02. Mai 2007 In den ersten neun Monaten des Vorjahres musste auch die zuvor so erfolgsverwöhnte Wiener Börse eine Verschnaufpause einlegen. Unter heftigen Schwankungen traten da die Kurse per saldo nur auf der Stelle. Inzwischen ist es dem Markt aber wieder gelungen, den seit dem vierten Quartal 2002 bestehenden langfristigen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.
Nachdem es in den vergangenen drei Handelstage kleinere Verluste zu verkraften gab, beträgt das bisherige Jahresplus rund sechs Prozent, und seit dem im Juni markierten Zwischentief steht sogar ein Anstieg von 42 Prozent zu Buche. So stark wird es in nächster Zukunft auch wegen den verschwundenen Bewertungsabschlags zwar vermutlich nicht mehr nach oben gehen, aber eine moderate Aufwärtsentwicklung sollte weiterhin möglich sein.
Die Analysten bei der Erste Bank beurteilen die derzeitige Entwicklung an der Wiener Börse als sehr positiv. Der ATX erziele ohne jegliche aufkommende Euphorie neue Höchststände, was auch medial kaum wahrgenommen werde. Derzeit wirkten die positiven Konjunkturaussichten eindeutig schwerer als gestiegene Zinsen oder ein wieder etwas erstarkter Ölpreis. Hinzu komme, dass sich das ausstehende Aktienvolumen durch Aktienrückkäufe und Übernahmen verringerte. Kleinere Zwischenkorrekturen werden vor diesem Hintergrund zwar für möglich gehalten, aber aufgrund der positiven Liquiditätssituation wird mit einem Fortbestand der Aufwärtsdynamik gerechnet.
Viele Übernahmekandidaten am Schottenring
Auch die Unicredit-Analysten begründen ihre zuversichtliche Grundhaltung mit Blick auf den österreichischen Aktienmarkt mit den aus den regen Fusionsaktivitäten zu erwartenden kursstimulierenden Effekten. Die positive Marktstimmung an den weltweiten Börsen und die riesige Liquiditätsmenge bei Unternehmen sowie Fondsgesellschaften auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten ließen auf spannende Entwicklungen hoffen. Opfer oder Täter - in Sachen Übernahme ist bei den börsenotierten Unternehmen auch in Österreich zur Zeit beides möglich, so Alfred Reisenberger, Leiter der Aktienanalyse Österreich der Unicredit Group.
Nach der vielfach unerwarteten Übernahme des Paradeunternehmens Böhler-Uddeholm sei durchaus mit weiteren Transaktionen dieser Art zu rechnen. Auf dem Kurszettel am Schottenring fänden sich etliche interessante Unternehmen, auf die kapitalstarke Investoren aus sein könnten. Zu den Werten, die über zu viel Liquidität verfügen und sich nicht hinreichend um deren Verringerung bemühen - sei es durch Dividendenerhöhung oder Aktienrückkauf - werden Austrian Airlines, Böhler-Uddeholm, BWT, CWT, Erste Bank, Polytec, RHI, SBO, SkyEurope, Telekom Austria, Wienerberger, Wolford und Zumtobel gezählt.
Zu viel Geld in der Kasse locke aber Private-Equity- und Hedge-Fonds an. Diese Gruppe trete derzeit besonders häufig als Übernehmer auf, und zwar auch deshalb, weil sie förmlich in Geld schwimme. Die Manager der boomenden Hedge-Fonds hätten derzeit weltweit 2.100 Milliarden Dollar zu verwalten, was dem doppelten Wert vom Vorjahr entspreche. Künftig wird mit einem weiteren Volumenwachstum von 15 Prozent gerechnet. Da die Anleiherenditen derzeit weniger attraktiv erscheinen, wird das Geld zumeist in die Aktienmärkte fließen. Der Appetit auf lukrative Einkäufe sei jedenfalls so hoch wie nie.
Kurs-Gewinn-Verhältnis im Schnitt bei 13
Daneben haben die Analysten der Unicredit ihre Gewinnschätzungen nach der Bekanntgabe der durchwegs guten Jahresergebnisse der börsennotierten Unternehmen leicht nach oben genommen. Wurde bis vor kurzem noch ein Anstieg um 4,2 Prozent angenommen, geht die neue Schätzung von plus 4,9 Prozent aus. Auch der ATX, der momentan bei 4.715 Punkten notiert, soll auf Sicht von zwölf Monaten noch zulegen können, es wird mit einem Potenzial bis zu 5.080 Punkten gerechnet.
Als Topempfehlungen nennen die Unicredit-Analysten Wienerberger und Zumtobel, die jeweils von der anspringenden deutschen Baukonjunktur profitieren, sowie Austrian Airlines, Böhler-Uddeholm, Schöller-Bleckmann und Erste Bank. Bei den Analysten der Erste Bank, wo das durchschnittliche Gewinnwachstum der ATX-Vertreter für 2008 auf gut 14 Prozent veranschlagt wird und das daraus resultierende Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 13, stehen Andritz, A-TEC, EVN, Intercell, Mayr-Melnhof, Palfinger, Verbund und Wiener Städtische auf der Kaufliste.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,18 | +28,57 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,78 | +18,29 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,42 | +15,30 |
| MERCK KGAA INHABER - | +0,73 | +1,18 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,94 | +2,28 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,29 | +2,52 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.789,84 | +5,40 |
| TecDax | 568,99 | +10,11 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.550,36 | +5,31 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,21 |
| Bund Future | 114,35 | -0,28 |
| Gold | 859,98 | +1,48 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |