Schwellenländer

Der chinesische Aktienmarkt gerät weiter unter Druck

05. März 2008 Der Aktienmarkt in China steht vor einem weiteren Härtetest. Die Aktionäre von Ping An Insurance Group, Chinas zweitgrößter Versicherungsgesellschaft, billigten am Mittwochabend eine Kapitalerhöhung im Umfang von geschätzten 120 Milliarden Yuan (11,1 Milliarden Euro).

Allerdings braucht Ping An noch die Genehmigung der chinesischen Behörden. Diese hatten in der vergangenen Woche vor großen Kapitalaufnahmen gewarnt, die den Markt über Gebühr belasten könnten.

China verzögert die die Öffnung des Aktienmarktes in Hongkong

Zugleich verzögert China die Öffnung des Aktienmarktes in seiner Sonderverwaltungsregion Hongkong für Festlandchinesen. „Wir mussten unseren Plan ändern, weil sich die Marktbedingungen geändert haben", sagte Liu Mingkang, Vorsitzender der Bankenaufsicht am Mittwoch in Peking. „Wir suchen nun nach einem neuen Zeitpunkt." Allein in diesem Jahr hat der Hang-Seng-Index in Hongkong schon um 20 Prozent nachgegeben. Der Index der Börsen in Schanghai ist seit seinem Rekordstand im Oktober vergangenen Jahres um 30 Prozent eingebrochen.

Analysten erwarten, dass der innerchinesische Markt der Yuan-Aktien (A-Aktien) vom heutigen Stand aus betrachtet noch etwa weitere 20 Prozent nachgeben müsse, bevor eine faire Bewertung der Unternehmensanteile erreicht sei. Gerade im Vergleich zu den in Hongkong notierten chinesischen Aktien sind die in Schanghai und Shenzhen geführten Titel deutlich teurer - im Durchschnitt kommen sie auf das gut 41-fache der Unternehmensgewinne, verglichen mit einem Wert von knapp unter 20 für die chinesischen Aktien in der Sonderverwaltungsregion. Da viele Chinesen aber mit großen Teilen ihres Geldes spekulieren, steigt die Sorge der Regierung vor einem drastischen Einbruch des Marktes, sollten die Festlandchinesen plötzlich am preiswerteren Handelsplatz Hongkong zugelassen werden.

Kommen zu viele neue Papiere an den Markt?

Sorgen vor einer weiteren Korrektur des Marktes löst auch der Umfang der geplanten Kapitalerhöhung von Ping An aus. Schon jetzt ziehen Investoren Konsequenzen: Seit der Plan Mitte Januar bekannt wurde, hat der Wert der A-Aktie von Ping-An 32 Prozent verloren. Auch den weiteren Rückgang des Gesamtmarktes am Mittwoch um zunächst mehr als 2 Prozent und knapp ein Prozent zu Handelsschluss begründen Analysten mit einer Sorge vor dem zu großen Volumen der Kapitalerhöhung.

Der Versicherer plant neben der Ausgabe von 1,2 Milliarden jungen Aktien auch Wandelanleihen im Wert von etwa 41 Milliarden Yuan, heißt es in Finanzkreisen. Die Aktie notierte zuletzt bei 67,10 Yuan. Darf Ping An ihren Plan umsetzen, könnte es die sechsgrößte Kapitalaufnahme an der Börse überhaupt sein, melden Nachrichtenagenturen. Der schnell wachsende Versicherungskonzern gibt an, Kapital für Zukäufe im In- und Ausland zu benötigen. Zugleich erklärte Präsident Louis Cheung, verstärkt in Euro-Anlagen investieren zu wollen. „Es ist nicht klug für uns, nur auf den Yuan zu setzen und unser Wachstum ausschließlich an die chinesische Volkswirtschaft zu binden. Wir wollen auch von der Aufwertung des Euro profitieren", sagte Cheung.

Entsprechend stieg der Aktienkurs des britischen Versicherers Prudential. Börsianer spekulieren, die Chinesen könnten mit den Erlösen aus der Kapitalerhöhung einen größeren Anteil am zweitgrößten britischen Versicherer erwerben. Seit Mitte Januar zog dessen Aktienkurs um 14 Prozent an, am Mittwoch machte er im Handel weitere 6 Prozent gut.

Ping Ans größerer Konkurrent, China Life Insurance, ist ebenfalls auf Partnersuche. Sein Unternehmen sei sowohl auf der Suche nach ausländischen Kapitalgebern wie auch nach Zukäufen außerhalb Chinas, sagte Yang Chao, der Vorsitzende des Verwaltungsrates am Mittwoch. China Life hat auf dem chinesischen Versicherungsmarkt einen Marktanteil von rund 50 Prozent, Ping An kommt auf rund ein Fünftel.

Text: F.A.Z., 06.03.2008, Nr. 56 / Seite 21
Bildmaterial: FAZ.NET

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