Automobile

Neue Baureihe bewegt Porsche-Aktie

Carrera-Produktion in Leipzig

Carrera-Produktion in Leipzig

28. Juli 2005 Viele Autofreunde mag es freuen. Porsche erweitert seine Modellpalette und bringt als vierte Baureihe ein Sportcoupé mit dem Namen Panamera auf den Markt. Aufsichtsrat und Vorstand des Luxuswagenherstellers gaben am Mittwoch in Stuttgart grünes Licht für den Viertürer mit vier Sitzen, der erstmals 2009 über die Straßen flitzen soll.

Auf eine Milliarde Euro sollen sich die Investitionskosten für den Panamera belaufen, der womöglich in Leipzig produziert werden wird. Mindestens 20.000 Fahrzeuge pro Jahr sollen von dem Viertürer verkauft werden, den Porsche in Eigenregie bauen will und für den das Unternehmen eine eigene Plattform entwickeln will, wohingegen beim bisher letzten neuen Modell, Cayenne, noch mit Volkswagen zusammen gearbeitet wurde.

Anleger mögen den Panamera erstmal nicht

Design-Skizze des neuen Porsche-Sportcoupés Panamera

Design-Skizze des neuen Porsche-Sportcoupés Panamera

Was für die Autofans jedenfalls eine gute Nachricht war, kam an der Börse am Mittwoch schlecht an. Die Anleger schickten die Vorzüge des Unternehmens vom späten Vormittag an in den Keller, nachdem diese noch ganz ordentlich in den Tag gestartet war. Auf 1,4 Prozent belief sich am Tagesende immerhin das Minus.

Denn am Vorhaben des Zuffenhausener Sportwagen-Konzerns gibt es einige Punkte, die nicht ganz so schmecken wollen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer etwa sprach sich gegen den Standort Leipzig aus. Die Erfolgschancen seine größer, wenn in den Vereinigten Staaten produziert würde. Diese seien schließlich der größte Markt für Porsche, das dort mit einer Produktion präsent sein. Auch die Entscheidung, das Fahrzeug in Eigenregie zu entwickeln, sei riskant.

Das sieht auch Dresdner Kleinwort Wasserstein-Analyst Jens Schattner so. Dies sei negativ und auch das Absatzziel sei ehrgeizig. Marktanalyst Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight hält dieses dagegen für „absolut realistisch“. Er geht aber von einem Einstiegspreis von 80.000 Euro aus. In den vergangenen Wochen gehörte dieser Preis eher in den unteren Bereich dessen, was kolportiert wurde.

Cayenne und andere in voller Fahrt

Vor allem weist Stürmer darauf hin, daß Porsche damit das angestammte Sportwagen-Segment verläßt und in die hartumkämpfte Nische der “high-performance“ Limousinen eintritt. Dort tummeln sich beispielsweise die hochprofitablen Tuning-Töchter AMG von Mercedes-Benz und M-GmbH von BMW. Die Frage ist also hier noch mehr als bei anderen Modellen angebracht, ob es zum Erfolg wird. Ein Porsche könnte BMW und Mercedes Marktanteile kosten - könnte aber sich auch womöglich nicht durchsetzen. Stürmer geht eher vom ersteren Fall aus. Der Markenname Porsche, der gleichzeitig ein Mythos ist, spricht jedenfalls dafür.

Auch unter den Analysten scheinen überproportional viele Porschefahrer vertreten zu sein. Denn die Aktie gehört zu den Favoriten schlechthin. Gerade am Mittwoch haben einige Analysten ihre Prognosen bestätigt. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler schwärmt: „Porsche bietet unter den deutschen Autobauern das einzig vollständig überzeugende Bild. Sie haben die neueste Modellpalette, die stärksten Produkte und mit zehn Prozent mehr verkauften Fahrzeugen das größte Wachstum“.

Die Credit Suisse First Boston sieht das Auftragsniveau auf Allzeithoch. Die Wartezeiten betrügen weiter sechs Monate und mehr, obwohl die Produktion für die Modellreihe
997 erhöht worden sei. Mit China und Osteuropa gäbe es bedeutende Wachstumsmärkte bei weiter starker Entwicklung auf den traditionellen Märkten in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Großbritannien.

Auch die Analysten der WestLB haben am Donnerstag das Kursziel von 630 auf 730 Euro angehoben. Die vierte Modellreihe dürfte rund 22 Prozent zum Gewinnwachstum beitragen, lautet die simple Begründung.

Immer etwas teurer

In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg der Gesamtumsatz im Konzern um 3,9 Prozent auf 2,97 Milliarden Euro, wobei gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast zehn Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt werden konnten. Absatzverluste gab es durch den Modellwechsel beim Boxster, wogegen der jüngste im Stall, der Cayenne mittlerweile für über die Hälfte des Absatzes sorgte und ein Plus von 14 Prozent verzeichnete. Und wer zurückdenkt, kann sich dunkel erinnern, daß auch der Cayenne seinerzeit nicht auf ungeteilte Begeisterung stieß.

Der Konzerngewinn vor Steuern stieg um sieben Prozent auf 226,1 Millionen Euro und das Unternehmen sieht sich auf dem besten Wege mit einem neuen Rekordabsatz. Und mit der bevorstehenden Verabschiedung eines Beschäftigungspaktes hat man auch auf der Arbeitskostenseite erst einmal Ruhe. Warum sollte es Porsche also nicht schaffen, auch den Panamera zum Erfolg zu führen? Das dachten sich die Börsianer zumindest am Donnerstag und griffen bei den Aktien wieder zu. Fast zwei Prozent legten die Papier auf aktuell 660,40 Euro zu.

Charttechnisch gibt es an der Porsche-Aktie wenig zu mäkeln. Die Aktie liegt im langfristigen Aufwärtstrend, wenngleich sie in den vergangenen Wochen doch deutlich von ihrem Allzeithoch bei 694,60 Euro zurückgekommen ist. Der Dämpfer als Reaktion auf die Veröffentlichung zur vierten Baureihe gibt unter diesem Gesichtspunkt doch ein wenig zu denken. Zumal die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 auch nicht gerade billig ist. Indes waren die Anleger schon immer bereit für einen Porsche etwas mehr zu bezahlen.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Porsche-Aktie in den vergangenen Jahren.
Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Porsche-Aktie in den vergangenen Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho mit Material von AP und Bloomberg
Bildmaterial: dpa/dpaweb, Porsche

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