Neuer Markt

„Fünf Euro ist das Minimum an fairer Bewertung für unsere Aktie“

14. November 2002 Das im Zuge des Börsengangs eingesammelte Kapital weitgehend beisammen gehalten zu haben, das ist auf den ersten Blick das größte Pfund, mit dem Syzygy aus Sicht der Börsianer wuchern kann. Denn dadurch sitzt der Anbieter von E-Business-Lösungen auf Barmitteln von 54,7 Millionen Euro oder umgerechnet 4,55 Euro je Aktie.

An der Börse müssen derzeit aber nicht zuletzt wegen eines schwierigen Geschäftsumfelds und inzwischen durch einen Verkauf gelösten Schwierigkeiten bei der Frankreich-Tochter nur 3,80 Euro gezahlt werden. Das heißt nichts anderes, als dass ein potenzieller Aufkäufer alle anderen Aktiva von Syzygy, wie etwa die stabilen Beziehungen zu Kunden wie DaimlerChrysler und Mazda, zum Nulltarif erhalten würde.

Dieser Vorteil mit der hohen Cash-Position zieht insbesondere dann, wenn die liquiden Mitteln nicht durch hohe Verluste aufgezehrt werden. Nach dem Verkauf der unprofitablen Geschäftsaktivitäten in Frankreich scheint dies bei dem an Neuen Markt gelisteten Titel nicht der Fall zu sein. Erklärte Vorgabe für das vierte Quartal 2002 ist es jedenfalls, einen positiven Cash-flow zu erreichen.

Die Analysten beim Nebenwertespezialisten GBC Research veranlasst dies dazu, das Risikoprofil des Titels trotz eines unverändert schwierigen Geschäftsumfelds als niedrig einzustufen. Als ein Argument, das dabei angeführt wird, dient der auf 5,15 Euro je Aktie bezifferte Buchwert. Durch diese auf den ersten Blick günstigen Bewertungskonstellationen hellhörig gemacht, nutzten wir einen Syzygy-Auftritt bei einer Nebenwertekonferenz dazu, uns das Unternehmen und die Aktie aus Sicht von Finanzvorstand Sven-Roger von Schilling näher bringen zu lassen.

Herr von Schilling, auch der Markt in dem Sie sich tummeln, befindet sich auf Konsolidierungskurs. Wie sehen Sie sich positioniert?

Was das kommende Jahr angeht sehen wir für unser Geschäftsumfeld zwar noch keine gravierenden Veränderungen. Prinzipiell schätzen wir unsere Chance aber als sehr gut ein. Immer mehr Wettbewerber scheiden aus und da wir mit Sicherheit übrig bleiben werden, gehören wir zu den Gewinnern dieser Entwicklung. Und irgend wann werden auch die Nachfrage und die Investitionen wieder anziehen.

Denken Sie noch darüber nach, Ihre Barmittel auch für Zukäufe zu verwenden?

Um die Kosten für die Börsennotiz zu rechtfertigen, müssen wir in eine Umsatzgröße von rund 30 Millionen Euro hineinwachsen. So gesehen besteht ein gewisser Druck zu anorganischem Wachstum. Denn nur mit internen Wachstum ist diese Zielgröße derzeit nicht zu erreichen. Wenn wir etwas zukaufen, dann aber nur in den Märkten Deutschland und England, also da, wo wir bereits jetzt tätig sind. Im übrigen geht es uns bei diesen Überlegungen weniger um eine vollständige Integration eines solchen Unternehmens sondern vielmehr um eine Synchronisation mit unseren Aktivitäten.

Wie erklären Sie sich, dass Ihr Unternehmen an der Börse für weniger als die Barmittel zu haben ist, die Sie besitzen?

Wir werden da sicherlich zum einen in Sippenhaft genommen. Zum anderen müssen wir erst beweisen, dass wir nach der Abgabe der französischen Beteiligung auch nachhaltig auf dem Weg der Besserung sind. Doch da uns das gelingen sollte, wäre ich mit meinem Latein am Ende, wenn unser Kurs im ersten Quartal 2003 nicht über dem Niveau der Cashbestände notieren würde.

Was wäre aus Ihrer Sicht eine faire Bewertung der Aktie?

Das ist schwer zu sagen. Aber annähernd eine Vorstellung bekommt man dazu, wenn man fiktiv den Verkauf des Unternehmens annimmt. Grob gerechnet kann man da das 0,5-fache des Umsatzes, also sieben Millionen Euro, ansetzen und darauf den Cashanteil von 55 Millionen Euro hinzurechnen. Umgerechnet ergeben sich dann ungefähr fünf Euro je Aktie, was ich als Minimum ansetzen würde.


Text: @JüB

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