Finanzmärkte

Asien-Pazifik-Börsen boomen

27. Dezember 2006 Die Stimmung an den internationalen Börsen ist sehr positiv. Anleger und Strategen rechnen mehrheitlich mit steigenden Kursen. Während das Geschäft gegenwärtig in den westlich beziehungsweise christlich orientierten Staaten aufgrund der Weihnachtsfeiertage und des anstehenden Jahreswechsels eher lethargisch ist, da sich viele Marktteilnehmer im Urlaub befinden, geht im asiatisch-pazifischen Geschäft die Post ab.

Die australische Börse setzte am Mittwoch den langfristigen Aufwärtstrend fort und markierte ebenso ein neues Allzeithoch wie die Börse in Hongkong: Mit einem Kursgewinn von 1,48 Prozent lag der Hang Seng Index bei 19.607 Zählern. Die treibende Kraft im Hintergrund ist die anhaltende Kursdynamik im chinesischen Markt.

Hang Seng China Enterprises Index ist in die Vertikale übergegangen

So legte der Hang Seng China Enterprises Index am Mittwoch satte fünf Prozent zu und überwand erstmals die Marke von 10.000 Zählern. Ähnlich starke Kursgewinne verbuchte auch der Hang Seng Mainland 25 Index. Das dürfte kaum verwundern, handelt es sich dabei doch um die „Top-Werte“ des chinesischen Marktes.

Die Problematik des anhaltenden Optimismus dürfte sich an der Kursentwicklung dieser Indizes darlegen lassen. Denn auf der einen Seite mögen sowohl das anhaltend hohe Wirtschaftswachstum der Region als auch die damit verbundenen Umsatz- und Gewinnwachstumschancen der hier tätigen Unternehmen für die Kursgewinne sprechen.

Auf der anderen Seite ist der Hang Seng China Enterprises Index inzwischen förmlich in die Vertikale nach oben übergegangen. Das ist eine technische Konstellation, die in der Regel nicht sehr lange anhalten kann. Normalerweise kommt es nach sehr rasch und sehr stark steigenden Kursen dieser Art früher oder später zu entsprechend starken Korrekturen. Das zeigte sich in den vergangenen Monaten exemplarisch an den arabischen Börsen.

Auch die Bewertung der Aktienmärkte der asiatisch-pazifischen Region ist inzwischen vielfach schon grenzwertig geworden. Günstig bis fair bewertet sind auf Basis der Gewinnprognosen allenfalls die Märkte in Thailand, Südkorea und Hongkong, während die Aktien in China selbst inzwischen nach den deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Wochen sogar ausgesprochen teuer geworden sind.

Börse in Thailand und Südkorea nur optisch günstig

Die Bewertung in Thailand wird relativiert durch das wirtschaftspolitische „Gefrickel“ der Übergangsregierung nach dem Militärputsch vor wenigen Tagen. Internationale Anleger wurden und sind verunsichert, da sie nicht wissen, ob der Kapitalverkehr im Lande frei bleibt oder nicht. Wer jedoch damit rechnen muß, daß investiertes Geld festgehalten wird, neigt nicht nur nicht zu Investitionen, sondern dazu, Gelder abzuziehen. Auf diese Weise läßt sich der gegenwärtige Bewertungsabschlag erklären.

Auch in Südkorea gibt es eine Erklärung für die optisch günstige Bewertung. Sie leitet sich vor allem aus der Exportlastigkeit des Landes ab, die im Falle einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung in den Vereinigten Staaten zum Bumerang werden dürfte. Es fragt sich nur, wann diese Sorge auch auf China übertragen werden wird. Immerhin dient das Land als „Produktionsplattform“ für die Herstellung von Gütern, die vielfach in die Vereinigten Staaten exportiert werden.

Vielfach wird zwar darauf spekuliert, die asiatischen Märkte könnten sich aufgrund ihrer zunehmenden Eigendynamik, die sich vor allem aus dem im stärkeren Binnenkonsum ableite, von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Fragt sich nur, ob sich diese Theorie auch in den Praxis bestätigen wird. In diesem Sinne kann die aufmerksame Beobachtung der weiteren Entwicklung in der Region und eine rasche Reaktion auf denkbare Veränderungen nicht schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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