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Michelin-Aktie muß um Aufwärtstrend kämpfen

Weltmeister: Branchenprimus Michelin und Formel-1-Champion Fernando Alonso

Weltmeister: Branchenprimus Michelin und Formel-1-Champion Fernando Alonso

25. Oktober 2006 Die Aktionäre des französischen Reifenherstellers und Continental-Konkurrenten Michelin hatten es in der Vergangenheit nicht immer leicht. Immer wieder legte die Aktie jahrelange Konsolidierungsphasen ein, und in den vergangenen neun Jahren zeigten sich eigentlich nur die Jahre 2003 und 2004 von der freundlichen Seite.

Um so überraschender mag daher die jüngste Rally des Papiers gekommen sein, die es von Ende Juli bis Ende der vergangenen Woche von einem 23-Monats-Tief bei 43,38 Euro bis auf ein Allzeithoch von 62,35 Euro steil nach oben führte. Das war immerhin ein Kursgewinn von 43,7 Prozent oder auf annualisierter Basis über 300 Prozent.

Irgendwie ist alles anders

Reifenprüfung bei Michelin in Karlsruhe

Reifenprüfung bei Michelin in Karlsruhe

Nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley reagierte die Aktie damit zum Teil auf den Preisverfall bei Naturkautschuk, der vorangegangene Gewinnprognosen konservativ erscheinen ließ.

Indes waren nicht alle Analysten gleich begeistert. Die Hypo-Vereinsbank etwa argumentierte, daß die anhaltend schwache Entwicklung der Pkw-Reifenmärkte in Europa und Nordamerika und eine sehr volatile Situation auf den Rohstoffmärkten keine weiteren Impulse erwarten lassen - trotz aller Preisdisziplin im Ersatzgeschäft. Denn gerade Michelin als Markt- und in vielen Kategorien auch Preisführer falle es schwer, Preiserhöhung ohne Mengeneffekte durchzusetzen.

Die am Dienstag abend vorgelegten Ergebnisse gaben auch wenig Aufschluß darüber, welche Sichtweise nun zutreffend ist. Denn alles scheint irgendwie anders zu sein. Der Rückgang der Rohmaterialpreise wirke sich wegen einer drei- bis fünfmonatigen Zeitverzögerung nur wenig auf das Gesamtjahresergebnis des Konzerns aus. Diese Zeitspanne liege zwischen dem Kauf der Rohmaterialien und dem Verkauf der daraus produzierten Reifen. Über das Gesamtjahr gerechnet werde die Steigerung der Rohstoffpreise aber rund 23 Prozent betragen und rund 800 Millionen Euro zusätzliche Kosten verursachen.

Erwartungen leicht übertroffen

Dagegen habe sich im dritten Quartal der Preismix mit 4,1 Prozent positiv ausgewirkt, wohingegen die Wechselkurse zum ersten Mal im laufenden Jahr einen negativen Effekt gehabt hätten. Michelin bezifferte diesen auf 1,5 Prozent.

Insgesamt aber hat der Konzern die Umsatzerwartungen der Analysten leicht übertroffen. Für das dritte Quartal gab die Nummer eins der Branche einen um 4,9 Prozent höheren Umsatz von 4,08 Milliarden Euro bekannt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 4,06 Milliarden Euro gerechnet. Im dritten Quartal seien die Umsätze auch im Vergleich zu den vorhergegangenen drei Monaten merklich gestiegen, teilte Michelin am Dienstag weiter mit.

Nationalbewußt: Michelins Hauptwerk steht immer noch im französischen  Clermont-Ferrand

Nationalbewußt: Michelins Hauptwerk steht immer noch im französischen Clermont-Ferrand

Das Unternehmen bekräftigte zudem sein Ziel, für das Gesamtjahr 2006 eine Umsatzrendite von rund acht Prozent zu erwirtschaften. Indes hatte das Unternehmen die Prognosen im Juli aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise herabgesetzt.

Wenig Begeisterung am Markt

Dies und die Verschlechterung der Wechselkursverhältnisse sollen durch die Preiserhöhungen ausgeglichen werden. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem schwierigen Reifenmarkt zu verbessern, arbeiteten die Franzosen zudem an Kostenreduzierungen. Bis 2010 soll die Produktivität um 30 Prozent gesteigert werden, um die mittelfristigen Ziele zu erreichen. Der im Mai verstorbene Unternehmenschef Edouard Michelin nannte als Ziel eine Vorsteuerrendite von zehn Prozent bis 2010 und eine Steigerung des Jahresumsatzes von 3,5 Prozent.

Gaetan Toulemonde, Analyst bei der Deutschen Bank, nannte die Zahlen „ziemlich gut“. Man habe den Eindruck, daß die Gewinne derzeit nicht unter hohem Druck stünden. Der Absatz von Lkw-Reifen stieg um 7,7 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro, der Absatz im Segment Pkws und leichte Lkw um drei Prozent auf 2,22 Milliarden Euro.

Die Begeisterung über die Zahlen hielt sich in sehr engen Grenzen. Hatte die Aktie bis zum Mittag leicht im Minus gelegen, war sie am frühen Nachmittag zunächst ins Plus gedreht, war dann aber bis Handelsschluß in Paris unter Druck geraten. Am Ende schloß sie als drittschlechtester Wert im CAC40 deutlich mit 1,5 Prozent im Minus.

Eine Frage der Einschätzung

Dabei dürfte wohl vor allem die Aussicht mißfallen haben, daß die Entspannung der Rohstoffpreise kurzfristig nur geringfügige Auswirkungen haben wird. Indes nehmen sich die Kursverluste nur marginal aus und ändern nichts am kurzfristigen Aufwärtstrend. Viel hängt davon ab, wie der Markt die Zahlen am Mittwoch bewertet. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,6 für das laufende und 10,4 für das kommende Jahr ist die Aktie noch nicht allzu teuer.

Bridgestone und Goodyear sind deutlich höher bewertet. Und auch die - zwar nur bedingt vergleichbare - Conti-Aktie ist zumindest auf Basis des kommenden Jahres teurer. Kann die Notierung am Mittwoch mehr als nur eine technische Gegenreaktion auf die Waage bringen, so stehen die Chancen gut, daß die Rally zumindest bis zur Vorlage der Jahresergebnisse im Februar eine Fortsetzung findet.

Kommt es zu keiner fundamentalen Trendwende der Rohstoffmärkte nach oben - womit eigentlich nicht zu rechnen ist -, so dürfte sich die Entspannung im kommenden Jahr positiv auswirken und damit die Aktie unter Bewertungsaspekten recht interessant werden lassen. Andererseits könnte die Konsolidierung vom Vortag auch eine Verschnaufpause beim Kurs andeuten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, dpa, FAZ.NET

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