05. April 2006 Der 70 Milliarden Dollar schwere globale Reifenmarkt wird von ein paar wenigen großen Anbietern beherrscht, die dank ihres starken Markennamens und ihrer soliden Marktposition die größten Probleme der Branche - wie beispielsweise die steigenden Rohmaterialkosten und die zunehmende Kostenbelastung in Verbindung mit Versorgungsleistungen - bislang gut meistern konnten.
In diesem Jahr wird es für sie jedoch nicht so leicht sein, diesen Trends wie in der Vergangenheit mit Produktivitätszuwächsen, größerer Preisgestaltungsmacht und Kostensenkungen entgegenzuwirken.
Michelin, Bridgestone und Goodyear: Weltmarktanteil von 55 Prozent
Die drei Spitzenvertreter der Branche - Michelin, Bridgestone und Goodyear - kontrollieren zur Zeit rund 55 Prozent des globalen Marktes. In den vergangenen Jahren kam es zu keinen nennenswerten Marktanteilsverschiebungen, und wir glauben auch nicht, daß es in unmittelbarer Zukunft dazu kommen wird. Alle drei Unternehmen sind in ihrem Heimatmarkt jeweils Marktführer und verfügen über etwas geringere (aber immer noch bedeutende) Marktanteile im Ausland. Diese globale Reichweite unterscheidet sie von ihren kleineren Mitbewerbern Continental und Cooper Tire.
Nach Meinung von Standard & Poor's Rating Services weist die Reifenindustrie ein durchschnittliches Branchenrisikoprofil auf, das von der guten Marktpositionierung und breiten Vertriebsbasis der Spitzenunternehmen profitiert. Alle fünf Reifenhersteller verfügen in ihren jeweiligen Hauptmärkten und -regionen über eine solide Marktstellung - eine Eigenschaft, die sich außerordentlich günstig auf ihre Ratings auswirkt. Dessen ungeachtet sind die Unternehmen in diesem Sektor mit unzähligen Herausforderungen konfrontiert. Die größten seien an dieser Stelle genannt:
• Unsicherheit über das Autoproduktionsvolumen in den kommenden Jahren;
• Zurückhaltung der Verbraucher aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage und des schwachen Konsumentenvertrauens;
• zunehmender Wettbewerb, da Nischenanbieter ihre Produktlinien und geographische Präsenz ausweiten;
• hohe Investitionsausgaben sowie Forschungs- und Entwicklungskosten, die notwendig sind, um neue Produkte entwickeln und Initiativen zur Verbesserung der Produktivität umsetzen zu können;
• Notwendigkeit, die hohen Arbeitskosten und Versorgungsverpflichtungen durch Massenabsatz zu kompensieren;
• instabile Rohmaterial- und Energiepreise;
• Fremdwährungsrisiken; und
• Notwendigkeit, in unterentwickelte, wachstumsstarke Märkte zu expandieren.
Die meisten dieser Peers mit Rating waren im Jahr 2005 in der Lage, solchen Schwierigkeiten zu begegnen, da sie auf der anderen Seite von einer lebhaften Nachfrage nach Pkw- und Lkw-Reifen profitierten. Die Reifenunternehmen waren größtenteils auch mit ihren Bemühungen erfolgreich, die Preise zu erhöhen, ihren Produktmix zu verbessern und Kosten einzusparen.
Einzige Ausnahme ist Cooper Tire, dessen Rating im vergangenen Jahr von Investment Grade auf spekulativ herabgestuft wurde. Das Unternehmen ist der kleinste der fünf Anbieter und konzentriert sich auf den amerikanischen Ersatzbeschaffungsmarkt. In den vergangenen beiden Jahren litt der Reifenhersteller unter einer sehr schwachen operativen Performance, für die Ineffizienzen in der Produktion, Marktanteilsverluste und Arbeitsunterbrechungen verantwortlich waren.
Rohmaterialkosten werden zur Gefahr für die Margen
Wie sieht es mit dem Jahr 2006 aus? Steigende Rohmaterialkosten, die durch zukünftige Reifenpreiserhöhungen unter Umständen nicht ausreichend abgedeckt werden können, stellen nach wie vor die größte Gefahr für die Margen, die Cashflow-Generierung und die Kreditqualität der Reifenhersteller dar. Die insgesamt stagnierende Menge an Reifen, die an OEM-Hersteller verkauft wird, im Verbund mit den steigenden Rohmaterial- und Versorgungskosten bleibt daher auf kurze Sicht die größte Herausforderung, der sich die Branche stellen muß. Die Nachfrage auf dem Anschlußmarkt, wo der Großteil aller Reifenumsätze generiert wird, entwickelte sich im vergangenen Jahr überwiegend positiv, zeigt 2006 aber bislang eine nachlassende Tendenz.
