18. Oktober 2007 Der 11. September 2001 hat sicherlich die Welt verändert, und zwar mit Sicherheit nicht zum besseren. Das gilt für viele Bereiche des Lebens, ganz besonders aber galt dies für die amerikanische Luftfahrt. Viele Gesellschaften gerieten in der Folgezeit in Turbulenzen und brauchten Jahre, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.
Derzeit sieht es so aus, als ob die schlimmsten Zeiten hinter den Unternehmen lägen, geht man nach den Geschäftszahlen, die bislang aus der Branche vorgelegt wurden. Die American-Airlines-Mutter AMR etwa hat im dritten Quartal ihren Gewinn vervielfachen und wieder an die Zeit vor dem 11. September 2001 anknüpfen können.
AMR knapp unter Erwartungen
Der Gewinn je Aktie stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal von 0,06 auf 0,61 Dollar, teilte der Konzern am Mittwoch in Fort Worth mit. Insgesamt wuchs der Überschuss von 15 Millionen auf 175 Millionen Dollar. Der Umsatz legte um 1,7 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar zu.
Dies sei das sechste klar profitable Jahresviertel und der größte Überschuss in einem dritten Quartal seit dem Jahr 2000, sagte AMR-Chef Gerard Arpey. Dabei war der Gewinn noch durch Sonderkosten von 40 Millionen Dollar für Löhne und Zuwendungen für die Jahre 2003 bis 2007 belastet worden.
Ursächlich war eine höhere Nachfrage, aber auch eine Reduktion der Kapazitäten um 2,8 Prozent, die es ermöglicht hatte, die Flugscheinpreise anzuheben und die Auslastung auf 83,9 Prozent nach 81,7 Prozent im Vergleichsquartal zu erhöhen. Analysten hatten auf bereinigter Basis im Schnitt einen Gewinn von 75 Cents je Aktie erwartet, tatsächlich erwirtschaftete AMR mit 74 Cents allerdings etwas weniger.
Restrukturierung geht weiter
Die Veränderungen im Unternehmen sollen allerdings noch weitergehen. So überlegt man, bei verschiedenen Sparten die Eigentumsverhältnisse zu ändern. Betroffen sind die Zubringerlinie American Eagle, die Finanzsparte Beacon Advisors, die Wartungssparte sowie das Vielfliegerprogramm AAdvantage. Gerade die Abspaltung des letzteren wird auch vom isländischen Großaktionär FL Group gefordert.
Bereits am Vortag hatte die drittgrößte amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines gemeldet, im ersten vollen Quartal nach fast zwei Jahren, die das Unternehmen benötigt hatte, um das Insolvenzverfahren abzuschließen, den Gewinn vervierfacht zu haben. Im dritten Quartal flog Delta einen Überschuss von 220 Millionen Dollar (156 Millionen Euro) ein, nach 52 Millionen Dollar ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.
Delta verbrachte 19 Monate unter Gläubigerschutz, um sich zu restrukturieren. In dieser Zeit gab es Massenentlassungen und Kosteneinsparungen von drei Milliarden Dollar pro Jahr. Die Auslastung stieg im dritten Quartal um 2,9 Prozentpunkte auf 83,1 Prozent. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf den Bestwert von 5,23 Milliarden Dollar.
Hohe Altlasten und Neubeginne
Die Gesellschaften leiden aber immer noch unter hohen Altlasten. Nach jahrelangen hohen Verlusten sind die Bilanzen, die schon in der Ausgangslage nicht eben glänzten, vielfach angeschlagen. AMR verzeichnete allein zwischen 2003 und 2005 von rund 2,9 Milliarden Dollar Verlust verzeichnete zum Ende des vergangenen Jahres immer noch ein negatives Eigenkapital von 606 Millionen Dollar. Zwar befindet man sich auf dem Wege der Besserung, doch ist die zuletzt ausgewiesene Eigenkapitalquote von zwei Prozent zu Ende Juli nicht eben ein solides Fundament.
Bei Delta Airlines gab es hingegen einen Neuanfang. Nachdem die Vorgängergesellschaft zum 31.12. 2006 ein negatives Eigenkapital von 69 Prozent verbuchte, zeigte sich die Bilanz der neuen Gesellschaft zum 2. August mit einer positiven Quote von 28 Prozent recht solide. Allerdings mussten die Alt-Aktionäre die Verluste ausbaden.
Bewertungen teils relativ hoch
Die neue Delta hat daher auch die besseren Chancen auch eine Verschlechterung der wetterwendischen Marktbedingungen im Fluggeschäft zu überstehen. Derzeit leiden die amerikanischen Fluggesellschaften unter den hohen Treibstoffpreisen. AMR-Finanzvorstand Thomas Horton nannte dies eine große Sorge - immerhin musste man in diesem Jahr bereits einen Preisanstieg von 37 Prozent verkraften. Geht der Preisanstieg weiter, werden sich irgendwann die Möglichkeiten erschöpft haben, diese über Preiserhöhungen weiter zu geben.
Noch sind die Analysten indes zuversichtlich und schätzen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse für AMR und Delta für das laufende Jahr auf 11,1 bzw. 17,8 und für das kommende Jahr auf 7,2 bzw. 11,7. Hier zeigt sich ein deutlicher Bewertungsabschlag bei AMR angesichts der unbereinigten Bilanz.
Verglichen mit europäischen Fluglinien, deren Eigenkapitalquoten zwischen 21 und 31 betragen, auch ohne dass sie druch ein Insolvenzverfahren mussten, sind die Bewertungen indes hoch, insbesondere für Delta. Lufthansa kommen auf KGVs von 10,1 bzw. 9,4, Air France-KLM von 7,6 bzw. 6,8 und British Airways von 7,9 bzw. 7,3.
Charttechnische Trends wenig verlockend
Günstiger sind indes Aktien von amerikanischen Airlines, die ihre Zahlen noch vorlegen müssen. Continental Airlines kommen auf KGVs von acht bzw. 7,4, U.S. Airways von fünf. Indes erwarten Analysten niedrigere Gewinne und ein höheres KGV für das kommende Jahr. Zudem sind auch deren Eigenkapitalquoten mit zuletzt 7,6 bzw. 15,6 Prozent nicht eben hoch.
Den Aktien amerikanischer Fluggesellschaften haftet also weiterhin ein deutlich spekulativer Charakter an. Hinzu kommt, dass die charttechnischen Voraussetzungen nicht eben positiv sind. Die neue Delta-Aktie konnte bislang keinen klaren Trend etablieren und zeigt sich sehr volatil.
AMR konnten erst vor kurzem ihren Abwärtstrend abfangen. Erst Kurse über 28 Dollar könnten jedoch als Zeichen einer Trendwende interpretiert werden. Ähnliches gilt für die Aktie von Continental, die etwas besser Aussichten hat, während die Aktiennotierung von U.S. Airways derzeit noch an der Bodenbildung arbeitet.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +0,74 | +1,75 |
| METRO AG STAMMAKTIEN | +0,28 | +0,73 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,03 | +0,04 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,00 | -3,29 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -1,27 | -3,06 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | -1,90 | -2,94 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.195,93 | -1,33 |
| TecDax | 778,55 | -1,99 |
| DowJones | 11.188,23 | -2,99 |
| Nasdaq | 2.259,04 | -3,20 |
| STOXX 50 | 3.238,02 | -1,12 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,42 | -0,08 |
| Bund Future | 115,49 | +0,30 |
| Gold | 796,05 | +0,60 |
| Öl | 107,49 | +0,77 |