12. März 2008 Das Börsenschicksal der Air Berlin lässt sich durchaus als turbulent bezeichnet. Nach einem ruckligen Start und ersten Kursverlusten bis auf 9,20 Euro im Jahr 2006 hob der Kurs dann doch ab und erreichte im Mai 2007 bei 20,45 Euro den bisher höchsten Stand. Dabei ließ sich die Aktie des Billigfliegers zunächst auch nicht von einem Kurseinbruch Ende Februar im Umfeld der Übernahme der LTU und der Begebung einer Wandelanleihe irritieren.
Doch Anfang Mai drehte der Wind., nachdem die Fluggesellschaft für den April zwar einen Anstieg der Zahl der beförderten Passagiere, aber auch eine verringerte Auslastung vermeldete. Es folgten enttäuschende Zahlen für das erste Quartal 2007, als der operative Verlust trotz einer Umsatzsteigerung wegen höherer Benzin- und Personalkosten weiter stieg und auch der Ausblick für das zweite Quartal nicht erfreute.
Schwache Ertragsentwicklung ...
Es folgten Rücktrittsgerüchte um den Vorstandsvorsitzenden Joachim Hunold im Zuge von Ermittlungen wegen Insiderhandels und ein Gewinneinbruch im zweiten Quartal, dem eine Prognosesenkung folgte. Die Buchungen waren wegen des sonnigen Wetters in Deutschland und des Regens in Urlaubszielen am Mittelmeer zurückgegangen, damit einhergehend die Preise für Flugtickets deutlich gesunken. Zudem hatte das Unternehmen vermehrt Flugzeuge samt Besatzung gemietet (Wet-Lease), was die Kosten nach oben trieb.
Auch das Umfeld verschlechterte sich. Eine Konsolidierung und die Billiglinie der Lufthansa wirkten sich trotz aller Passagierrekorde negativ aus.
Dass die Lage für Air Berlin besser sein könnte, zeigt der Mittwochmorgen. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft teilte mit, dass man 2007 trotz eines Umsatzanstiegs einen Gewinneinbruch erlitten habe.
... ist noch schwächer als zunächst prognostiziert
Ursache seien erhebliche Probleme mit der Eingliederung der LTU. Dies ließ den Nettogewinn auf ein Fünftel auf elf Millionen von gut 50 Millionen Euro im Vorjahr zusammenschmelzen.
Der Betriebsgewinn verringerte sich auf 21,5 Millionen Euro nach gut 64 Millionen Euro vor Jahresfrist.
Dabei entwickelt sich der Umsatz der seit Jahren expandierenden Fluggesellschaft mit einem Plus von 61 Prozent auf 2,54 Milliarden Euro weiterhin dynamisch. Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasingkosten (Ebitdar) stieg von 256,5 auf 379 Millionen Euro.
Nur langsam wächst zusammen, was zusammen gehören soll
Das Unternehmen begründete den Einbruch mit Verzögerungen bei der LTU-Integration und technischen Problemen beim Zusammenführen der EDV-Systeme von Air Berlin und LTU. Dies habe zu einer Ergebnisbelastung im zweistelligen Millionenbereich geführt. Die Kosten hatten bereits im dritten Quartal das Ergebnis belastet. Seinerzeit hatte das Unternehmen sein ursprüngliches Ziel, den Gewinn zu steigern, aufgegeben und zumindest noch ein stabiles Ergebnis angekündigt.
Dies sollte mit der Auflösung von Rückstellungen erreicht werden. Nun habe sich herausgestellt, dass dies nicht möglich sei. Die Wirtschaftsprüfer haben uns erklärt, dass die Einmalerträge aus den Rückstellungen nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden können, sondern ergebnisneutral, erläuterte ein Air-Berlin-Sprecher. Eine präzise Zahl zu den Belastungen will das Unternehmen erst Ende März auf der Bilanzpressekonferenz nennen.
Bereits seit Monaten war über eine weitere Gewinnwarnung spekuliert worden, da die technischen Schwierigkeiten bei der Zusammenführung der elektronischen Systeme bereits seit längerem bekannt waren.
Anleger teilen Optimismus nicht
Vorstandschef Joachim Hunold gab sich für 2008 dennoch optimistisch. Die LTU-Integration sei jetzt auf einem guten Weg. Er verwies auf die guten Passagierzahlen im Januar und Februar. Die Auslastung der Flugzeuge und der Durchschnittserlös sei deutlich gestiegen. Auch die aktuelle Buchungslage ist erfreulich, sagte Hunold.
Indes teilen die Aktienanleger diesen Optimismus keineswegs. Die Air-Berlin-Aktie, verliert 5,1 Prozent auf 8,92 Euro und hat damit ein neues Allzeittief erreicht. Es dürfte der fortgesetzte Trend eines Wachstums zulasten des Ertrags sein, der die Anleger pessimistisch stimmt - allzumal angesichts eines hohen und steigenden Ölpreises die Erwartungen für über den Preis konkurrierende Fluggesellschaften nicht eben optimistisch sind.
Keine gute Zeit für Billigflieger
Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Gewinnwarnung, die Europas größter Billigflieger Ryanair Anfang Februar begab. Hohe Treibstoffpreise sowie ein flauer Konsum in Großbritannien machen den Iren zu schaffen. Hohe Kerosinkosten machten sich zuletzt auch bei British Airways bemerkbar und auch Easyjet-Chef Andrew Harrison sah erst vor wenigen Tagen angesichts des Ölpreisanstiegs Ticketpreiserhöhungen als kaum vermeidlich an.
Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analystenschätzungen von rund neun für das laufende und acht für das kommende Jahr ist Air Berlin zwar etwas günstiger als Easyjet mit KGVs von 11,2 und 9,9 und Ryanair von 10,6 und 9,4, indes sollte man das in dem derzeit eher schwierigen Umfeld nicht überbewerten.
Charttechnisch gibt es derzeit keine Marke, an der man sich festhalten könnte. Gelingt es der Notierung nicht, sich zum Tagesende oberhalb der 9,20 Euro zu behaupten, ist die weitere Entwicklung erst einmal offen. Hoffnung gibt die Tatsache, dass der RSI bei einer Fortsetzung der negativen Tendenz in den überverkauften Bereich rutschen dürfte. Aber auch wenn sich die Notiz über 9,20 Euro behaupten kann, bleiben die Vorzeichen negativ, solange das Unternehmen nicht mit steigenden Gewinnen auch nach Leasingkosten und Abschreibungen ein positives Zeichen setzen kann.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +13,53 | +6,90 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | +3,59 | +6,32 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,32 | +6,26 |
| MERCK KGAA INHABER - | -5,80 | -7,17 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | -1,57 | -2,03 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,37 | -1,05 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.536,09 | +1,45 |
| TecDax | 746,70 | +2,21 |
| DowJones | 11.632,38 | +0,26 |
| Nasdaq | 2.325,88 | +0,95 |
| STOXX 50 | 3.387,50 | +1,84 |
| Nikkei 225 | 13.312,93 | +0,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +2,40 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,09 |
| Bund Future | 110,11 | +0,03 |
| Gold | 922,70 | +0,11 |
| Öl | 126,52 | -4,27 |
