Branchenanalyse

Zwischenkorrektur bei Agrarwerten

18. Juli 2008 Nach phantastischen Kursgewinnen in den vergangenen Jahren befinden sich die Agrarwerte an den internationalen Börsen seit kurzer Zeit im Korrekturmodus. So liegt die Aktie von K+S inzwischen 19 Prozent unter ihrem noch vor wenigen Tagen erreichten Allzeithoch, die des norwegischen Konkurrenten Yara hat inzwischen sogar knapp 27 Prozent ihres Wertes verloren.

Selbst bei Werten wie der Potash Corporation of Saskatchewan, bei Uralkali und bei Syngenta sowie Monsanto zeichnen sich inzwischen Konsolidierungstendenzen ab. Angesichts der zwischenzeitlich erreichten Bewertungen bei Monsanto beispielsweise, dürfte das kaum überraschen. Denn mit dem Preisauftrieb bei Agrargütern war längst die Phantasie der Anleger durchgegangen, die eifrige alle nur denkbaren Knappheitsszenarien durchspielten.

Potash Corporation of Saskatchewan baut die Düngemittelproduktion deutlich aus

Faktisch gab und gibt es solche in der Düngemittelversorgung und in Einzelfällen selbst bei Nahrungsmitteln. Allerdings lassen sich Produktionskapazitäten aufbauen, sowie Anbauflächen - und -intensitäten ausweiten. Genau das zeichnet sich nun im Düngemittelbereich ab. Denn das kanadische Unternehmen Potash Corporation of Saskatchewan kündigte am Donnerstag an, die Kapazitäten bei der Kaliproduktion um 2,7 Millionen auf 18 Millionen Tonnen pro Jahr zu erhöhen.

Zum Börsenkurs

Die Investitionen beliefen sich auf insgesamt 1,6 Milliarden amerikanische Dollar, die Arbeiten begännen sofort und die Produktionskapazitäten würden nach und nach bis Ende des Jahres 2012 zur Verfügung stehen, teilte das Unternehmen weiterhin mit. Statt neue Werke zu errichten, werden bestehende vergrößert beziehungsweise effizienter organisiert. Aus diesem Grund lägen die Kosten 60 unter dem Niveau, das sich beim Bau neuer Produktionsstätten ergeben würde. Die Projekte könnten aus dem freien Cashflow finanziert werden, heißt es weiter.

Vorerst profitieren die Unternehmen der Brachen von hohen Margen

Allerdings dürfte es ratsam sein, solche Meldungen nicht zu stark zu bewerten. Denn die Düngemittelhersteller profitieren bis auf weiteres von den hohen Margen, die sie trotz steigender Kosten aufgrund der starken Nachfrage über hohe Verkaufspreise realisieren können. Nach Angaben der Produzenten hält die Nachfrage nach allen Düngemitteln an, während die Lager vergleichsweise gering gefüllt seien. Die Lagerbestände in Nordamerika hätten im ersten Quartal 37 unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen, hieß es beispielsweise bei Potash Corporation of Saskatchewan im Quartalsbericht.

Im Gegensatz zu den Saatgut- und Pflanzenschutzunternehmen sind die Aktien der Düngemittelhersteller zumindest auf Basis der Gewinnschätzungen optisch noch vergleichweise günstig zu haben. Das gilt vor allem für Yara, mit Blick nach vorne aber auch für andere Werte der Branche. Allerdings scheinen die Anleger im Moment zu Gewinnmitnahmen zu neigen, nachdem der „Agrartrend“ in den vergangenen Jahren hervorragend gelaufen ist. Immerhin zeichnet sich selbst bei Weizen, Mais, Soja und Co. so etwas wie eine Konsolidierung ab.

Angesichts der fundamentalen Lage ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis die Papiere wieder den Appetit der Anleger erwecken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET

 

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