Börsen-Historie

Eintritt in Bärenmärkte historisch nicht überzubewerten

14. Juli 2008 Nun hat es also auch den MSCI World Index erwischt. Das globales Kursbarometer aus insgesamt 1.742 Unternehmen in 23 entwickelten Ländern hat am 11. Juli mit 1.345,47 Punkten die gängige Definition eines Bärenmarktes erreicht: Seit dem Oktober, als er ein Hoch markiert hatte, ist der Index nunmehr um 20 Prozent gefallen.

Ein Ausmaß in dieser Größenordnung ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil ab einem Minus von 20 Prozent offiziell laut Definition von einem Bärenmarkt gesprochen werden kann. Weil die meisten Anleger nun einmal auf steigende Kurse wetten, ist der Begriff Bärenmarkt für die Mehrheit der Marktteilnehmer natürlich ein sehr negativ besetzter Begriff.

Und wenn man sich die Charts vieler Aktienindizes etwas näher anschaut, dann sind diese zumeist auch nicht dazu angetan, viel Optimismus zu schüren. Vielmehr sind da intakte Abwärtstrends zu sehen und mit den zuletzt nicht selten aufgestellten neuen Jahrestiefs wurden sogar neue charttechnische Verkaufssignale generiert. Zusammen mit den anhaltenden Hiobsbotschaften, die mit der Kreditkrise zu tun haben, ist dies kein gutes Umfeld.

Seit 1956 gab es bisher erst neun Bärenmärkte

Aber auch wenn die Sache bestimmt nicht schön geredet werden soll, so macht die Börsen-Historie doch zumindest etwas Mut. Denn in der Vergangenheit war der Eintritt in einen offiziellen Bärenmarkt alles andere als ein schlechtes Signal. Zumindest gilt das mit Blick auf den S&P 500 Index, der zuletzt ebenfalls in einen Bärenmarkt eingetaucht ist.

Bevor die Vergangenheit erläutert wird, zunächst aber erst noch der allgemeine Hinweis, dass sich seit 1956 lediglich neun Bärenmärkte eingestellt haben. Die Spannbreite der Verluste reichte dabei von 20 Prozent im Jahr 1990 bis stolzen 48,2 und 49,1 Prozent in den Jahren 1973-74 und 2000-02.

Wie das konkreten Kursverhalten des S&P 500 Index in der Vergangenheit nach dem Eintritt in einen Bärenmarkt aussah, hat Chief Investment Strategist Sam Stovall vom Finanzdienstleister Standard & Poor´s untersucht. Demnach dauerten Bärenmärkte im Schnitt 14 Monate und bis nach einem Hoch ein Verlust von 20 Prozent erzielt wurde, dauerte es durchschnittlich neun Monate. Auch jetzt sind übrigens wieder rund neun Monate vergangen, seit das letzte Hoch im S&P 500 Index am 9. Oktober 2007 markiert wurde.

Ermutigende Statistik

Mut beim Blick auf die Historie macht aber eine ganz andere Beobachtung. Und zwar war es in der Vergangenheit immer so, dass der S&P 500 Index in Abständen von einem, zwei, drei, sechs und zwölf Monaten nach dem offiziellen Eintritt in einen Bärenmarkt im Durchschnitt Kursgewinne aufzuweisen hatte. Wie der abgebildeten Grafik zu entnehmen ist, notierte er nach einem Monat im Schnitt um 3,00 Prozent höher und nach zwölf Monaten im Schnitt sogar 16,5 Prozent. Nur in wenigen Ausnahmefällen setzte es nach dem Beginn eines Bärenmarktes auch in den Folgemonaten weitere Verluste.

Allerdings haben sich die schlimmsten Verluste ausgerechnet in den 70er Jahren ereignet, also in jener Zeit, die von Stagflation geprägt war und das ist bekanntlich genau jenes Szenario, das auch jetzt wieder befürchtet wird. Folglich sind die im Schnitt erzielten Durchschnittsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte keine Garantie dafür, dass das Schlimmste wirklich schon ausgestanden ist. Interessant ist die Erkenntnis aber allemal, dass in den meisten Fällen die Börsen nach Beginn eines Bärenmarktes doch relativ schnell wieder in den Vorwärtsgang gefunden haben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Standard & Poor's Equity Research

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +65,65 +22,46
DAIMLER AG NAMENS - +0,55 +2,02
INFINEON TECHNOLOGIE +0,06 +1,63
COMMERZBANK AG INHAB -1,38 -11,60
SAP AG INHABER - AKT -3,12 -10,82
DEUTSCHE BANK AG NAM -4,41 -9,22
NamePunkteProzent
Dax 5.366,35 -0,38
TecDax 589,97 -2,35
DowJones 9.955,50 -3,58
Nasdaq 1.862,96 -4,34
STOXX 50 2.881,46 +0,32
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,47 -2,06
Euro/Dollar 1,36 +0,45
Bund Future 117,02 +0,03
Gold 884,70 +2,67
Öl 86,68 -6,11
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