18. Oktober 2007 Wenn man die Erwartungen tief genug hängt, dann können sie auch leicht übertroffen und entsprechend positiv verkauft werden. Das gilt gegenwärtig sowohl für viele Konjunktur-, als auch insbesondere für viele Unternehmensergebnisse.
Offensichtlich auch für SAP. Denn wenn Agenturen den am Donnerstag vorgelegten Bericht für das dritte Quartal feiern und wenn die Aktienhändler mit Kursgewinnen von bis zu einem Prozent darauf reagieren, dann wohl nur deswegen.
Gewinn wächst schwächer als der Umsatz
Ein Umsatzwachstum von knapp 13 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode auf 1,74 Milliarden Euro mag für ein selbst ernanntes Wachstumsunternehmen noch so durchgehen, ein unterdurchschnittlicher Zuwachs beim operativen Gewinn von knapp 9,5 Prozent auf 601 Millionen Euro und von knapp 10,3 Prozent beim Nettogewinn auf 408 Millionen Euro ist jedoch nicht sonderlich überzeugend. Vor allem deswegen nicht, weil die Marge sinkt und weil das mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 24,3 und knapp 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr nur bedingt zu vereinbaren ist.
Das dritten Quartal ist ein weiteres starkes Quartal, in dem der Umsatz der SAP mit Software und softwarebezogenen Services in allen Regionen zweistellig zugenommen hat, wird SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann zitiert. Im Berichtszeitraum habe SAP weitere Anteile unter den Anbietern von Core Enterprise Applications hinzugewonnen. Der weltweite Anteil von SAP unter diesen Anbietern lag den Angaben zufolge bei 27 Prozent zum Ende des dritten Quartals 2007. Dies entspreche einem Zuwachs von 3,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreswert, hieß es weiter.
Für die SAP AG sei es noch zu früh, eine konkrete Prognose für das kommende Jahr zu geben. Auf eine Frage zur Geschäftsentwicklung für das Jahr 2008 sagte der Vorstandsvorsitzende Henning Kagermann dem Fernsehsender CNBC Europe, er halte den Markt für robust, und der Walldorfer Softwarekonzern werde mit derselben Geschwindigkeit wachsen wie im laufenden Jahr.
SAP droht ins Hintertreffen zu geraten
Weiter ging Kagermann nicht ins Detail. Er sagte lediglich, SAP werde Anfang des kommenden Jahres eine Prognose abgeben. Zunächst müsse das für SAP traditionell sehr wichtige vierte Quartal abgewartet werden. Das aktuelle Ziel, den Produktumsatz um zwölf Prozent bis 14 Prozent zu erhöhen, sei bereits sehr ehrgeizig. Das Ziel bedeute, dass der Konzern mehr als eine Milliarde Dollar an zusätzlichem Geschäft gewinnen müsse. Kagermann räumte zudem ein, dass der starke Euro den Gewinn des Softwarekonzerns belaste. Er wiederholte jedoch, strategische Übernahmen nie ausgeschlossen werden könnten, auch große nicht.
Auf diese Weise wird nach der jüngsten Übernahme von Business Objects einmal mehr klar, dass die Strategie des organischen Wachstums offensichtlich nicht unbedingt richtig und inzwischen auch ad acta gelegt worden ist. Denn SAP droht im Vergleich mit Unternehmen wie Oracle, das mit einer Großübernahme nach der anderen den Markt aufrollt und an sich zieht, ins Hintertreffen zu geraten. Der Rückstand lässt sich kaum noch aufholen, denn was weg ist vom Markt, ist weg. Das jüngste Gebot von Oracle für BEA Systems spricht für sich.
Das andere ist die kritischer werdende Wettbewerbsposition, die unter anderem vom schwachen Dollar ausgeht. Immerhin erzielte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr knapp 28 Prozent seiner Erlöse in den Vereinigten Staaten und knapp zwölf Prozent in Asien.
Insgesamt dürfte angesichts der Bewertung kaum verwundern, dass die SAP-Aktie hinter dem Dax herhinkt. Gleichzeitig ist die Aktie von Oracle mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 17,5 und 15,5 auf Basis der Gewinnschätzungen deutlich günstiger.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +66,60 | +22,78 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +0,66 | +2,41 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,44 | +2,34 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,53 | -12,82 |
| SAP AG INHABER - AKT | -2,93 | -10,16 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,60 | -9,60 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.366,35 | -0,38 |
| TecDax | 589,97 | -2,35 |
| DowJones | 9.955,50 | -3,58 |
| Nasdaq | 1.862,96 | -4,34 |
| STOXX 50 | 2.881,46 | +0,32 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,47 | -2,06 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,45 |
| Bund Future | 117,02 | +0,03 |
| Gold | 884,70 | +2,67 |
| Öl | 86,68 | -6,11 |