergangenen Jahren

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Bildmaterial: AP

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