Autozulieferer

Leoni erobert Europa - jetzt hat es die Kabel-Aktie schwer

04. September 2007 Mit deutschen Aktien ließ sich in den vergangenen fünf Jahren gutes Geld verdienen. Wer sich an Dax-Papiere hielt, hat seinen Einsatz seither im Schnitt mehr als verdoppelt. Wer die mittelgroßen Werte aus dem MDax kaufte, schaffte eine Verdreifachung des Vermögens. Und bei einigen MDax-Titeln war sogar eine Vervierfachung drin - unter anderem mit den Papieren des Autozulieferers Leoni.

Eigentlich sollte jetzt langsam Schluss sein, doch viele Anleger können von dem Nürnberger Unternehmen noch immer nicht genug bekommen. Am Dienstag setzte sich Leoni mit einem Plus von rund vier Prozent an die Spitze der MDax-Gewinner. Der Kurs durchbrach erstmals die Grenze von 40 Euro und erreichte ein neues Allzeithoch.

Der Weg zum Marktführer für Bordnetz-Systeme

Was die Investoren dermaßen in Ephorie versetzte: Der Konzern steht vor der Übernahme der Bordnetzsparte des französischen Wettbewerbers Valeo. Beide Firmen befinden sich in fortgeschrittenen Verhandlungen, wie Leoni mitteilte. Eine detaillierte Prüfung, die sogenannte Due Diligence, sei bereits abgeschlossen. Die Sparte Valeo Connective Systems, für die sich Leoni seit längerem interessiert, erreichte 2006 einen Umsatz von rund 545 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 36 Millionen Euro. Sie beschäftigt 11.700 Mitarbeiter an zwölf Produktionsstandorten. Leonis Umsatz liegt bei 2,1 Milliarden Euro.

Mit dem Kauf würden die Nürnberger nach eigenen Angaben zum führenden europäischen Anbieter von Bordnetz-Systemen für die Autoindustrie aufsteigen. Zudem erhielte Leoni erstmals Zugang zur französischen Automobilbranche. “Vorbehaltlich der Zustimmung
der Kartellbehörden und Anhörung der Valeo-Arbeitnehmervertretung könnten die Verhandlungen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden“, hieß es. Zu den Kunden der Franzosen gehören Hersteller wie Renault, Fiat und Volkswagen.

Schlusspunkt einer langen Einkaufsoffensive

Die Übernahme ist vorläufiger Schlusspunkt einer langjährigen Einkaufsoffensive. In den vergangenen sechs Jahren wurden rund 20 Firmen zugekauft. Zuletzt hatte sich Leoni 80 Prozent an dem italienischen Silikonkabelspezialisten Silitherm gesichert. Valeo freilich wäre der dickste Brocken.

Ebenso wie die Anleger finden Analysten die geplante Transaktion überzeugend. Die WestLB hob ihre Einschätzung der Leoni-Aktie nach Bekanntgabe der geplanten Bordnetz-Übernahme von „Add“ auf „Buy“ an und gab ein neues Kursziel von 48 Euro aus, nach zuvor 45 Euro. Damit geht die Landesbank davon aus, dass sich die Aktie in den kommenden zwölf Monaten im Vergleich zum Index um mehr als 20 Prozent besser entwickeln wird.

Für die neue optimistische Einschätzung sei nicht die Übernahme, sondern die langfristige Entwicklung des Unternehmens verantwortlich, hieß es in einer aktuellen Analyse. Die Aktie dürfte nicht nur von den starken Fundamentaldaten, sondern auch von der Möglichkeit profitieren, dass Leoni mit dem Zukauf einer der größten Anbieter von Bordsystemen in Autos sein wird.

Risiko, Risiko: Ein zu hoher Preis...

Allerdings birgt die Transaktion durchaus Risiken. Ein Risiko ist der Preis. So könnte Leoni zu viel für einen Geschäftsbereich zahlen, in dem der Zulieferer zwar noch keine Kunden habe, aber in dem er seit einigen Jahren versuche voranzukommen, heißt es. Unklar ist auch, ob und welche Hürden die französischen Gewerkschaften vor die Übernahme setzten. Schließlich könnte die Umstrukturierung einige Jahre dauern.

Das Interesse am Valeo-Bordnetzgeschäft hatte Leoni-Chef Klaus Probst bereits vor einem Monat in einem Interview bekundet. Über die Art der Finanzierung bei einem eventuellen Kauf sei noch nicht entschieden worden, hatte Probst damals erklärt. Ob eine Kapitalerhöhung nötig sein werde, hänge letztlich vom Zuschnitt der Akquisition ab. 200 oder 300 Millionen Euro könnten auch ohne frisches Eigenkapital finanziert werden. Bei einem Kaufpreis deutlich über 300 Millionen müsse man jedoch über eine Kapitalerhöhung nachdenken, so Probst. Die Aktionäre würde das nicht freuen.

...und jetzt wird die Luft dünn

Aus charttechnischer Sicht sieht Leoni zwar weiterhin sehr schön aus. Mit Ausnahme einer kleinen Delle im vergangenen Jahr ging es bislang unterm Strich beständig nach oben. Freilich wird jetzt jenseits der Marke von 40 Euro die Luft dünn. Schon im Februar, als die Nürnberger die „besten Zahlen in der Firmengeschichte“ vorgelegt hatten, gab der Kurs nach, weil die Anleger wohl mehr erwartet hatten. Und damals kostete die Aktie gerade mal knapp 32 Euro.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @tih
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, Leoni AG

 
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