13. Mai 2008 Nach dem Niedergang des Neuen Marktes, der nun zugegebenermaßen einige zeuit zurückliegt, gerieten vor allem diejenigen Werte in Vergessenheit, die bei den damaligen Insidern auf den Handelslisten standen und nicht so sehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen waren.
Das hatte häufig einen guten Grund, waren viele von ihnen doch nie profitabel gewesen, andere gerieten mit der Normalisierung der IT-Märkte in schwierige Gewässer. Das galt auch für einige der Beratungsunternehmen, so auch für die Wiesbadener Plenum AG, die sich selbst zu den führenden deutschen Management-Beratungshäusern zählt und den Schwerpunkt des Geschäftes in der Beratung der Dienstleistungsbranche und hier vor allem Finanzdienstleister, Energieversorger und Logistiker sieht.
Krisenjahre
Nachdem man 2001 bei einem Umsatz von 65 Millionen Euro noch einen Gewinn von rund drei Millionen Euro verbucht hatte, ging der Umsatz 2002 bereits auf 47,5 Millionen Euro zurück. Zudem rutschte man mit einem Verlust von mehr als zehn Millionen Euro in die roten Zahlen. 2003 gab es noch einmal einen kleinen Gewinn, an den sich einen dreijährige Durststrecke anschloss, in der der Umsatz kräftig von 41 auf 6,5 Millionen Euro schrumpfte und das Unternehmen rote Zahlen schrieb.
Die Aktie, die zu ihren besten Zeiten 1999 mit 44 Euro gehandelt worden war, aber schon im selben Jahr drastisch bis auf unter 14 Euro eingebrochen war, verlor gegen Ende dieses Zeitraums zusehends an Wert, nachdem sich die Notierung während der eigentlichen Durststrecke vergleichsweise stabil gehalten hatte. Im Jahr 2007 ging es dann im Zuge der Risikoaversion an den Börsen abwärts, bis im März 2008 bei 71 Cent der absolute Tiefpunkt erreicht war.
Wieder in den schwarzen Zahlen
Dann aber setzte eine Wende ein, die den Aktienkurs mittlerweile um zwei Drittel auf 1,18 Euro nach oben führte. Denn dem Unternehmen ist es im vergangenen Jahr gelungen, wieder einen gewinn zu erzielen. Die Refokussierungsstrategie sei beendet und so ist man wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.
Bei nochmals um 15 Prozent niedrigeren Umsatzerlösen von 22,4 Millionen Euro betrug der Jahresüberschuss 293.000 Euro. Dabei war der Umsatzrückgang durch die Aufgabe und den Verkauf margenschwacher Geschäftsbereiche bedingt. Auch 2008 dürfte sich dieser Prozess noch bemerkbar machen, da das verkaufte Agenturgeschäft von Stoll & Fischbach noch mit einem Umsatzbeitrag von 5,1 Millionen Euro in das Jahresergebnis einging.
Bereinigt um die nicht mehr fortgeführten Aktivitäten stieg der Umsatz im verbliebenen Geschäft von 13,2 Millionen Euro im Jahr 2006 um 31,1 Prozent auf 17,3 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss wurde positiv von dem bestehenden Verlustvortrag sowie dem leicht positiven Finanzergebnis beeinflusst. Das Betriebsergebnis betrug nichtsdestoweniger immerhin 193.000 Euro nach einem Minus von 881.000 Euro im Vorjahr.
Wieder auf Wachstumskurs
Auch im ersten Quartal konnte Plenum schwarze Zahlen schreiben. Der Umsatz stieg um 21,4 Prozent auf 4,6 Millionen Euro. Gleichzeitig konnte mit einem Betriebsergebnis von 220.000 Euro nach einem Minus von 350.000 Euro im Vorjahr eine Marge von 4,7 Prozent erzielt werden. Die gleichen Faktoren wie 2007 sorgten für einen Periodenüberschuss von 240.000 Euro.
Der Vorstand sieht im Kerngeschäft der Management-Beratung starkes Ertrags- und Wachstumspotential und verweist auf einen deutlichen Anstieg des Auftragsbestandes zum 31.März auf 5,8 Millionen Euro nach 5,0 Millionen Euro zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Stolz ist man vor allem auf einen Großauftrag der nationalen Krankenversicherung von Abu Dhabi zur Begleitung der Umsetzung der mit Plenum entwickelten E-Business-Strategie. Dieser Auftrag zähle zu den größten aktuellen Beratungsmandaten und reiche bis in das Jahr 2009.
Der Vorstand geht im fortgeführten Geschäft von einem Wachstum von 15 bis 20 Prozent aus und damit von einem Umsatz von rund 20 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis von rund 1,2 Millionen Euro. Man hätte damit wieder das Umsatzniveau von 1998 erreicht, wenngleich die Profitabilität noch nicht das gleiche Niveau erreicht hätte.
Auch in den Folgejahren geht das Unternehmen will man auf organischer Basis mit der gleichen Geschwindigkeit wachsen und die betriebliche Marge schrittweise auf rund 12 Prozent steigern.
Noch Bewertungsspielräume
Geht man von einem Jahresüberschuss in der gleichen Höhe wie das prognostizierte Betriebsergebnis aus, wie es auch Analysten im Schnitt tun, so hat die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,8 derzeit bereits viel von ihrem ursprünglichen Bewertungsspielraum wett gemacht, das sich mit Blick auf 2009 deutlich reduzieren könnte, gehen die Prognosen des Vorstands in Erfüllung. Analysten rechnen dabei im Schnitt mit einem KGV von 7,4.
Bei 1,20 Euro stößt die Chartnotierung auf einen ersten Widerstand. Dieser könnte noch überwunden werden, weniger gut scheinen die Aussichten für den sehr viel härteren Widerstand bei 1,50 Euro, an dem die Aktie bereits Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 15 bzw. 9,4 erreicht hätte.
Insofern scheint die Aktie zunächst noch ein gewisses Potential ausschöpfen zu können. Früher oder später dürfte sie aber an ihre Grenzen stoßen, allzumal angesichts der geringen Umsatzgröße Rückschläge nie ganz auszuschließen sind.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho/pwe
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,09 | +1,95 |
| METRO AG STAMMAKTIEN | +0,28 | +0,71 |
| TUI AG NAMENS - AKTI | +0,07 | +0,49 |
| CONTINENTAL AG INHAB | -3,22 | -5,13 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,65 | -4,80 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,85 | -4,34 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.272,21 | -1,28 |
| TecDax | 734,26 | -0,60 |
| DowJones | 11.288,54 | +0,65 |
| Nasdaq | 2.245,38 | -0,27 |
| STOXX 50 | 3.275,20 | -1,67 |
| Nikkei 225 | 13.237,89 | -0,21 |
| S&P 500 Zert. | 12,61 | +0,08 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,07 |
| Bund Future | 111,54 | +0,36 |
| Gold | 932,00 | +0,00 |
| Öl | 145,16 | +0,10 |
