Harley Davidson

Die Käufer bleiben aus

18. April 2008 Es läuft nicht rund bei Harley Davidson. Vor allem in den Vereinigten Staaten ist der Absatz in diesem Jahr scharf eingebrochen. Dabei ist dies nicht nur der Heimatmarkt für den Hersteller schwerer Motorräder, sondern auch dessen wichtigstes Verkaufsgebiet.

Der Niedergang lässt sich am Börsenkurs ablesen. Zwar ist die Notierung von Harley Davidson am Freitag im Frankfurter Handel kräftig gestiegen, doch schon am Donnerstagabend war er in New York unter Druck geraten. Sollte das etwa tatsächlich das Zeichen sein, dass die Aktie des Herstellers von Kultmotorrädern an der Börse wieder aufdrehen will?

Viele Analysten jedenfalls bleiben skeptisch. Zu verhalten waren die Reaktionen auf die Quartalszahlen, die Harley Davidson am Donnerstag vorgelegt hatte. Zwar stieg der Umsatz im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent auf 1,31 Milliarden Dollar. Der Gewinn jedoch ging um 2,5 Prozent auf 187,6 Millionen Dollar zurück. Um sogar 6,8 Prozent auf 0,79 Dollar fiel der Gewinn je Aktie.

Scharfer Umsatzeinbruch in den Vereinigten Staaten

Vor allem amerikanische Kunden stellen angesichts der wachsenden Sorgen über eine Abkühlung der Konjunktur den Kauf eines neuen Choppers zurück. „Mit der zunehmenden Schwäche der Wirtschaft ging die Verkäufe an amerikanische Privatkunden im ersten Quartal um 12,8 Prozent zurück“, sagte Vorstandsvorsitzender Joe Ziemer.

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Verkäufe branchenweit in den Vereinigten Staaten um 14 Prozent fielen. Denn die Zahlen lagen spürbar unter denen, die auf Seite der Analysten überwiegend erwartet worden waren.

Harley entlässt Beschäftigte

Dennoch will auch Harley Davidson die Produktion in diesem Jahr um 23.000 bis 27.000 Stück auf 303.500 bis 307.500 senken. Das wird laut Ziemer auch vorübergehenden Werkschließungen und zur Entlassung von insgesamt mehr als 700 Beschäftigten führen.

Es gibt wenig Hoffnung, dass die Schwierigkeiten damit ausgestanden sind. „Wir erwarten ein wirtschaftliches Umfeld, das weiterhin fordernd sein wird“, sagte Ziemer weiter und senkte die Prognose für dieses Jahr um 15 bis 20 Prozent. Jetzt erwartet Ziemer, dass der Gewinn je Aktie in diesem Jahr bei 3 bis 3,18 Dollar liegen dürfte. Zuvor hatte Ziener noch einen Anstieg auf 3,89 bis 4 Dollar je Aktie in Aussicht gestellt.

Der Aktienkurs ist schon stark gefallen

Die Kursgewinne vom Freitag sind für die bisherigen Aktionäre von Harley nur ein schwacher Trost. In den vergangenen zwölf Monaten stürzte der Kurs um mehr als 20 Prozent, allein in diesem Jahr schon um mehr als 10 Prozent. Damit liegt die Marktkapitalisierung der Aktien bei nur noch 8,5 Milliarden Dollar. Daran gemessen ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 8,5 allerdings noch relativ hoch.

Charttechnisch betrachtet befindet sich der derzeitige Aktienkurs trotz des Anstiegs vom Freitag in einem stabilen Abwärtstrend. Der Kurs müsste schon auf mehr als 40 Dollar steigen, um sich daraus zu befreien.

Einige Analysten, vor allem amerikanische, argumentieren nun, dass Harley damit viel günstiger bewertet als der italienische Hersteller Ducati Motor Holdings (Isin: IT0001278081) bewertet sei, der auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 kommt. Doch der Spezialist für schnittige Rennmodelle steht angeblich kurz davor, von Volkswagen übernommen zu werden. Übernahmephantasie hat den Ducati-Kurs in diesem Jahr zeitweise schon kräftig steigen lassen.

Seit vier Jahrzehnten an der Börse

1903 bauten William „Bill“ Harley und Arthur Davidson in Milwaukee im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin ihre ersten Motorräder und gründeten 1907 die Harley Davidson Motor Company, die heute Teil der börsennotierten Harley Davidson Inc. ist . In den sechziger Jahren ging das Unternehmen an die Börse.

Dies konnte jedoch nicht verhindern, dass Harley Davidson 1968 tief in die Krise geriet. Vor allem die italienischen Werke sorgten für hohe Verluste, wurden aber erst 1978 verkauft. Auch die Qualität der Motorräder litt in diesen Krisenjahren erheblich. Technisch war das Unternehmen mehr oder weniger auf Vorkriegsniveau verharrt geblieben.

Analysten sind zurückhaltend

1981 übernahm eine dreizehnköpfige Gruppe ehemaliger Manager den Sanierungsfall. Die Produktionskosten waren zu hoch, die Modelle waren veraltet und wiesen erhebliche Qualitätsmängel auf. Die neue Führung restrukturierte das gesamte Unternehmen und überarbeitete komplett die Modellpalette. 1984 leitete der „Evolution“-Motor (kurz „Evo“ genannt) die Wende ein.

Angesichts der neuen Schwäche muss die Unternehmensführung nun um Schadensbegrenzung bemüht sein. „Wir halten die heruntergesetzten Prognosen des Managements nicht für so konservativ wie manche meinen“, warnte denn auch schon Analyst Gregory Badishkanian von der Citigroup in einem Kommentar und rät, die Aktie zu verkaufen mit einem Kursziel von 34 Dollar.

Die große Mehrheit der Analysten teilt diese Zurückhaltung und empfiehlt lediglich, die Aktie zu halten. Zuletzt stellte Analyst Patrick Archambault von Goldman Sachs den Titel auf „Neutral“ und setzt setzte sein Kursziel bei 39 Dollar. Die nächste Gelegenheit, die Anleger zu beruhigen, wird Ziener schon in der kommenden Woche erhalten. Am 26. April lädt Harley Davidson die Aktionäre zur Hauptversammlung nach Milwaukee.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @hlr
Bildmaterial: AFP, AP, CINETEXT, ddp, dpa, F.A.Z., F.A.Z./Michael Hauri, REUTERS

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