15. Mai 2007 Die Salzgitter-Aktie strebt zu immer neuen Höhen. Vor gut vier Jahren war die Aktie zeitweise für weniger als sechs Euro zu haben. Anfang Mai übersprang der Kurs erstmals die Marke von 130 Euro.
Vom vor wenigen Tagen verzeichneten Rekordhoch bei 133,30 Euro kam die Aktie zwar wieder etwas zurück, am Montag ging sie bei 131,50 Euro aus dem Handel. Aber die Chancen stehen gut, dass die Aktie schon am Dienstag auf einem neuen Rekordhoch aus dem Handel geht. Im frühen Geschäft legten die Titel 1,6 Prozent auf 133,60 Euro zu (Isin DE0006202005).
Management hebt Ergebnisprognose an
Der Grund für das Plus am Dienstagmorgen ist schnell gefunden: Salzgitter erhöhte nach einem deutlich besser als allgemein erwartet ausgefallenen Gewinn im ersten Quartal die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Das Vorsteuerergebnis soll jetzt eine Milliarde Euro erreichen und damit über dem Vorjahresniveau liegen, wie der Stahl- und Röhrenkonzern am Dienstag mitteilte.
Bereinigt um Sondereffekte hatte Salzgitter 2006 einen Vorsteuergewinn von 948 Millionen Euro ausgewiesen. Bisher hatte es das Unternehmen als zu ambitioniert angesehen, dieses Ergebnis 2007 wieder zu erreichen.
Beim Umsatz nähere sich Salzgitter in diesem Jahr der Marke von zehn Milliarden Euro, sagte Salzgitter-Chef Wolfgang Leese. Allerdings hänge dieses Ziel auch mit dem genauen Zeitpunkt der Konsolidierung der Klöckner-Werke zusammen.
Erwartungen übertroffen
Im ersten Quartal übertraf der MDax-Konzern aus Salzgitter die Analystenerwartungen. Das operative Vorsteuerergebnis kletterte auf 325 Millionen Euro und lag damit 64 Prozent über dem Vorjahreswert. Die von Dow Jones Newswires befragten Analysten hatten zuvor im Schnitt mit lediglich 263 Millionen Euro gerechnet.
Auch beim Ergebnis nach Steuern und beim Umsatz wurden die Prognosen übertroffen. Das Nachsteuerergebnis kletterte auf 196,6 (Vorjahr: 35,7) Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 20 Prozent auf 2,38 (1,98) Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie liegt bei 3,41 (0,62) Euro. Analysten hatten im Mittel mit einem Ergebnis nach Steuern von 164 Millionen Euro und mit Erlösen von 2,20 Milliarden Euro gerechnet.
Glänzender Start ins Jahr
Salzgitter selbst sprach von einem glänzenden Start ins Jahr. Der Vorsteuer-Gewinn sei so hoch wie noch nie in einem Quartal ausgefallen. Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen für den Konzern seien vorzüglich. Und insbesondere dank des anhaltenden Aufschwungs in Deutschland und Europa werde sich die Geschäftstätigkeit wohl auf dem aktuellen Niveau fortsetzen, prognostizierte das Unternehmen.
Im Stahlgeschäft werden die zum April durchgesetzten Preiserhöhungen die steigenden Rohstoff- und Energiekosten nach Einschätzung von Salzgitter größtenteils kompensieren. Die lebhafte Nachfrage in allen Walzstahl-Segmenten werde eine hohe Auslastung der Produktion über die nächsten Monate gewährleisten, hieß es.
Auftragsbestand auf Rekordniveau
Auch im Röhrengeschäft geht Salzgitter davon aus, dass die gute Beschäftigung in den kommenden Quartalen anhalten wird. Der Rekordauftragsbestand sichere die Auslastung der meisten Werke bis in das vierte Quartal hinein.
Das Handels-Segment soll auch in den kommenden Monaten vom expandierenden Stahlverbrauch profitieren. Und auch im Dienstleistungs-Geschäft werde die sehr zufrieden stellende Verfassung weiter andauern.
