Aktienmarkt-Analyse

Zinserhöhung belastet den thailändischen Aktienmarkt

16. Juli 2008 Die thailändische Notenbank hat zwar lange still gehalten, aber jetzt konnte auch sie den wachsenden Inflationsdruck nicht länger ignorieren. Zur Wochenmitte hat sie den Leitzins wie weitgehend von Volkswirten erwartet um 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent angehoben.

In der Begründung der Notenbank zu der Zinsentscheidung heißt es, dass sich die Preisrisiken spürbar erhöht hätten. Die hohe Inflation könne sich negativ auf das Wachstumspotenzial des Landes auswirken, warnte die Notenbank zudem.

Politische Proteste vertreiben die Investoren

Dem heimischen Aktienmarkt bekam diese Entscheidung überhaupt nicht gut. Der SET-Index rutschte um 3,4 Prozent auf 670 Punkte ab und verbuchte damit alleine in den vergangenen drei Handelstagen ein Minus von gut acht Prozent. Zu leiden hatten wegen der Sorge vor steigenden Kreditausfällen vor allem Bankaktien. Seit dem am 25. Mai Proteste gegen die Regierung begonnen haben, beläuft sich der Abschlag beim SET nun sogar schon auf 24 Prozent.

Die Bewertung des Gesamtmarktes hat sich durch die Verluste weiter ermäßigt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2008 bewegt sich nunmehr bei etwas unter zehn. Sowohl relativ als auch absolut scheint das niedrig zu sein. Hinzu kommen ansehnliche Dividendenrenditen von im Schnitt deutlich mehr als vier Prozent.

Allerdings wird sich erst zeigen müssen, was die bisherigen Gewinnschätzungen wert sind. Das eingetrübte weltwirtschaftliche Umfeld könnte hier noch seinen Tribut fordern. Die Regierung hat jedenfalls schon durchblicken lassen, dass es im zweiten Halbjahr schwierig werden könnte, dass für 2008 angestrebte Wirtschaftswachstum von sechs Prozent tatsächlich zu erreichen (im Vorjahr war die Wirtschaft um 4,8 Prozent gewachsen und im ersten Quartal um sechs Prozent).

Zinsausblick dürfte die Stimmung länger belasten

Für den Aktienmarkt bedeuten diese unsicheren Aussichten vermutlich anhaltende Zurückhaltung bei den Investoren. Das gilt insbesondere für die Ausländer, die sich vor allem um die politische Stabilität des Landes sorgen. Ein frühzeitiges Aus für die erst seit einigen Monaten im Amt befindliche Regierung ist in der Tat trotz einer komfortablen Mehrheit im Parlament nicht ausgeschlossen. Schon jetzt haben sich die Ausländer aber in diesem Jahr laut Daten von Bloomberg schon von thailändischen Aktien im Wert von 2,4 Milliarden Dollar getrennt.

Erschwert wird eine baldige Kurserholung auch durch den von der Notenbank abgegebenen Zinsausblick. Denn die Zentralbank kündigte an, den Leitzins weiter anzuheben, wenn die Inflation auf dem gegenwärtig hohen Niveau verharren sollte. Und davon ist leider auszugehen. Mit einem Leitzins von 3,5 Prozent dürfte es schwer werden, der im Juni auf 8,9 Prozent und damit dem höchsten Niveau seit rund zehn Jahren gestiegenen Inflation Einhalt zu gebieten.

Suresh Kumar Ramanathan, Zins- und Währungsstratege bei der CIMB Investment Bank sagte dazu: 25 Basispunkten sind nicht genug, aber ein erster Schritt.“ Bekanntlich sind steigende Leitzinsen aber nicht gerade der beste Nährboden für höhere Aktienkurse.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

 
NamePunkteProzent
Dax 6.256,20 -0,98
TecDax 802,53 +0,73
DowJones 11.417,43 +0,61
Nasdaq 2.389,08 +0,20
STOXX 50 3.259,83 -1,08
Nikkei 225 12.752,21 -0,77
S&P 500 Zert. 12,65 -0,55
Euro/Dollar 1,48 +0,54
Bund Future 114,28 -0,42
Gold 826,52 +1,75
Öl 114,78 +3,31
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