22. April 2008 In den kommenden zwei Wochen kommt auf Analysten und Anleger einige Arbeit zu: Die Hälfte der 30 im Dax vertretenen Unternehmen werden ihre Quartalszahlen veröffentlichen. Auf Infineon, Merck KGaA, BASF, Bayer und Lufthansa in dieser Woche folgen in der kommenden Woche unter anderen Daimler, Deutsche Bank, Siemens und VW.
Die lange Zeit gehegte Hoffnung auf eine Entkoppelung ist verflogen. So hieß die Theorie, nach der die europäische Wirtschaft stark genug ist, um unabhängig von Finanzkrise und amerikanischer Rezession zu wachsen. Die meisten Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen für die europäische Wirtschaft auf deutlich weniger als 2 Prozent reduziert.
2008 nur ein Flautejahr?
Und auch die Analysten haben reagiert. In den vergangenen Monaten wurden die Schätzungen der Gewinne der Dax-Unternehmen um rund 10 Prozent reduziert. Ich zweifle nur, ob das reicht, sagt Karsten Klude, Aktienstratege von M.M. Warburg. Für dieses Jahr rechnen viele Analysten zwar inzwischen mit stagnierenden durchschnittlichen Gewinnen der Dax-Gesellschaften, für 2009 aber schon wieder mit zweistelligen Wachstumsraten.
Das sei doch arg optimistisch, sagt Klude. Denn erst 2009 werde sich die Abschwächung der Wirtschaft richtig in den Auftragsbüchern der Unternehmen bemerkbar machen. Außerdem könnten die Gewinnmargen nicht erhöht werden, weil die Kosten in vielen Bereichen schon stark reduziert seien.
Eine Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft erwartet auch die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Doch es werde aller Voraussicht nach keinen starken Rückgang der Gewinne geben, sagt der Anlagestratege Dennis Nacken. Gerade die deutsche Wirtschaft sei in einer guten Verfassung. Die Abschwächung in Amerika werde durch die Nachfrage aus den Schwellenländern ausgeglichen, und deshalb sei die Kapazitätsauslastung mit 87 Prozent immer noch sehr hoch.
Banken verderben Amerikas Bilanz
Überraschend stabil haben sich bislang auch die amerikanischen Unternehmensgewinne entwickelt. Dort hat schon gut ein Fünftel der im S&P 500 vertretenen Unternehmen über das Quartal berichtet. Die durchschnittlichen Gewinne sind um rund 7 Prozent gefallen im Vergleich zum ersten Quartal 2007. Ein großer Teil des Rückgangs resultiert aus der Schwäche der Banken. Rechne man sie heraus, hätten die übrigen Branchen ihren Gewinn sogar geringfügig gesteigert, berichtet Michael Pohn, Aktienstratege der DZ Bank. Insbesondere die exportstarken Unternehmen profitierten dort vom schwachen Außenwert des Dollar.
Das hat in Deutschland allerdings den umgekehrten Effekt. Noch profitieren einige Gesellschaften davon, dass sie sich gegen eine Aufwertung des Euro abgesichert haben. Das gilt zum Beispiel für Infineon, wo der bremsende Effekt des starken Euro in diesem Jahr noch durch Gewinne aus den Absicherungsgeschäften ausgeglichen wird.
Sollte der Euro aber auf seinem hohen Niveau verharren oder weiter steigen, dann würde sich für Infineon ein weiterer belastender Faktor ergeben. Die Gesellschaft steht ohnehin unter Druck wegen der großen Verluste ihrer Tochtergesellschaft Qimonda. Am Mittwoch werde es aus Sicht der Anleger vor allem auf den Ausblick für das Kommunikationsgeschäft ankommen, sagt Michael Busse, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.
Text: ruh/F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,37 | +0,50 |
| Bund Future | 114,36 | -0,27 |
| Gold | 861,23 | +1,63 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |