Dax-Zusammensetzung

Beiersdorf und Salzgitter werden aufsteigen

Von Daniel Mohr

Die Hypo Real Estate fliegt raus - Salzgitter und Beiersdorf steigen auf

Die Hypo Real Estate fliegt raus - Salzgitter und Beiersdorf steigen auf

29. November 2008 Der Dax hat das turbulenteste Jahr seiner 20-jährigen Geschichte hinter sich. Die Aktienkurse brachen stärker ein als je zuvor - in Punkten sowieso, womöglich auch prozentual. Zudem gab es die erratischsten Kursbewegungen innerhalb einzelner Handelstage und mit Volkswagen erstmals eine einzelne Aktie, die den ganzen Index tagelang hin- und herriss.

Aber auch die Adventszeit wird wenig beschaulich. Wenn am Mittwoch der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse zusammentritt, dürfte er erstmals zwei Dax-Werte auf einmal nach seiner „Fast Exit“-Regel aus dem Index nehmen.

Der Continental-Abstieg ist beschlossene Sache

Der Aktienkurs der Hypo Real Estate ist derart stark verfallen, dass die Gesellschaft am Freitag nur noch die 63.-größte deutsche Aktiengesellschaft war - und damit nichts mehr im Leitindex zu suchen hat. Zudem wird Continental von der Schaeffler-Gruppe übernommen. Diese verfügt mittlerweile über rund 90 Prozent der Conti-Aktien.

Für die Dax-Zugehörigkeit ist der Wert der frei verfügbaren Aktien maßgeblich, und danach kommt Continental nur noch auf Platz 66 der deutschen Aktiengesellschaften. Alle Dax-Werte, die schlechter als Platz 45 rangieren, kann die Deutsche Börse auch außerhalb des regulären Dax-Anpassungstermins im September aus dem Index nehmen.

Sollte die Schaeffler-Gruppe nicht im Freitagshandel noch größere Anteile wieder verkauft haben, ist auch der Continental-Abstieg beschlossene Sache. Demnach gäbe es erstmals in der Geschichte gleich drei Wechsel binnen eines Jahres im Dax, nachdem im September schon die TUI-Aktie durch K+S ersetzt wurde.

Der Aufstieg ist so gut wie sicher

Dieses Mal dürften die Aufsteiger Beiersdorf und Salzgitter heißen. Maßgeblich für die Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes sind die Ranglisten der Deutschen Börse zum Börsenschluss am Freitag. Die Deutsche Börse hält ihre Liste zwar noch bis Mittwochabend geheim, zahlreiche Banken führen diese Tabellen jedoch auch. Das Bild ist ihrer Ansicht nach eindeutig.

„Der Aufstieg von Beiersdorf und Salzgitter kann als sicher angenommen werden“, sagt Christian Stocker, Indexexperte der Unicredit. Um die Aufstiegsbedingungen zu erfüllen, müssen die Kandidaten auf den Ranglisten der Marktkapitalisierung und der Handelsumsätze mindestens Platz 35 erreichen. Stocker sieht Salzgitter auf den Rängen 31 (Marktkapitalisierung) und 28 (Handelsumsatz) und Beiersdorf auf 27 und 35.

Dass Beiersdorf noch auf Rang 36 in den Handelsumsätzen zurückfallen könnte, hält Stocker für ausgeschlossen: „Das Handelsvolumen sind Jahresdurchschnittswerte, und der Abstand zu Platz 36 ist recht groß. Da wird es keine Veränderung mehr geben.“ Andere Beobachter bestätigen diese Einschätzung. Wirksam werden die Indexveränderungen am 22. Dezember.

Es werden weitere rausfliegen

Relativ knapp am Aufstieg gescheitert wäre damit die Aktie von Q-Cells. Der scharfe Einbruch des Aktienkurses hat das Solarunternehmen auf Platz 37 der größten deutschen Aktiengesellschaften zurückfallen lassen.

Weitere Aufstiegschancen dürfte es allerdings im nächsten Jahr geben. Der Wert der Infineon-Aktie ist rapide gesunken, Porsche schreitet bei der Volkswagen-Übernahme voran, und auch der Verbleib der Postbank im Dax ist angesichts der geplanten Übernahme durch die Deutsche Bank fraglich.

Wird die Conti-Aktie überhaupt noch gelistet?

Die Veränderungen im Dax haben auch Auswirkungen auf die anderen Indizes. Hypo Real Estate wird in den M-Dax absteigen, bei Continental ist dies fraglich. Nach den in dieser Woche veröffentlichten neuen Index-Regeln der Deutschen Börse müssen Gesellschaften mit einem Anteil frei verfügbarer Aktien von weniger als 10 Prozent alle Auswahlindizes sofort verlassen.

Der Schaeffler-Anteil an Continental beträgt derzeit rund 90 Prozent. Keiner der Beobachter traut sich deshalb ein abschließendes Urteil zu, ob die Conti-Aktie künftig im M-Dax oder in gar keinem Index mehr gelistet sein wird.

Gerresheimer wird am ehesten aufsteigen

Der neuen Regel fällt auch die Aktie von AMB Generali zum Opfer. Hier liegt der Streubesitz nach jüngsten Angaben bei etwa 8 Prozent und damit unter der Mindestgrenze der Deutschen Börse. Die Aktie wird deshalb aus dem M-Dax genommen werden.

Den Papieren von Gerresheimer wird am ehesten der Aufstieg in den M-Dax zugetraut. Als weitere Kandidaten gelten Fielmann, Elringklinger und Rational. Den Tec-Dax verlassen müssen wohl die Aktien von Epcos und Versatel. Auch hier liegt der Streubesitz unter 10 Prozent. Smartrac und Jenoptik gelten als potentielle Aufsteiger.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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