Von Sam Stovall
22. Februar 2008 Die Dynamik des Branchenindex' S&P 1500 Health Care Equipment hat sich seit unserer Branchenanalyse im Januar des Jahres 2007 verbessert. Mit ihrer Kursentwicklung in den zurückliegenden zwölf Monaten befindet sich diese Gruppe nun im oberen 30-Prozent-Bereich aller Branchenindizes des S&P-1500.
Im Jahresverlauf bis zum 14. Februar sank der Teilindex für Medizintechnik um lediglich 0,5 Prozent gegenüber einem achtprozentigen Rückgang des S&P-1500. Im Gesamtjahr 2007 legte der Branchenindex um 10,4 Prozent zu, während der breite Markt um 3,6 Prozent anstieg.
Der von S&P-Aktienanalysten abgedeckte S&P-1500-Branchenindex für Medizintechnik umfasst 21 kleine und große Unternehmen. Die nach Marktkapitalisierung gewichtete Einstufung der Gruppe innerhalb des S&P-Rankingsystems beträgt im Mittel 3,5 Sterne gegenüber dem S&P-1500-Durchschnitt von 3,8 Sternen. Zwei Unternehmen sind mit fünf Sternen (unbedingte Kaufempfehlung) bewertet: BD (Becton, Dickinson and Company) und Hologic. Fünf Unternehmen wurden mit vier Sternen (Kaufempfehlung) versehen: Hospira, Kinetic Concepts, St. Jude Medical, Stryker und Zimmer Holdings.
Weitere Fusionen und Übernahmen
Robert Gold, der die Aktien von Medizintechnikherstellern für S&P analysiert, sieht die fundamentalen Aussichten dieser Branchengruppe positiv. Er geht davon aus, dass erste Anzeichen einer leichten Erholung auf den Märkten für implantierbare Defibrillatoren und die anhaltende Stärke in den Produktbereichen Kardiologie, Diabetes, Schmerzmanagement und Orthopädie zu einer Beschleunigung bei Umsätzen und Gewinnen im laufenden Jahr beitragen werden. Kritisch sieht Gold nach wie vor das Fehlen neuer Blockbuster-Produkte, während sich die jüngsten Fusions- und Übernahmeaktivitäten auf den amerikanischen Krankenhausmärkten nach seiner Ansicht nachteilig auf Großinvestitionen in den kommenden Quartalen auswirken dürften. Er ist jedoch davon überzeugt, dass es in den Jahren 2008 und 2009 zur Markteinführung mehrerer bedeutender Produkte kommen könnte.
Daneben sieht S&P ein weiterhin günstiges Umfeld für Fusionen und Übernahmen, was sich positiv auf die Aktienkursentwicklung auswirken und zur Entstehung mächtigerer globaler Wettbewerber in den Produktkategorien Orthopädie, Augenbehandlung, Onkologie und interventionelle Kardiologie führen sollte.
Nach Golds Prognosen wird die gesamte Branche im Jahr 2008 ein Umsatzwachstum von zwölf Prozent erzielen. Hierbei trifft eine verbesserte Preissituation bei orthopädischen Produkten auf schwächeres Wachstum im Bereich interventioneller Kardiologie, insbesondere bei den Medikamente freisetzenden Koronarstents; nach Ansicht von S&P ist der amerikanische Markt für diese Herzkranzgefäßimplantate mittlerweile gesättigt. Gold prognostiziert zudem weiterhin eine leichte Erholung des Marktes für implantierbare Defibrillatoren und rechnet in den Produktbereichen spinale Chirurgie, Schmerzmanagement, robotergestützte Chirurgie, bildgebende Diagnostik und Diabetesmanagement mit einer Fortsetzung des Wachstums.
Günstige längerfristige Rahmenbedingungen
Starke Zugewinne sieht Gold auch in der Kategorie ästhetische plastische Chirurgie, insbesondere in der kosmetischen Gesichtschirurgie und der Brustvergrößerung, wenngleich ein schwächer als erwartet ausfallendes Konsumklima in den Vereinigten Staaten die Produktnachfrage im Bereich Schönheitschirurgie dämpfen könnte.
In der Kategorie Orthopädie rechnet Gold vor dem Hintergrund vorteilhafter globaler demographischer Entwicklungen und technologischer Innovationen mit einer anhaltenden Stärke auf dem Markt für Kniegelenkprothesen. Starkes Branchenwachstum sieht Gold auch im Bereich spinale Chirurgie einschließlich Bandscheibenprothesen. Nach Einschätzung von S&P hat die mit einem Vergleich beendete Untersuchung der Preisbildung von Orthopädieproduktherstellern durch das amerikanische Justizministerium einige Risiken aus den Aktien dieser Unternehmen genommen, und Gold sieht keine wesentlichen Auswirkungen auf die Preisgestaltung oder die Entwicklung der Marktanteile.
S&P sieht für die Branchengruppe Medizintechnik positive längerfristige Rahmenbedingungen, unter anderem eine wachsende globale Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen, eine alternde Bevölkerung sowie steigende Investitionen in Forschung und Entwicklung, die zu einem stetigen Fluss neuer diagnostischer und therapeutischer Produkte in Bereichen wie Kardiologie, Orthopädie, Onkologie und minimal invasiver Chirurgie führen werden.
Fazit: Die hohe relative Stärke und die günstigen Rahmenbedingungen der Branchengruppe
deuten in naher Zukunft auf ein starkes Kurspotential des Teilindex' Medizintechnik hin.
Sam Stovall ist Chefstratege von S&P Equity Research Services.
Text: Businessweek
Bildmaterial: FAZ.NET