15. Januar 2008 So mancher hat alles immer schon vorher gewusst. Aber nicht immer hat er auch mit dieser Behauptung Unrecht gehabt. Auch wenn die Hypo Real Estate als weltweit agierender Finanzierer von gewerblichen Immobilien stets weit weg schien von der Krise bei Wohnungsbaukrediten in den Vereinigten Staaten, litt die Aktie mit, wenn auch nicht mehr als die anderen Bankaktien.
Wer sich von dem Papier trennte, kann sich am Dienstag sagen, richtig gehandelt zu haben. Um nicht weniger als 27 Prozent bricht die Aktie am Dienstag auf ein Dreieinhalbjahrestief ein, nachdem das Unternehmen überraschende die Geschäftsergebnisse für das Jahr 2007 bekannt gab.
Renditeziel verfehlt
Und die hatten es in sich. Der Kurs spricht für sich, fasst ein Händler den Absturz zusammen. Besonders Fonds würden sich nun schlagartig von der Aktie trennen, was die Verluste noch beschleunige. Auch Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen enttäuscht. Die Ergebnisse sind überraschend schlecht, zumal der Vorstand immer gesagt hat, dass die HRE nicht von der Immobilienkrise betroffen sei, sagte ein Experte.
Die bisher angestrebte Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent werde voraussichtlich nicht erreicht, teilte das Unternehmen mit. Nach den vorläufigen Angaben hat die Bank ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von 1,24 Milliarden Euro erzielt, das damit nur knapp über dem des Vorjahres liegt.
Die operativen Erträge im abgelaufenen Jahr beziffert der Immobilienfinanzierer mit rund 1,99 (1,96) Milliarden Euro. Wie die Münchener Bank am Dienstag in München mitteilte, betrug der Vorsteuergewinn nach Sonderposten 890 Millionen Euro.
Drastisch gekürzte Dividende
Der Knackpunkt aber sind die Sonderposten. Denn diese enthalten 295 Millionen Euro aus der sogenannten Risikoabschirmung auf ein amerikanischen Portfolio an Collateralized Debt Obligations, im Volumen von 390 Millionen Euro. Die Neubewertung trage der anhaltenden Schwäche der Finanzmärkte Rechnung, hieß es. Bisher hatte der Konzern stets betont, nicht von der Krise betroffen zu sein.
Auch wenn das Umfeld nicht gut war und eine solche Entwicklung befürchten ließ, hat doch niemand mit einem solchen Ausgang gerechnet, sagt ein weiterer Analyst. Zudem stoße Tatsache sauer auf, dass das Unternehmen die Dividende drastisch von 1,50 Euro im Vorjahr auf 0,50 Euro kürzt.
Hinter diesen Aufsehen erregenden Details verblasst die Tatsache etwas, dass im Handel ein Verlust von 60 Millionen Euro nach einem Gewinn von 178 Millionen Euro im Vorjahr anfiel.
Verkappte Gewinnwarnung
Für 2008 sieht das Geldinstitut die Eigenkapitalrendite zwischen 10 Prozent und 12 Prozent, was einer verkappten Gewinnwarnung gleiche, heißt es im Markt. Das Ergebnis vor Steuern soll dann 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro betragen.
Auch die Tatsache, dass für das Geschäftsfeld der gewerblichen Immobilienfinanzierung nur von einer stabilen Portfolioentwicklung ausgegangen wird und dass die 2007 gesunkene Kreditrisikovorsorge wieder ansteigen wird, bewirkt nicht eben eine positive Stimmung. Zudem stehen diese Aussagen unter dem Vorbehalt, dass keine unvorhergesehenen negativen Ereignisse von wesentlicher Tragweite für den Konzern einträten, insbesondere bei der Entwicklung der Kredit- und Finanzmärkte.
Gerade die aber dürfte die Meldung des Tages zunächst einmal mitgestalten. Nicht nur, dass der Kurssturz den Dax und die anderen Bankaktien deutlich in Mitleidenschaft zieht. Auch für das notdürftig reparierte Vertrauen in die Banken ist dies ein erheblicher Schlag. Dies nicht zuletzt, weil hohe Abschreibungen und eine neuerliche Kapitalspritze für die Citigroup (Riesige Abschreibung führt zu Rekordverlust) ohnehin die Sorgen in punkto Kreditkrise neu angefacht haben.
