Alternative Energien

Solaraktien als politischer Spielball

Fragezeichen hinter dem Deutschlandgeschäft?

Fragezeichen hinter dem Deutschlandgeschäft?

29. Mai 2008 Am Donnerstag ist es für die Solaraktien gegen den Markttrend deutlich nach unten gegangen. Die Aktienkurse der Schwergewichte Solarworld und Q-Cells gaben bis zu 10 beziehungsweise 7 Prozent nach. Andere Titel wie Centrotherm verloren noch stärker. Bereits im Wochenverlauf hatten die Solartitel kräftige Kurseinbußen hinnehmen mpssen: Q-Cells-Aktien haben binnen einer Woche 19 Prozent an Wert verloren und Solarworld 16 Prozent. Der Tec-Dax, in dem sieben Solarunternehmen notiert sind, hinkte anderen Aktienindizes daher weit hinterher.

Am Freitag jedoch legen die Werte deutlich zu. Die Papiere von Solon gewinnen knapp neun Prozent, die von Q-Cells 8,4 Prozent, die von Solarworld 6,8 Prozent, die von Erso Solar 6,1 Prozent, die von Phoeniix Solar 5,3 Prozent und sogar jene der Solar-Fabrik legten 5,2 Prozent zu.

Die Gründe für die jüngste Volatilität der Werte der Solarbranche liegen in der Abhängigkeit der Branche vom staatlichen Wohlwollen. Der erzeugte Strom aus Sonnenenergie ist ohne finanzielle Unterstützung durch die Politik nicht konkurrenzfähig.

Forderungen nach drastischer Senkung der Einspeisevergütung

Einige CDU-Politiker fordern eine drastische Senkung der Einspeisevergütung um 30 Prozent, besonders die ostdeutschen CDU-Politiker lehnen dies jedoch ab. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - alle CDU-regiert - sind in den vergangenen Jahren viele tausend Arbeitsplätze in der Solarindustrie entstanden. Letztere scheinen sich erfolgreich gewehrt zu haben. Denn am Freitag verdichteten sich die Erwartung, dass es offenbar keine drastischen Einschnitte bei der Solarförderung geben wird. Teilnehmer der Diskussionen berichteten, dass die Hilfen im Vergleich zum Gesetzentwurf von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zwar noch einmal leicht gekürzt werden sollen. Der von Teilen der Union geforderte Abbau um bis zu 30 Prozent werde aber bei weitem nicht umgesetzt.

Für die Solarunternehmen hängt viel von der Höhe der Fördersätze ab. Sinkt die Förderung sehr deutlich, so müssen sie auch ihre Preise für die Solaranlagen deutlich senken, weil sich sonst deren Installation nicht mehr lohnt. "Für einige der größeren Unternehmen ist das verkraftbar", sagt Peter Wirtz, Analyst der West LB: "Für viele andere, vor allem die kleineren Unternehmen, allerdings nicht." Er rät daher, auf größere Aktiengesellschaften wie Q-Cells und Solarworld zu setzen, unabhängig davon, wie sich die Politik letztlich entscheiden wird. Zu einem Kauf der Aktien rät er derzeit dennoch nicht: "Der Sektor ist starken politischen Einflüssen unterworfen, nicht nur in Deutschland, auch zum Beispiel in einem weiteren der wichtigen Märkte, in Spanien."

Doch neben diesem "politischen Bewertungsabschlag" gebe es weitere Probleme für die Branche. "Die Produktionskapazitäten werden weltweit sehr stark ausgebaut, und es ist nicht zu sehen, wie diese ohne drastische Preissenkungen ausgelastet werden sollen", sagt Wirtz: "Die überproportional hohen Gewinnmargen werden dadurch unter Druck geraten." Vorteile sieht er nur durch die Beseitigung des Engpasses bei der Belieferung mit Solarsilizium: "Das sorgt für eine Entspannung auf der Kostenseite."

Werden sich die „Subventionskürzer“ durchsetzen?

Die Analysten von Merrill Lynch waren am Donnerstag zu der Auffassung gelangt, dass sich die Befürworter einer starken Kürzung der Solarförderung durchsetzen werden, und haben daher einen negativen Ausblick für den Sektor gegeben. Die Gewinnschätzungen von Q-Cells und Solarworld wurden gesenkt und die Aktien zum Verkauf empfohlen. Die weitere Entwicklung in der Branche hänge nun von den Entscheidungen zur Förderung in den Vereinigten Staaten und Spanien ab, schreibt Analyst Matthew Yates in der Studie. Diese fielen offenbar nicht so schnell wie erwartet. Zwar werde der Klimawandel als Problem erkannt, angesichts des wirtschaftlichen Umfelds sei die Unterstützung für teure Technologien wie Solar aber wenig wahrscheinlich. Daneben könne der irrational überschwängliche Aufbau von Produktionskapazitäten zu Überkapazitäten und Margendruck führen.

Burkhard Weiss, Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt, bleibt dagegen für den gesamten Sektor bei einer positiven Einschätzung: "Die Solarbranche erzielt weiterhin ein hohes organisches Wachstum." Zwar könne es in den Jahren 2009 und 2010 zu leichten Überkapazitäten kommen, die enorm hohe Nachfrage aus den südeuropäischen Ländern und die Aussicht auf einen entschlossenen Einstieg der Vereinigten Staaten in die Solarförderung, dürften aber für ein weiter starkes Branchenwachstum mit zweistelligen Gewinnmargen sorgen. "Anbieter wie Q-Cells und Solarworld machen heute schon den größeren Teil ihres Umsatzes im Ausland", sagt Weiss: "Die Abhängigkeit von der deutschen Solarförderung ist damit schon weniger groß."

Sein Favorit sind die Solarworld-Aktien: "Das ist ein voll integrierter Konzern mit hohem Auftragsbestand, einer stabilen Bilanz und einer guten Position im amerikanischen Markt." Die derzeitige Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2009 sei angesichts von jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent günstig. Für die Gesamtbranche rechnet er mit einem weiteren großen Nachfrageschub, wenn die Konkurrenzfähigkeit zum Haushaltsstrompreis erreicht ist. Weiss erwartet dies um das Jahr 2015, angesichts der Entwicklung der Energiepreise könne dies aber auch schon früher der Fall sein. Spätestens dann hat sich die Frage der staatlichen Förderung ohnehin erledigt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z., FAZ.NET

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