Rohstoffe

Chalco-Aktie profitiert von Chinas Alu-Hunger

24. August 2007 Rohstoffe und deren steigende Preise sind immer noch eine der treibenden Faktoren des weltweiten Aktienmarkts - und in diesem Zusammenhang natürlich immer wieder China und sein schier unersättlicher Hunger nach Rohstoffen.

Das zeigt sich in der aktuell wieder freundlichen Börsenphase zum Beispiel am Kurs der Aktie der unter dem Namen Chalco bekannten Aluminum Corporation of China, dem größten chinesischen Aluminiumhersteller. Mit einem Kursplus von 7,75 Prozent am Freitag erreicht die Notierung nah ihrem scharfen Einbruch im Zuge der Krisentage zu Monatsbeginn an den deutschen Börsen ein neues Allzeithoch. Das ist um so bemerkenswerter, als die Notiz von 1,50 Euro zu Monatsbeginn um immerhin ein Drittel eingebrochen war.

Sinkende Preise lassen Gewinn deutlich fallen

Hintergrund des starken Kursanstiegs sind weniger die Halbjahresergebnisse, die Chalco am Donnerstag vorlegte. Der Reingewinn fiel im Vergleich zur Vorjahresperiode um 5,1 Prozent auf 6,4 Milliarden Yuan (620 Millionen Euro), obgleich der Umsatz um 31,4 Prozent auf 36,5 Milliarden Yuan (3,55 Milliarden Euro) stieg.

Ursächlich waren sinkende Preise von Aluminium, das um zwei Prozent gegenüber der Vorjahresperiode billiger wurde, vor allem aber von Tonerde, dessen Preis um 26 Prozent einbrach. Der Absatz hingegen legte deutlich zu, der von Rohaluminium um 89 und der von Tonerde um 9,5 Prozent. Dies alles führte auch dazu, dass die Bruttomargen deutlich von 40 auf 29 Prozent sanken.

Doch die Anleger schauen offenbar viel stärker auf die Zukunft, die der Vorstandsvorsitzende Xiao Yaqing recht rosig erscheinen lässt. Er rechnet damit, dass der weltweit größte Aluminiumproduzent China zu einem Nettoimporteur des Metalls wandeln wird. Vor allem in der chinesischen Automobil- und Verpackungsindustrie, aber auch in der Baubranche steige der Verbrauch stark. Die Nachfrage in China werde im laufenden Jahr drei Mal so schnell wachsen wie weltweit.

Hoffnung auf hohes Nachfragewachstum

Ob dabei aber ausgerechnet Chalco uneingeschränkt wird davon profitieren können, ist noch offen. Denn die Regierung senkte im Juli die Importsteuer auf Aluminium, um die einheimische Produktion zu drosseln, den Energieverbrauch zu reduzieren und die Bauxitvorräte des Landes zu schonen.

„Die öffentliche Meinung geht davon aus, dass China sich zur Werkstatt der Welt entwickelt. In Wahrheit verfügen wir aber weder in ausreichendem Maße über Rohstoffe noch entsprechende Energievorräte, um dieser Rolle gerecht zu werden“, sagte Xiao der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Indes sieht der Manager aufgrund der hohen Nachfrage ein Endes des zuletzt ungünstigen Preistrends für Aluminium und stabile Tonerdepreise im zweiten Halbjahr. Das rasante Wachstum der einheimischen Produktion werde durch den Mangel an Bauxitreserven gehemmt.

Akquisitionsstrategie kommt gut an

Diese Situation kann sich günstig auf Chalco auswirken. Solange die Kostenstrukturen des Unternehmens sich durch vermehrt Bauxitimporte nicht verschlechtern und man weiter mit den günstiger gewordenen Aluminiumimporten mithalten kann, dürfte eine wachsende Nachfrage für eine gute Auslastung sorgen.

Die Analysten von Core Pacific-Yamaichi sind durchaus optimistisch und sehen anhaltende Wachstumsperspektiven in der Aluminium- und Tonerdeerzeugung, nicht zuletzt aber Wachstumspotential im Kupfergeschäft, durch die jüngste Akquisition von Peru Copper. Zudem hat Chalcos Muttergesellschaft Chinalco vor kurzem erst 49 Prozent an Yunan Copper, dem drittgrößten Kupferproduzenten des Landes erworben.

Überhaupt wächst Chalco recht aggressiv und hat in der Vergangenheit einige kleiner Aluminiumschmelzen übernommen. Dies ist auch einer der größten Kurstreiber. In Hongkong hat der Kurs der Aktie seit dem 17. August um 50 Prozent auf 16,26 Hongkong-Dollar zugelegt, nachdem Chalco weiter Zukäufe im chinesischen Aluminiumsektor angekündigt hatte.

Damit ist indes das fundamentale Kursziel der Analysten von Core Pacific-Yamaichi bereits übertroffen, die das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2008 bei diesem Kurs mit rund 14 berechnen.

Chinesische Aluminiumproduktion vergleichsweise teuer

Andere Analysten sind weniger optimistisch. Sie rechnen im Schnitt mit fallenden Gewinnen und beziffern das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2008 auf 23 und für das laufende Jahr auf 20, womit die Aktie doch reichlich teuer wäre.

Die Analysten der Credit Suisse gehen davon aus, dass im Zuge einer steigenden Nachfrage in China, die dort neu geschaffenen Produktionskapazitäten zu hohen Kosten produzieren müssen. Sie sehen daher zunächst mehr Chance für Aluminiumschmelzen, die mit natürlichen Energiequellen auskommen, wie in Island, Sibirien, Indien oder auch im Mittleren Osten, der über hohe Erdgasvorkommen verfügt.

Langfristig rechnen sie mit einer Verschiebung der Kostenkurve nach oben, was aber die Produktionskostennachteile chinesischer Unternehmen allenfalls bedingt wird ausgleichen können. Sie setzen daher eher auf die norwegische Norsk Hydro (Alu-Hunger Chinas freut Norsk Hydro).

Insofern erscheinen die Perspektiven für die Chalco-Aktie nach dem deutlichen Kursanstieg unter fundamentalen Gesichtspunkten nicht durchweg günstig. Charttechnisch ist sie indes wieder in den Aufwärtstrend eingeschwenkt. Der jüngste Kurseinbruch hat allerdings die Risiken des Papiers deutlich gemacht, das die leichte Unterstützung bei 1,40 Euro glatt durchschlagen hatte und erst bei der stärkeren Unterstützung im Bereich zwischen 90 Cent und einem Euro halt gemacht hatte. Der RSI befindet sich derzeit noch in neutralem Territorium, obgleich er sich sichtbar dem überkauften Terrain angenähert hat. Indes weist der MACD auf eine eher positive Entwicklung hin.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Credit Suisse, FAZ.NET

 
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