30. Juni 2008 Die Woche beginnt schlecht für die Aktionäre der ADVA Optical Networking. Nachdem der Glasfaser-Spezialist am Montagmorgen seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das zweite Quartal senkte, stürzte der Kurs zur Handelseröffnung um 20 Prozent auf 1,91Euro ab.
Der Umsatz werde im zweiten Quartal zwischen 50 und 52 Millionen betragen und damit unter der bisherigen Prognosespanne von 55 bis 59 Millionen Euro liegen, hieß es vom Unternehmen. Statt einem in etwa ausgeglichenem Pro-forma-Betriebsergebnis auf Basis des Bilanzierungsstandards IFRS wird dieses nur noch bestenfalls ausgeglichen sein. Es werde zwischen minus 3 Prozent und 0 Prozent vom Umsatz betragen. Bisher ging ADVA von einer Spanne zwischen minus 2 und plus einem 1 Prozent aus.
Längere Talfahrt
Schon längere Zeit befindet sich der Aktienkurs auf Talfahrt. Einmal abgesehen von einstigen Technologie-Hype-Kurshöhen, als für die Aktie des Unternehmens bis zu 150 Euro bezahlt wurden, liegt das immer noch gültige Sieben-Jahres-Kurshoch bei 10,26 Euro. Dieses war im Frühjahr 2006 erreicht worden.
Danach ging es steil bergab. Anfang 2007 konnte sich die Notierung noch einmal fangen, kletterte Anfang 2007 noch einmal auf 9,44 Euro, brach dann aber gnadenlos ein und fiel bis März diesen Jahres auf 1,34 Euro.
Ursache dürfte zumindest zum Teil sein, dass das Unternehmen, das optische und Ethernet-Übertragungstechnik herstellt, nicht wieder aus den roten Zahlen kommen will. Zu Beginn des Jahrzehnts schien alles noch planmäßig zu verlaufen. 2003 kam man aus den Verlusten heraus, 2004 stieg der Gewinn, ebenso 2005.
Immer wieder Prognosesenkungen
Doch im dritten Quartal des Jahres 2006 rutschte man bereits in die Verlustzone und seitdem ist es ADVA nicht gelungen, sich daraus wieder herauszuarbeiten. Seinerzeit waren Abschreibungen für das übernommene amerikanische Unternehmens Movaz die Ursache.
Doch im März 2007 musste man bekannt geben, dass man wegen der Lasten aus der Übernahme und zudem der Verzögerung eines Großauftrags 2006 weniger Gewinn erwirtschaftet hatte.
2007 wollte man den Umsatz auf mindestens 260 Millionen Euro steigern und die Betriebsergebnismarge auf Pro-Forma-Basis 10 bis 13 Prozent erreichen, nachdem dieser Wert 2006 bei knapp sieben Prozent gelegen. Doch am Freitagabend vor Weihnachten senkte das Unternehmen die Umsatz- und Ergebnisprognosen auf 248 bis 253 Millionen Euro. Letztlich wurden es 251,5 Millionen, während das IFRS-Pro-forma-Betriebsergebnis auf 1,8 Millionen Euro von 13,1 Millionen Euro im Vorjahr sank. Nunmehr sorgt erneut die Verschiebung von Aufträgen in die zweite Jahreshälfte für Belastungen.
Warten auf eine Stabilisierung der Branche
Der Netzwerkausrüster ist ein Branchenkind und leidet wie alle Unternehmen der Branche unter dem Preisdruck. Analysten rechneten schon vor der Prognosesenkung vom Montag nicht mit Gewinnen im laufenden Geschäftsjahr. Auf Basis der Prognosen für 2009 beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis selbst nach dem Kursrutsch stolze 91.
Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von einer Viertelmilliarde Euro ist mit 110 Millionen Euro Marktkapitalisierung mit weniger als der Hälfte dessen bewertet und etwas mehr als der Hälfte des Buchwerts zum 31. März. Die Eigenkapitalquote betrug zu diesem Stichtag noch hohe 52 Prozent.
Doch dies sind angesichts der schwachen Branchenentwicklung nur wenig tragfähige Argumente. Auch Branchengrößen wie Ericsson oder Alcatel-Lucent notieren deutlich unter ihren Buchwerten und kämpfen seit langem um ihre Rentabilität, die Entwicklung des Geschäfts ist im allgemeinen sehr unstet.
Und der Blick auf die Charttechnik kann ebenso wenig verlocken. Das gilt ebenso für Alcatel-Lucent und Ericsson wie für ADVA (siehe Infografik). Mit dem Sturz unter zwei Euro ist die schwache Unterstützung erneut durchbrochen worden, die Zeichen stehen auf einen Test des im März erreichten Fünf-Jahres-Tiefs.
Im aktuell eher negativen Börsenklima dürfte es für eine Stabilisierung des Kurses zunächst einer Stabilisierung der Unternehmensergebnisse bedürfen, was eine Stabilisierung der Branchenkonjunktur voraussetzt. Dies ist derzeit nicht in Sicht. Für die kurzfristige Zukunft ausschlaggebend dürfte der Ausblick für das dritte Quartal sein, dessen Veröffentlichung gemeinsam mit den Ergebnissen des zweiten für den 5. August angekündigt ist.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho
Bildmaterial: ADVA Optical Networking, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,47 | +35,59 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,67 | +17,16 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +2,43 | +15,68 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | -1,94 | -0,57 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,76 | +1,84 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,27 | +2,30 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,46 | +6,98 |
| TecDax | 572,94 | +10,87 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.574,17 | +6,29 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,10 |
| Bund Future | 114,69 | +0,02 |
| Gold | 856,20 | +1,04 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |