08. April 2009 Alcoa ist das erste amerikanische Unternehmen, das die Umsatz- und Ertragszahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres ausweist. Sollte es als Vorzeichen genommen werden, für das, was noch kommen wird, so fällt es nicht sonderlich positiv aus.
Denn Alcoa hat wegen dem Nachfragerückgang und sinkenden Aluminiumpreisen den zweiten Quartalsverlust in Folge ausgewiesen. Der Nettoverlust lag bei 497 Millionen Dollar oder 0,61 Dollar je Aktie. Der Umsatz brach sogar um 41 Prozent auf 4,15 Milliarden Dollar ein.
Schwache Umsatz- und Gewinnentwicklung ...
Analysten hatten im Mittel mit einem Verlust je Aktie von 0,56 Dollar gerechnet. Die Erlöse hatten die Beobachter bei 4,08 Milliarden Dollar gesehen. Bereits im vierten Quartal rutschte der amerikanische Aluminiumkonzern mit einem Verlust von 1,2 Milliarden Dollar tief in die roten Zahlen. Im dritten Quartal hatte Alcoa zwar einen deutlich Gewinneinbruch erlitten, blieb seinerzeit aber mit rund 268 Millionen Dollar noch in der Gewinnzone.
Angesichts des schwierigen Umfelds will Alcoa im laufenden Jahr die Lagerbestände weiter zurückfahren, erklärte Finanzchef Charles D. McLane im Anschluss an die Mitteilung während einer Pressekonferenz. Im Jahr 2009 rechnet Vorstandschef Klaus Kleinfeld insgesamt mit einem Rückgang des Aluminiumverbrauchs von sieben Prozent. Zudem sollte sich der rückläufige Trend bei der Produktion künftig noch verstärken: So sei in den kommenden Monaten damit zu rechnen, so Kleinfeld, dass die Aluminiumproduktion weltweit weiter zurückgefahren wird.
Allerdings sehe man auch erste Anzeichen einer Besserung und es gebe für Aluminiumproduzenten erste Signale, dass es in China besser laufe. Mit solchen Äußerungen scheint das Alcoamanagement die positive Stimmung stützen zu wolle, die sich in den vergangenen Wochen an den Markten vor allem in Bezug auf die chinesische Konjunktur breit gemacht hatte. Allerdings lässt sich fragen, wie fundiert solche Erwartungen sind. Immerhin warnt man gleichzeitig davor, dass in Russland keine Anzeichen eines sich selbst tragenden Aufschwungs gebe.
... in einem Markt mit hohen Lagerbeständen
Russland gilt für Aluminiumproduzenten zwar als wichtiger Markt. Allerdings hat Alcoa im vergangenen Jahr dort gerade einmal 2,3 Prozent seiner Erlöse erzielt. Mehr als die Hälfte der Umsätze dagegen fielen in den Vereinigten Staaten und in Australien an. In beiden Regionen sehen die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Monaten nicht sonderlich positiv aus. Daher stellt sich die Frage, woher der Grundoptimismus von Anlegern und Management kommen mögen.
Analysten äußerten sich zurückhaltend über die Aussagen von Kleinfeld. Alcoa sei stark vom Aluminiumpreis abhängig, heißt es. Wenig deutet auf eine rasche Verbesserung der Grundlagen im Aluminiummarkt hin. Die Lagerbestände sind mit 3,5 Millionen Tonnen auf dem höchsten Stand seit Jahren. Zudem geben es angesichts der schwachen Nachfrage auch von der Automobilindustrie Überkapazitäten bei der Produktion. Im Gegensatz zu anderen Industriemetallen, die in den vergangenen Wochen im Rahmen des zumindest vorübergehenden Optimismus deutlich zugelegt hatten, reichte es bei Aluminium aus diesen Gründen allenfalls zu einer Bodenbildung auf dem Niveau, von dem die Rohstoffhausse im Jahr 2002 ausgegangen war. Sollte sich die Weltwirtschaft nicht rasch und deutlich erholen, dürfte ein weiterer Preisrückgang nicht ausgeschlossen werden können.
Aus diesen Gründen drängt sich die Aktie von Alcoa keineswegs auf. Immerhin gehen die Analysten davon aus, dass das Unternehmen im laufenden Jahr einen Verlust erzielen wird. Im kommenden Jahr rechnet man mit der Rückkehr in die Gewinnzone auf tiefem Niveau. Ob diese Erwartungen, auf deren Basis die Aktie allenfalls fair bewertet wäre, realistisch sind, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Charttechnisch reichte es bei der Alcoa-Aktie in den vergangenen Wochen allenfalls zu einer gewissen Kursstabilisierung. Sollte der Aluminiumpreis weiter nachgeben, dürfte auch die Aktie weiter abrutschen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
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