Interesse an weiteren Übernahmen
Salzgitter bekräftigte auch das Interesse an weiteren Übernahmen. Im Zwischenbericht verwies der Stahl- und Röhrenkonzern darauf, dass das Unternehmen derzeit weitere Akquisitionsmöglichkeiten im In- und Ausland prüfe. Genauere Angaben hierzu machte Salzgitter nicht.
Salzgitter hatte in den vergangenen Monaten wiederholt darauf hingewiesen, dass die Preise für Stahl- und Röhrenunternehmen zurzeit zu hoch seien und hatte daher ein organisches Wachstum dem Vorrang gegenüber Akquisitionen gegeben. Im März waren Gespräche mit dem kanadischen Stahlunternehmen Algoma gescheitert. Allerdings hatte Salzgitter im gleichen Monat auch die Übernahme der Klöckner-Werke bekannt gegeben.
Kauf der Klöckner-Werke aussichtsreich
Die WestLB hatte das Kursziel für die Salzgitter-Aktien vergangene Woche von 120 auf 150 Euro angehoben und die Einstufung 'Buy' bekräftigt. Das Quartalsergebnis werde voraussichtlich unterstreichen, dass 2007 ein Rekordjahr werde, schrieben die Analysten in einer Studie am Donnerstag. Eine Anhebung der Unternehmensziele sei möglich. Damit lagen die Analysten richtig, wie sich im Rückblick zeigt.
Die Nord LB wertete den Kauf der Klöckner-Werke zur vertikalen Diversifizierung in einer Studie Ende April als aussichtsreich. Er könnte mittelfristig gute Ertragschancen mit sich bringen.
Tatsächlich spricht der weltweite Kapazitätsaufbau bei Stahl für Überkapazitäten in der Zukunft. Salzgitter stellt sich mit den Klöckner-Werken breiter auf und wird auch zum Zulieferer für die Konsumgüterindustrie.
Analysten rechnen mit sinkendem Gewinn
Gemessen an den durchschnittlichen Analystenerwartungen scheint die Aktie noch nicht zu teuer zu sein: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Geschäftsjahr beläuft sich auf 13,3. Mögliche Gewinnrevidierungen nach oben sind in dieser Zahl noch nicht berücksichtigt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis bleibt bei einem Wert knapp unter eins, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei knapp unter zwei.
Das KGV für 2008 beträgt allerdings 14,9, liegt also über dem Wert für 2007. Die Analysten rechnen also nicht damit, dass Salzgitter den Gewinn nochmals wird steigern können. Die Erwartung sinkender Gewinne ist natürlich nicht gerade ein Zeichen für steigende Kurse. Doch es wäre ohnehin blauäugig zu glauben, dass die Marge dauerhaft so hoch bleiben kann.
Schon ein Blick auf den Chart zeigt, dass eine Korrektur nur eine Frage der Zeit sein kann. Der Anstieg in den vergangenen Monaten war sehr steil, in diesem Tempo kann es nicht auf Dauer weitergehen. So hat sich der Kurs im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, und seit Jahresbeginn liegt die Aktie schon wieder fast 30 Prozent im Plus. Mittel- und langfristig aber kann die Aktie weiter zu den Gewinnern gehören, wenn es dem Unternehmen gelingt, weiterhin zu ausgewählt zuzukaufen und auf diesem Weg solide zu wachsen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi mit Dow Jones und dpa-AFX
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +52,15 | +17,84 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +0,77 | +2,81 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,66 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,53 | -12,82 |
| SAP AG INHABER - AKT | -3,00 | -10,40 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,77 | -9,96 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.354,16 | -0,61 |
| TecDax | 590,67 | -2,23 |
| DowJones | 9.955,50 | -3,58 |
| Nasdaq | 1.862,96 | -4,34 |
| STOXX 50 | 2.872,92 | +0,02 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,47 | -2,06 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,42 |
| Bund Future | 117,04 | +0,05 |
| Gold | 884,05 | +2,59 |
| Öl | 86,68 | -6,11 |