21. November 2007 Auch zur Wochenmitte war der Handel an den internationalen Finanzmärkten von großer Nervosität geprägt. Für Unruhe sorgten gleich mehrere Faktoren. So belastete die Stimmung an den Aktienmärkten, dass die amerikanische Notenbank Fed ihre Erwartung für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr wegen der Krise an den Immobilien- und Kreditmärkten deutlich heruntergeschraubt hat.
In die gleiche Richtung wirkte, dass der Ölpreis an der Terminbörse in New York auf das Rekordhoch von 99,29 Dollar gestiegen ist. Für Nervosität sorgte auch, dass der Dollar zum Euro auf ein neues Rekordtief gefallen ist. Ein Euro kostete in der Spitze 1,4855 Dollar. Zum britischen Pfund erreichte der Euro fast ein Rekordhoch.
Wachsende Risikoscheu, zunehmende Krisensymptome
Auch an den Anleihemärkten nahmen die Krisensymptome am Mittwoch zu. Aufgrund der wachsenden Risikoscheu kaufen die Anleger Bankanleihen nur noch zu deutlich niedrigeren Kursen - wenn überhaupt. Selbst für gedeckte Schuldverschreibungen (Covered Bonds), zu denen auch die besonders sicheren deutschen Pfandbriefe gehören, sind die Risikoprämien am Mittwoch stark gestiegen. Daraufhin musste unter anderem die britische Bank Allied Irish eine schon im Verkauf befindliche Anleiheemission absagen.
Der Handel mit Covered Bonds kam in weiten Teilen zum Erliegen. Die Emittenten von europäischen Covered Bonds entbanden am Nachmittag ihre Partnerbanken bis zum kommenden Montag von der Verpflichtung, im Interbankenhandel verbindliche Preise zu stellen. Zumindest empfahl das der europäische Verband European Covered Bond Council seinen Mitgliedern. Gegenüber privaten Anlegern sollten aber weiterhin Preise gestellt werden, hieß es beim Verband. In den vergangenen Tagen hatten sich die Risikoprämien insbesondere für britische und spanische Covered Bonds um rund 0,1 Prozentpunkte erhöht. Für den von risikoscheuen Anlegern bevorzugten Markt ist das eine auffällig starke Bewegung.
Rohöl in zwölf Monaten um mehr als 60 Prozent verteuert
Die Tatsache, dass die Allied Irish Bank nicht in der Lage gewesen sei, ihre dreijährige Anleihe zu plazieren, nachdem Anleger schon einen Tag lang hätten zeichnen können, zeige, dass nicht mehr nur der Sekundärmarkt von der Krise betroffen sei, sagte Florian Eichert, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Mittlerweile sei auch der Primärmarkt für neue Anleihen direkt im Fokus, nachdem er sich in den vergangenen Wochen noch relativ unbeeindruckt gezeigt habe.
Von der Risikoscheu der Anleger und der Flucht in die Sicherheit profitierten Staatsanleihen. Ihre Kurse stiegen, und im Gegenzug fielen ihre Renditen. So sackte die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen zeitweise unter 4 Prozent ab, zum ersten Mal seit März dieses Jahres. An der New Yorker Terminbörse sprang der Preis für das Barrel (159 Liter) Rohöl zeitweise auf 99,29 Dollar, am Mittwochnachmittag lag der Preis bei 97 Dollar. Rohöl hat sich damit in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 60 Prozent verteuert. Fachleute erklären dies vor allem mit der fortdauernd kräftigen Nachfrage aus rasch wachsenden Schwellenländern wie China. An der Ölpreisteuerung machen sich Sorgen fest, dass es rund um den Globus zu einem Inflationsschub kommen könnte.
Weiterhin starker Verkaufsdruck auf Finanztitel
Am deutschen Aktienmarkt zählten abermals einige Finanzwerte zu den größten Tagesverlierern. Hypo Real Estate und Commerzbank büßten jeweils mehr als 6 Prozent ein. Ähnlich erlitten auch die französischen Großbanken Société Générale und Crédit Agricole große Kurseinbußen. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor bis zum Ende des Handels 1,5 Prozent und endete mit 7518 Punkten. Der Euro-Stoxx-50, ein Index für die wichtigsten Aktien des Euro-Raums, sank um 1,9 Prozent auf 4195 Punkte.
Die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt sorgt auch an der Wall Street, die am Mittwoch schwach tendierte, weiterhin für starken Verkaufsdruck auf Finanztitel. Nachdem es in der vergangenen Woche eine kurzfristige Erholung gegeben hatte, sorgten in dieser Woche vor allem die Milliardenverluste des Immobilienfinanzierer Freddie Mac für eine negative Tendenz. Mehrere Analysten von Investmentbanken hatten daraufhin ihre Prognosen für Freddie Mac zurückgenommen. Der Aktienkurs von Freddie Mac verlor am Mittwoch weitere 4 Prozent an Wert, nachdem der Kurs bereits am Dienstag wegen des schwachen Quartalsergebnisses um knapp 30 Prozent eingebrochen war.
Fed rechnet nur noch mit Wachstum von 1,8 bis 2,5 Prozent
Die gefallenen Häuserpreise in den Vereinigten Staaten hatten in den vergangenen Monaten schon zu steigenden Zahlungsausfällen bei Hypotheken geführt. Das galt besonders für zweitklassige Subprime-Hypotheken, also Immobilienanleihen, die an Hauskäufer mit schlechter Bonität vergeben wurden. Das führte zur Insolvenz zahlreicher Hypothekenbanken und zu Milliardenverlusten von Investmentbanken, die Hypotheken in Anleihen verpackt und bei Großanlegern plaziert hatten. Da die Nachfrage nach diesen Risikopapieren gesunken war, mussten die Banken hohe Wertberichtigungen vornehmen.
Vor diesem Hintergrund hat die amerikanische Notenbank Fed ihre Wachstumsprognosen für das kommende Jahr jetzt zurückgenommen. Wie in einer Teilausgabe bereits berichtet, rechnet die Fed für das Jahr 2008 nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 bis 2,5 Prozent. Davor war von einem Konjunkturwachstum um bis zu 2,7 Prozent die Rede gewesen. An den Kapitalmärkten rechnen Anleger nun vermehrt mit einer weiteren Senkung der Leitzinsen.
Unterdessen hat der amerikanische Finanzminister Henry Paulson die amerikanischen Hypothekenbanken in einem Interview aufgefordert, gemeinsam Kriterien zu entwickeln, um Darlehen für in Zahlungsschwierigkeiten geratene Hausbesitzer zu besseren Konditionen umzuschulden.
Text: bf./ruh./nks. / F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,26 | +5,28 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,96 | +3,63 |
| LINDE AG INHABER - A | +2,85 | +3,19 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -8,55 | -7,34 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -5,26 | -4,60 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,91 | -4,11 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.436,71 | -0,06 |
| TecDax | 725,17 | +0,50 |
| DowJones | 11.362,55 | +0,12 |
| Nasdaq | 2.299,32 | +0,84 |
| STOXX 50 | 3.351,13 | -0,10 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,14 |
| Bund Future | 110,36 | -0,52 |
| Gold | 928,50 | +0,09 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