Die Krise geht weiter
Zudem hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Montagabend erst weitere Abschreibungen im Finanzsektor im Zuge der Kreditkrise prognostiziert und gewarnt, dass die Marktturbulenzen auf die Gesamtwirtschaft übergreifen könnten. Bei den Verbraucherkrediten sei bereits ein Anstieg von Ausfällen zu verzeichnen und dies werde Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft der Banken haben.
Vor allem aber werde sich in den kommenden Monaten der Kollaps der Marktpreise fortsetzen. Auch rund sechs Monate nach Beginn der Krise würden die Preise für Kreditprodukte, die inzwischen von Anlegern gemieden würden, von Woche zu Woche weiter absacken. Sollte es keine Rettungsaktion durch Banken oder Fonds geben, dann würden die Preise weiter nachgeben, sagte Ackermann. Wir müssen wohl den Preis für unsere Fehler zahlen.
Die Kreditausfallrate für ernsthaft rückständige Subprime-Kredite sei 2007 auf mehr als 20 Prozent in die Höhe geschnellt von rund 6 Prozent Ende 2006. Entsprechend sei der Wert der verbrieften Hypothekenkredite, der Residential Mortgage Backed Securities (RMBS), deutlich gesunken. RMBS-Papiere mit einem AAA-Rating hätten seit Januar 2007 rund 30 Prozent ihres Werts eingebüßt. Bei Papieren mit einer Bonität von BBB- belaufe sich der Verlust sogar auf bis zu 80 Prozent, geht aus der Präsentation von Ackermann hervor.
Das ist sehr unglücklich
Würde man all jene Kredite wieder in die Bücher nehmen statt sie wie zuvor zu verbriefen, würde man viel mehr Kapital benötigen. Und dies würde zu einer Abschwächung der Kreditvergabe führen, die wiederum essentiell für Wirtschaftswachstum sei.
In diesem Kontext dürfte auch der Beteuerung des Vorstandsvorsitzenden der Hypo Real Estate, Georg Funke, dass man unbelastet in das Jahr 2008 gehe und keine komfortable Risikoabschirmung habe, nur eingeschränkte Bedeutung zukommen, ganz zu schweigen vom Vertrauen in die Qualität der Kommunikation der Banken.
Dieses Problem ist sicher nicht von der Hypo Real Estate allein bewirkt worden - die Diskrepanz zwischen früheren Beteuerungen und den bekannt gegebenen Maßnahmen wird ihr aber im Kontext der bisherigen Entwicklung auch dann negativ ausgelegt, wenn sie durch die Marktentwicklung der Zwischenzeit erklärbar ist.
Interessant ist allerdings die Tatsache, dass das Portfoliovolumen im August noch auf rund 190 Millionen Euro und damit halb so hoch beziffert wurde. Selbst wenn es zu einem vollständigen Zusammenbruch des Subprime-Marktes käme, wäre dies im Rahmen unserer kalkulierten Risikovorsorge mehrfach abgedeckt, hieß es damals.
Unter diesen Umständen ist unsicher, wann sich die Aktie von diesem Schlag wieder erholen kann. Es gab lange Zeit, den Markt auf so etwas vorzubereiten, das hat die Hypo Real Estate verpasst. Das ist sehr unglücklich, sagte ein Händler. Solange der Bankensektor den Preis für seine Fehler zahlt, wird auch die Hypo Real Estate mit ihm leiden - angesichts der verhaltenen Prognosen für 2008 womöglich das gesamte Jahr lang.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +1,51 | +2,02 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,35 | +0,48 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +0,15 | +0,38 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | -0,84 | -3,12 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,54 | -2,67 |
| BAYERISCHE MOTOREN W | -0,75 | -2,60 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.256,20 | -0,98 |
| TecDax | 802,53 | +0,73 |
| DowJones | 11.417,43 | +0,61 |
| Nasdaq | 2.389,08 | +0,20 |
| STOXX 50 | 3.259,83 | -1,08 |
| Nikkei 225 | 12.752,21 | -0,77 |
| S&P 500 Zert. | 12,65 | -0,55 |
| Euro/Dollar | 1,48 | +0,54 |
| Bund Future | 114,28 | -0,42 |
| Gold | 826,52 | +1,75 |
| Öl | 114,78 | +3,31 |
