Finanzmärkte

Arabische Staatsfonds an Banken interessiert

04. März 2008 Staatsfonds aus Arabien sind trotz ihrer Milliardeninvestitionen in die von Verlusten geplagten amerikanischen Banken an weiteren Beteiligungen interessiert. Der Chef eines Staatsfonds des arabischen Emirats Dubai hält die bisherigen Investitionen nicht für ausreichend, obwohl allein der größte amerikanische Finanzdienstleister Citigroup in den vergangenen Monaten 22 Milliarden Dollar als Finanzspritze von Großanlegern erhalten hat.

„Es wird viel mehr nötig sein, um die Citigroup und andere Finanzinstitute zu retten", sagte Sameer al-Ansari, Vorstandschef von Dubai International Capital. Die Citigroup hatte nach erheblichen Verlusten in Zusammenhang mit Hypothekenanlagen 7,5 Milliarden Dollar vom Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi erhalten. Weitere 14,5 Milliarden Dollar kamen von einem Investorenkonsortium, dem ein Fonds aus Kuweit angehörte. Bei der Citigroup hält man die Kapitalausstattung für ausreichend. Der Aktienkurs fiel dennoch im Tagesverlauf um mehr als 6 Prozent. "Staatsfonds aus der Golfregion werden weiter an den großen amerikanischen Finanzinstituten interessiert sein", glaubt Giyas Gokkent, Chef der Analyseabteilung bei der National Bank of Abu Dhabi.

Banken: Auguren rechnen mit weiterhin hohen Wertberichtigungen ...

Hintergrund dieser Avancen, die allerdings auf politischen Widerstand stoßen könnten, sind Befürchtungen, dass amerikanischen Banken und Wertpapierhäusern neue Abschreibungen drohen. Mehrere Analysten an der Wall Street haben in den vergangenen Tagen ihre Prognosen für das erste Quartal gesenkt. Die Auguren rechnen mit weiterhin hohen Wertberichtigungen bei Hypothekenanlagen, Krediten für die Finanzierung von Übernahmen sowie bei Engagements in Geschäftsimmobilien. Die Übernahmekredite wurden von den Banken mit der Intention vergeben, sie umgehend an Investoren weiterzureichen. Im Zuge der eskalierenden Finanzkrise hatte die Nachfrage von Investoren nachgelassen. Die Banken waren daher gezwungen, die Kredite in den eigenen Büchern zu halten. Der andauernde Preisverfall in diesem Markt dürfte nun zu weiteren Verlusten führen. Meredith Whitney vom Wertpapierhaus Oppenheimer prognostiziert für die Branche Abschreibungen bei Übernahmekrediten von bis zu 14 Milliarden Dollar.

Angesichts der schleppenden Konjunktur und steigender Finanzierungskosten beginnt auch der Wert von Geschäftsimmobilien zu fallen. Analysten von Goldman Sachs rechnen für diesen Markt mit einem Rückgang der Preise um bis zu 26 Prozent in den kommenden zwei Jahren. Darunter könnten Banken leiden, die stark im Kreditgeschäft für Büroimmobilien sowie bei deren Verbriefung engagiert sind. Goldman-Analyst William Tanona rechnet mit 7,2 Milliarden Dollar Abschreibungen bei den großen Banken und Investmentbanken in diesem Bereich. "Falls wir in eine tiefe Rezession abgleiten sollten, könnten die Abschreibungen in den kommenden Quartalen noch größer werden", sagt Analyst Richard Bove vom Wertpapierhaus Punk Ziegel.

... und einem verhaltenen Gesdchäftsgang in den kommenden Monaten

Guy Moszkowski, Analyst bei Merrill Lynch, prognostiziert allein für die Citigroup im ersten Quartal 15 Milliarden Dollar Verluste in Zusammenhang mit Hypothekengeschäften. Um weitere 3 Milliarden Dollar dürfte die Citigroup den Wert von Übernahmekrediten und Darlehen für Geschäftsimmobilien nach unten setzen. Der Analyst stufte auch seine Gewinnschätzungen für die Großbanken Bank of America und Wachovia herab. Tanona rechnet bei der Citigroup mit 12 Milliarden Dollar Abschreibungen.

Erste Hinweise auf das Quartal werden in den kommenden Wochen erwartet, wenn die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, Lehman Brothers und Bear Stearns ihre Zahlen vorlegen. Das Quartal dieser Finanzhäuser ist bereits Ende Februar zu Ende gegangen. Goldman-Analyst Tanona malt ein düsteres Bild für die Konkurrenten und hat seine Prognosen für Bear Stearns, Citigroup, JP Morgan, Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley zurückgenommen.

„Das Umfeld in den weltweiten Kapitalmärkten war im ersten Quartal sehr schwierig, weil sich die Lage sowohl an den Kredit- als auch an den Aktienmärkten bedeutend verschlechtert hat", schrieb Tanona. Dazu sei das Investmentbanking, also das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, wegen der Marktschwäche "zusehends ausgedörrt". Das dürfte die Erträge im Rest des Jahres schwächen. Allein das Handelsgeschäft sei wegen der hohen Aktivität der Kunden einer der Lichtblicke im Quartal gewesen. Das reiche aber nicht aus, die Schwäche der anderen Segmente auszugleichen.



Text: F.A.Z., 05.03.2008, Nr. 55 / Seite 23
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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