Die Aussichten für 2006 deuten auf stagnierende bzw. sinkende OEM-Reifenumsätze in Nordamerika, stagnierende bzw. etwas geringere OEM-Umsätze in Europa, ein stagnierendes bzw. moderates Nachfragewachstum auf dem globalen Anschlußmarkt sowie eine anhaltende Stärke auf den Nutzfahrzeugmärkten. Wenngleich die Reifenhersteller im vergangenen Jahr zumeist in der Lage waren, nachteilige Materialpreisentwicklungen durch Produktivitätszuwächse, höhere Preise und Kostensenkungen abzufedern, so scheint dies mit Blick auf 2006 doch eine weitaus größere Herausforderung darzustellen. Wichtige Bonitätsüberlegungen werden in Zukunft sein, inwieweit die Unternehmen Nachfrageschwankungen flexibel meistern bzw. durch ihre Preisgestaltungsmacht die zunehmende Kostenbelastung abfedern können.
Europa, Nordamerika und Asien sind in etwa zu gleichen Teilen im globalen Reifenmarkt vertreten. Der Markt wird vom Ersatzbeschaffungssegment dominiert, auf das 70 Prozent der verkauften Einheiten und 75 Prozent des Umsatzes entfallen. Dies ist insofern positiv zu werten, als der Ersatzbeschaffungsmarkt im allgemeinen als stabiler angesehen wird als die Pkw- bzw. Lkw-OEM-Herstellung, die volatileren Zyklen unterliegt.
Hinzu kommt, daß die Kunden im Ersatzbeschaffungsmarkt weniger preisempfindlich sind und nicht in dem Maße Einkaufsvorteile erzielen können wie die Kunden auf dem OEM-Markt, obschon die Reifen in diesem Segment nach wie vor als preislich wettbewerbsfähig gelten. Die Marktführer Michelin, Goodyear und Bridgestone haben in der Regel auch die Preisführerschaft in ihren jeweiligen Schlüsselmärkten inne.
Der zunehmende wirtschaftliche und soziale Fortschritt in Entwicklungsländern wie Indien und China wird für einen größeren Bedarf an Straßentransportmitteln sorgen und damit auch die Nachfrage nach Reifen steigen lassen. Da die Gesamtnachfrage nach Reifen mit der Gesamtzahl der im Verkehr befindlichen Fahrzeuge wächst, sollte dies auch das Wachstum im Ersatzbeschaffungsmarkt beflügeln.
Seit dem Jahr 2000 hat es unter den Reifenproduzenten keine größeren Fusionen oder Übernahmen mehr gegeben - zum Teil deshalb, weil die führenden Marktakteure gewissen Eigenkapitalzwängen unterliegen. Daneben richten die Reifenunternehmen ihr Augenmerk auch zunehmend auf die innerbetrieblichen Prozesse, um sich dem schwierigen operativen Umfeld der vergangenen Jahre zu stellen.
Auf mittlere bis lange Sicht halten wir aber dennoch eine weitere Konsolidierung für äußerst wahrscheinlich. Alle der genannten, bonitätsmäßig bewerteten Unternehmen - mit Ausnahme von Goodyear - sind gut positioniert, um dabei eine bedeutende Rolle zu spielen. Der Hersteller Goodyear dürfte zu einem späteren Zeitpunkt dazustoßen können, wenngleich ihn seine schwere Schuldenlast vorerst davon abhalten wird, Finanzinvestitionen in bedeutendem Umfang zu tätigen.
Text: bearbeitet von @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Dt. Bank | 43,75 € | +4,64% |
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| Dt. Boerse | 51,74 € | +2,74% |
| SAP | 28,71 € | +2,74% |
| Daimler | 24,28 € | +2,66% |
| Fresenius Vz | 36,99 € | −0,75% |
| Henkel Vz | 21,88 € | −1,00% |
| FMC | 32,23 € | −1,13% |
| Hannover Rück. | 24,14 € | −1,51% |
| Adidas | 25,28 € | −1,63% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 4.630,07 | +1,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.313,87 | +0,98% |
| Dow Jones | 8.179,09 | +0,01% |
| MDAX | 5.550,00 | +1,05% |
| Nasdaq 100 | 1.417,42 | +0,42% |
| Nikkei225 | 9.291,06 | −1,38% |
| REX | 366,08 | +0,06% |
| SDAX | 2.794,49 | +0,43% |
| S&P500 | 879,56 | −0,17% |
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| Rohöl Brent Crude | 61,00 $ | +0,94% |
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Durchschnitt 200 Tage |
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Aktien-Index09.07.2009 13:00 |
1192,74 | 1218,25 | 1274,67 |
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262,94 | 262,43 | 269,76 |
Euro-Aktien-Index09.07.2009 17:35 |
118,18 | 116,65 | 120,79 |
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