Motorräder

Harley-Davidson spürt die Kreditkrise

19. Oktober 2007 Die Aktie des amerikanischen Motorradherstellers Harley-Davidson gehörte lange Zeit zu den besten Werten, die man als Anleger haben konnte. Denn aufgrund der robusten Nachfrage konnte das Unternehmen im Trend Umsatz und auch Ertrag steigern. Kursrückschläge boten bisher immer interessante Kaufgelegenheiten.

Das Unternehmen profitierte einerseits von einem gewissen Kultstatus seiner Produkte und andererseits von der Kaufkraft der Klientel, sie es ansprach. Vielfach gehören und gehörten dazu nicht etwa die „jungen Wilden“, sondern eher die gesetzten, etablierten und ökonomisch wohl situierten Bevölkerungsteile. Waren die Kinder aus dem Haus und das Häuschen abbezahlt, so gab es plötzlich finanzielle und zeitliche Luft für den Traum, den man schon immer geträumt hatte: Einmal die Route 66 mit einer Harley - oder so ähnlich.

Umsatz- und Gewinnrückgang im dritten Quartal

So dürften der zunehmende Wohlstand weltweit und auch die demographische Entwicklung dazu beigetragen haben, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren sowohl Umsatz als auch Gewinn im Trend steigern konnte. Neuerdings scheint das Geschäft allerdings etwas harziger zu laufen. Denn aufgrund eines Nachfrageeinbruchs in den Vereinigten Staaten im August hat der Motorradbauer im dritten Quartal einen Gewinnrückgang von 15 Prozent auf 265 Millionen Dollar oder 1,65 Dollar je Aktie verzeichnet. Der Umsatzrückgang drückte auf das Ergebnis, teilte der Motorradhersteller aus Milwaukee im amerikanische Bundesstaat Wisconsin mit.

Der Gewinn je Aktie lag allerdings über den Durchschnittserwartungen von 15 befragten Analysten, die im Gespräch mit Bloomberg News 1,05 Dollar prognostiziert hatten. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 312,7 Millionen Dollar oder 1,20 Dollar je Aktie verdient. Der Umsatz sank um 5,8 Prozent auf 1,54 Milliarden Dollar. „Das finanzielle Ergebnis von Harley-Davidson im dritten Quartal ist enttäuschend, kommt aber nicht unerwartet“, sagte Vorstandsvorsitzender Jim Ziemer. Bereits im September hatte Harley-Davidson die Gesamtjahresprognose gesenkt und das mit den unerwartet schwachen Verkäufen im August begründet.

Laut der neuen Prognose sollen im laufenden Jahr zwischen 328.000 und 332.000 Motorräder abgesetzt werden, nach 349.196 Stück im Jahre 2006. Das gehe mit einem moderaten Umsatzrückgang, einer niedrigeren operativen Marge und einem um vier bis sechs Prozent geringeren Ertrag je Aktie einher. Im kommenden Jahr sei mit einer Steigerung des Gewinns je Aktie zwischen vier und sieben Prozent zu rechnen. Ob sich diese Prognosen halten lassen, wird sich erst noch zeigen müssen.

Größter Teil der Umsätze werden in den Vereinigten Staaten erzielt - Kreditgeschäft nicht unerheblich

Fakt ist jedoch, dass Harley-Davidson im vergangenen Geschäftsjahr etwas mehr als 80 Prozent seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten generiert hat. Aus diesem Grund dürfte die gegenwärtige und sehr wahrscheinlich noch längere Zeit anhaltende Schwäche der amerikanischen Konjunktur mit dämpfender Wirkung auf den Konsum wenig Grund für einen optimistischen Ausblick liefern. Das ist nicht alles. Denn gerade in der jüngeren Vergangenheit hatten viele Harley-Kunden ihre Käufe mit Krediten finanziert. Diese Kredite waren - vergleichbar mit dem Häusermarkt - mit lockerer Hand vergeben worden, da sie verkauft und in verbriefter Form an Anleger weitergegeben werden konnten. Damit dürfte es vorbei sein.

Aus diesem Grund gerät Harley-Davidson gleich von zwei Seiten in die Klemme. Auf dieser Basis dürfte man die Aktie mit einer gewissen Skepsis betrachten müssen, auch wenn sie auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 13 und 12,5 vergleichsweise attraktiv aussehen mag. Wahre Fans der Aktie mögen die Skepsis zwar möglicherweise nicht verstehen. Charttechnisch hat die Aktie jedoch den langfristigen Aufwärtstrend längst durchbrochen und ist in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Das ist in der Regel kein sonderlich positiv Zeichen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, REUTERS

 
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