Branchen-Analyse

Bei Pharmawerten ist kein Ende der Talfahrt in Sicht

18. Oktober 2004 Bedenken über die Sicherheit einzelner Medikamente und der Druck, die Preise zu senken, bescherten dem Standard & Poor's 500 Pharmaceuticals and Biotechnology Index in diesem Jahr bereits einen Verlust von 13 Prozent. Der Dow Jones Stoxx 600 Healthcare-Index gab sieben Prozent gegenüber seinem diesjährigen Höchstwert ab.

„Wenn Sie Millionär werden wollen, sollten Sie nicht in Pharmawerte investieren," rät Peter Sehested, Fondsmanager bei LD Pension in Kopenhagen. „Der Pharmasektor hat Riesenprobleme, das ist keine vorübergehende Sache." Bedenken wegen Nebenwirkungen führten dazu, daß Merck & Co. das Schmerzmittel Vioxx vom Markt nahm und die amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA vergangenen Monat den Zulassungsantrag für das Blutverdünnungsmittel Exanta von AstraZeneca ablehnte.

Ein weiterer Belastungsfaktor kommt hinzu: Zwischen 2002 und 2007 laufen Patente mit einem Umsatz von 82 Mrd. Dollar aus, berichtet das Beratungsunternehmen Datamonitor Plc aus London. Das entspricht einem Fünftel vom Jahresumsatz der Branche.Zwar werden AstraZeneca, die Schweizer Novartis AG und Pfizer in Amerika diese Woche voraussichtlich alle einen höheren Gewinn berichten, aber das dürfte die Zweifel nicht beseitigen, ob sie auch nachhaltig den Ertrag steigern können. „Bei den großen Pharmakonzernen gab es wenig neue Produkte," erläutert Judy Vogel, Fondsmanagerin bei Principal Global Investors in Des Moines.

Margendruck macht sich bemerkbar

Der Vorstandsvorsitzende von AstraZeneca, Tom McKillop, sagte gegenüber Investoren am 7. Oktober, daß die Pharmakonzerne angesichts des Preisdrucks und der steigenden Kosten mit „klassischem Margendruck" zu kämpfen haben. Der Aktienkurs von AstraZeneca ist in diesem Jahr 22 Prozent abgesackt und weist im 33 Werte umfassenden Stoxx 600 Pharmaindex die zweitschlechteste Wertentwicklung auf. Noch schlechter schnitt Stada Arzneimittel AG ab. Deutschlands viertgrößter Generikahersteller kam auf ein Kurs-Minus von 28 Prozent.

„Selbst wenn die Zahlen für das dritte Quartal toll sind, werden die Pharmaaktien während des Präsidentschaftswahlkampfes in Amerika kaum steigen, " erwartet Stefan Ingildsen, Fondsmanager bei Bankinvest in Kopenhagen. In Amerika kommen aus der Politik Forderungen, die Preise für Medikamente zu senken. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry verlangt Abschläge von bis zu 65 Prozent.

Des weiteren befürchten Investoren, daß die Aufsichtsbehörden bei der Zulassung von Medikamenten strenger werden. Nachdem Merck das Schmerzmittel Vioxx vom Markt genommen hat, weil es das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht, haben jetzt amerikanische und europäische Aufsichtsbehörden Schmerzmittel der gleichen Wirkungsweise unter die Lupe genommen. Dazu zählen Arcoxia von Merck, Celebrex von Pfizer und Prexige von Novartis.

Präsidentschaftswahlen in Amerika wichtiger Termin für die Branche

Aber nicht alle Pharmaunternehmen leiden gleichermaßen unter Margendruck, auslaufendem Patentschutz oder Rückschlägen bei Produkten. Die Baseler Pharmakonzerne Novartis und Roche Holding AG „dürften ganz anständige Umsatz- und Ertragszahlen berichten", prognostiziert Jack Lafferty, Fondsmanager bei U.S. Trust in New York. „Sie sind nicht so stark wie ihre amerikanischen Konkurrenten vom Markt in Amerika abhängig. Außerdem haben sie sich bereits erfolgreich in Bereichen bewiesen, wo die Regierung die Preise vorgibt." Novartis ist der einzige der fünf europäischen Pharmariesen, der für 2004 eine positive Kursentwicklung aufweist. Die Aktie kommt auf ein Plus von knapp einem Prozent für dieses Jahr.

Bei den Pharmawerten ist auch für die Zeit nach den Wahlen in Amerika kein Silberstreif am Horizont zu erkennen. Sie dürften weiter von den Anlegern verschmäht werden, erwartet Mark Phillips, Fondsmanager bei Scottish Widows Investment in Edinburgh. „Weltweit gehen die Medikamentenpreise nach unten," sagt er. „Es ist einfach nicht genug Geld für Medikamente da. Die Regierungen sind gezwungen, bei den Preisen Druck zu machen."

Der Chart zeigt die Entwicklung des Dow Jones US Healthcare Index
Der Chart zeigt die Entwicklung des Dow Jones US Healthcare Index

Text: Bloomberg

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