15. Mai 2008 In der aktuellen Flut von Geschäftszahlen machen die Nebenwerte die Musik. Ob Eon, Deutsche Post oder Thyssen-Krupp - so richtig bewegend waren die Quartalsausweise der großen Dax-Konzerne nicht.
Am Donnerstag scheint sich ein weiterer Standardwert die Langeweile fortsetzen zu wollen. Die Zahlen von RWE zum ersten Quartal stufte ein Händler in einer ersten Reaktion am Donnerstagmorgen als unspektakulär ein, auch wenn sie zumindest beim ersten Hinsehen etwas mehr Aufmerksamkeit verdient zu haben schienen.
Zuviel Kohle bringt weniger Kohle
Denn der Betriebsgewinn des Versorgerkonzerns ging um immerhin neun Prozent auf 2,5
Milliarden Euro zurück, obgleich der Umsatz um 3,1 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro stieg. Einschnitte durch staatliche Regulierung sowie der verpatzte Börsengang der amerikanischen Wassertochter verdarben das Ergebnis.
Obendrein fiel das Nettoergebnis um satte 49 Prozent auf 809 Millionen Euro. Nachdem RWE beim Börsengang von 36,25 Prozent der Anteile von American Water nicht den erhofften Preis erzielt hatte, musste der Konzern nun im nicht fortgeführten Geschäft aufgrund von
Firmenwertabschreibungen einen Verlust von 634 Millionen Euro verbuchen.
Im operativen Geschäft seien Kürzungen der Netzentgelte durch die Bundesnetzagentur und die verschärften Rahmenbedingungen im Emissionshandel ursächlich für den Gewinnrückgang gewesen. Der vor allem auf Kohlekraftwerke setzende Konzern musste dem Geschäftsbericht zufolge 307 Millionen Euro für Verschmutzungsrechte für den Ausstoß von Kohlendioxid ausgeben, nachdem es im Vorjahrszeitraum nur 26 Millionen Euro gewesen waren.
Unter den Prognosen
RWE hatte bereits nach dem verpatzten Börsengang von American Water seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Das Nettoergebnis werde leicht unter dem Vorjahresergebnis liegen, bekräftigte der Konzern nun. Das betriebliche Ergebnis werde aber mindestens das
Vorjahresniveau erreichen. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis soll aber um mehr als zehn Prozent steigen, auch der Umsatz soll wachsen. Bis Ende des Jahres soll auch die Mehrheit der Anteile an American Water plaziert werden
Währen der Umsatz die Erwartungen der Analysten leicht übertraf, lagen die Ergebniszahlen unter den Prognosen von 2,6 Milliarden Euro für den Betriebsgewinn bzw. 0,867 Milliarden Euro für den Überschuss, der tatsächlich auf 0,809 Milliarden fiel. Auch der nachhaltige Gewinn war mit 1,43 Milliarden Euro geringfügig höher erwartet worden.
Erwartungsgemäß, aber dennoch unerfreulich
Die vergleichsweise optimistische Einschätzung, dies alles sei unspektakulär beruht darauf, dass der Überschuss lediglich durch die Abschreibungen auf American Water belastet wurde. Und immerhin sind diese Misserfolge schon länger bekannt. Bereits 2007 hatte eine Wertberichtigung von 492 Millionen Euro für die Wassertochter das Nettoergebnis belastet. Auch die jetzt vorgenommene Abschreibung war etwa in dieser Höhe angekündigt gewesen.
Unerfreulich ist das ganze dennoch. Immerhin hat RWE für American Water einmal 4,6 Milliarden Euro bezahlt. Der Verkaufserlös für die bislang plazierten Anteile betrug aber nur 800 Millionen Euro. Rechnet man diesen Preis hoch, so würde der deutsche Konzern für seine amerikanische Tochter weniger als die Hälfte erlösen.
Das ist alles durchaus bekannt und so sollte es tatsächlich den Kurs nicht über die Maßen belasten. Attraktiver macht das die Aktie dadurch aber nicht unbedingt. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 12,5 für das laufende und rund 11 für das kommende Jahr ist die Aktie nicht hoch bewertet, aber auch nicht billig.
Es fehlt der Impuls
Diese Gesamtsituation spricht eben genau für die Einschätzung, dass der Ergebnisausweis unspektakulär ist, zumindest soweit es die zu erwartende Kursreaktion betrifft. Vorbörslich präsentiert sich die Aktie jedenfalls mit leichten Abschlägen, denn ein Impuls geht vom Quartalsausweis auch nicht gerade aus.
Charttechnisch steckt die Notierung weiter in einem Abwärtstrend, aus dem sie sich seit dem Kurssturz im Januar bislang nicht recht befreien konnte. Erst Ende April erreichte sie bei 73,87 Euro angesichts der Prognosesenkung ein 18-Monats-Tief.
Die darauf folgende Erholung fand in der vergangenen Woche bei 79 Euro ein vorläufiges Ende, so dass sämtliche Kurshochs des laufenden Jahres in einer fallenden Linie liegen. Das trifft auch für die Tiefs zu. Unter diesem Gesichtspunkt wäre bestenfalls mit einer Bodenbildung zu rechnen. Um dem Trend entgegenzuwirken, müsste die Marke von 81,35 Euro überschritten werden. Dafür aber ist kein Impuls absehbar.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho/pwe
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +3,42 | +4,55 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,15 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,60 | +1,73 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -4,09 | -9,61 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,90 | -5,67 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,81 | -5,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.424,68 | -1,79 |
| Nasdaq | 2.297,13 | -1,24 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,19 |
| Bund Future | 110,94 | +0,75 |
| Gold | 924,85 | +0,34 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
