21. November 2002 Am gestrigen Mittwoch hat sich der Börsengang der Deutschen Post zum zweiten Mal gejährt. Die Börsianer waren aber offenbar trotzdem nicht in Sektlaune. Denn umrankt von negativen Nachrichten um Stellenstreichungen, Aktienverkaufsplänen des Bundes und höher als erwarteten Beihilferückzahlungen ging es mit dem Aktienkurs phasenweise deutlich nach unten.
Damit bleibt der Titel seiner bisherigen Börsenhistorie treu, welche den Kurs fast im Gleichschritt mit dem Dax meistens nur nach unten führte. Lesen Sie in einem anlässlich des zweijährigen Börsenjubiläums geführten FAZ.NET-Interview, warum Post-Finanzvorstand Edgar Ernst jetzt trotzdem das Ende des Reigens an negativen Nachrichten gekommen sieht und fest an bessere Zeiten für die Aktie Gelb glaubt.
Erneut kursieren Meldungen, wonach der Bund Post-Aktien abgeben will. Sind diese Verkaufspläne nicht ein ständiger Hemmschuh für den Aktienkurs?
Dabei handelt es sich aus meiner Sicht noch immer oft um ein Missverständnis im Markt. Es wird nicht selten von einem zweiten Börsengang ausgegangen, was letztlich bei einem Verkauf der Anteile vom Bund an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aber nicht der Fall ist. Es handelt sich aber vielmehr um ein Parkmodell, bei dem der Free Float exakt gleich bleibt, weil die bei der KfW liegenden Anteile letztlich weiter dem Bund zugerechnet werden. Finanzminister Eichel hat auch schon mehrfach gesagt, dass es einen zweiten Börsengang erst bei besseren Marktbedingungen geben wird. Und als er das gesagt hat, war die Ausgangslage noch wesentlich besser als heute. Von meiner Seite kann ich zudem sagen, dass es überhaupt keine Vorbereitungen gibt für einen zweiten Börsengang.
Droht nach der Ausgabe der Treuaktien eine Verkaufswelle?
Dazu muss man wissen, dass es maximal um 7,3 Millionen Bonusaktien geht und es sich nicht um eine Kapitalerhöhung und somit keine Verwässerung handelt, sondern dass die Bonusaktien aus dem Bestand der KfW kommen. Unser Free Float würde nur auf knapp 32 Prozent von derzeit 31 Prozent erhöht. Von einer Verkaufswelle gehe ich auch deshalb nicht aus, weil sich der Kurs seit Bekanntgabe des Star-Programms eher nach oben als nach unten entwickelt hat.
In den vergangenen zwei Jahren mussten die Aktionäre einige negative Überraschungen verkraften. Sind weitere Überraschungen von Seiten der Regulierungsbehörden zu befürchten?
Das Gute an unserer Situation ist, dass die Liste der offenen Punkte in Sachen Regulierung und Brüssel abgearbeitet ist. Das heißt, unsere Rahmenbedingungen stehen jetzt fest. Wir gehen davon deshalb aus, dass es keine gravierenden Überraschungen mehr gibt.
Als Logistikanbieter profitiert die Post vom Trend zum Outsourcing. Wäre es da nicht sinnvoll, sich diesem Trend im eigenen Haus anzuschließen und sich von der Finanzdienstleistungssparte zu trennen?
Dazu muss ich eine dreiteilige Antwort geben. Erstens ist die Postbank im Konzern eine ganz wichtige Aktivität, da sie der Hauptnutzer unseres Postfilialnetzes ist. Im täglichen Geschäft hängt man dadurch wie siamesische Zwillinge zusammen. Zweitens war Logistik nur früher lediglich der Transport von Waren, dann kam das Element Information dazu und nun als dritte Dimension das Thema Finanzen. Dem Thema Finanzierung muss man sich als Logistikkonzern einfach stellen. Und was drittens die allgemein schwierige Lage im deutschen Bankensektor angeht, dazu muss man sagen, dass sich daran gemessen die Ergebnissituation bei der Postbank sehr solide darstellt. Das gelingt uns auch durch unsere Konzentration auf die Privatkunden. Diese klar fokussierte Strategie zahlt sich positiv in Zeiten aus, in denen sich mancher Wettbewerber nicht mehr so stark auf Privatkunden konzentriert. Nicht vergessen werden darf auch das Potenzial, das in unseren zehn Millionen Kunden schlummert.
Wie es heißt, sollen sie jetzt 906 statt 850 Millionen Euro an Beihilfen zurück zahlen. Wackelt dadurch die Jahresprognose?
Wir hatten bisher gesagt, unser operatives Ergebnis wird mindestens 2,2 Mrd. Euro betragen. Diese Aussage steht nach wie vor. Da ist nichts daran zu rütteln. Wir wollen uns außerdem mit Rechtsmitteln gegen die höhere Summe wehren, weil wir davon ausgehen, dass die 850 Millionen Euro richtig berechnet waren. Aber selbst wenn es bei den 906 Millionen Euro bleiben sollte, bleibt es trotzdem bei unserer Gewinnprognose für das Gesamtjahr.
Lastet nicht auch die Sorge vor Margendruck im Briefgeschäft auf dem Aktienkurs?
Das war schon ein Thema, als wir noch keine feste Rahmenbedingungen hatten. Jetzt haben wir feste Rahmenbedingungen bis Ende 2007. Das gibt einen viel höheren Grad an Planungssicherheit. Und davon abgesehen, scheint es ziemlich schwierig zu sein, ein landesweites Briefnetzwerk aufzubauen, das auch noch durch Qualität überzeugt. Sonst würden sich ja schon längst viele Wettbewerber im Markt tummeln.
Was könnte der Auslöser dafür sein, dass die Deutsche Post-Aktie das ihr seit dem Börsengang anhaftende Image als graue Maus ablegen kann?
Wir haben ganz einfach eine Story, die ankommt. Diese besteht mit den Säulen Brief und Postbank aus soliden und zulegenden Geschäftsfeldern. Ergänzt wird das durch die Zusammenführung der Segmente Express und Logistik unter dem Namen DHL. Dadurch kommt zur Solidität auch noch das Thema Wachstum dazu. Als wir das Star-Programm veröffentlichten, haben gleich mehrere Banken die Aktie Gelb zum Kauf empfohlen. Und ich kann ihnen sagen, dass das Star-Programm auch bei den Investoren im Rahmen unserer vor zwei Tagen zu Ende gegangenen weltweiten Roadshow hervorragend angekommen ist. Ich sehe in dem Star-Programm eine Riesenchance für uns, den Aktienkurs in die richtige Richtung zu bringen.
Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Synergien zu heben, die es in unserem Konzern gibt. Über die Fortschritte beim Star-Programm wollen wir auf Quartalsbasis berichten, sodass der Kapitalmarkt sich ein Bild machen kann, inwieweit wir unsere Vorgaben erfüllen. Dies wird zu einem gewissen Vertrauen führen und letztlich von der Börse honoriert werden.
Wie lautet Ihre Zielgröße für den Aktienkurs?
Da wäre jetzt jede Zahl willkürlich, da ich nicht in der Lage bin, Aktienkurse vorherzusagen. Allerdings kann man sagen, dass die aktuelle Marktkapitalisierung von elf bis zwölf Milliarden Euro in keinster Weise dem Potenzial des Unternehmens entspricht. Das lässt sich alleine schon an drei Positionen ablesen: So haben wir ein operatives Ergebnis von 2,2 Milliarden Euro und einen sehr hohen Cash-Flow. Gleichzeitig beträgt die Nettoverschuldung nur 1,5 Milliarden Euro bei einer Bilanzsumme von 23 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Star-Programm stehen wir somit sehr gut da.
@JüB
Text: Das Gespräch führte Jürgen Büttner
Bildmaterial: dpa
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| FMC | 35,96 € | +2,10% |
| Infineon | 3,39 € | +1,35% |
| ThyssenKrupp | 23,84 € | +1,23% |
| Beiersdorf | 42,91 € | +1,08% |
| Dt. Post | 12,56 € | +0,97% |
| Salzgitter | 62,03 € | +0,03% |
| E.ON | 26,68 € | −0,41% |
| MAN | 59,18 € | −0,79% |
| Volkswagen | 96,40 € | −1,85% |
| Commerzbank | 6,99 € | −2,58% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.686,83 | +0,40% |
| TecDAX | 761,43 | −0,15% |
| MDAX | 7.311,23 | +0,19% |
| SDAX | 3.503,06 | +0,39% |
| REX | 373,92 | +0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.883,04 | +0,21% |
| Dow Jones | 10.270,50 | +0,72% |
| Nasdaq 100 | 1.788,61 | +0,44% |
| S&P500 | 1.093,48 | +0,57% |
| Nikkei225 | 9.770,31 | −0,35% |
| EUR/USD | 1,4950 | +0,21% |
| Rohöl Brent Crude | 76,98 $ | −0,03% |
| Gold | 1.107,50 $ | −0,65% |
| Bund Future | 121,42 € | −0,04% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index13.11.2009 13:00 |
1353,22 | 1330,44 | 1264,28 |
Performance-Index13.11.2009 17:35 |
299,37 | 294,10 | 275,13 |
Euro-Aktien-Index13.11.2009 17:35 |
143,15 | 137,56 | 125,49 |