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IBM und Wipro - Dollargewinner gegen Dollarverlierer

18. Januar 2008 Mit nachbörslichen Kursgewinnen von bis zu fünf Prozent reagierte am Donnerstag die Aktie des amerikanischen IT-Dienstleistungsunternehmens IBM nachträglich auf die Geschäftszahlen für das vergangene Geschäftsjahr, vor allem jedoch auf den Ausblick auf das gerade begonnene Fiskaljahr.

Bereits am Montag hatte IBM erste Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2007 vorgelegt. Das verwässertes Ergebnis je Aktie aus dem fortgeführten Geschäft steigerte IBM im Schlussquartal um 24 Prozent auf 2,80 (Vorjahr: 2,26) Dollar. Der Umsatz betrug im Berichtszeitraum 28,9 Milliarden Dollar, womit die Erlöse 10 Prozent über dem Vorjahreszeitraum lagen. Im Gesamtjahr hatte der Gewinn je Aktie um 18 Prozent auf 7,14 Dollar zugelegt, bei einem Umsatzwachstum von acht Prozent auf 98,8 Milliarden Dollar.

IBM profitiert vom starken internationalen Geschäft

Für das laufende Jahr prognostiziert das Unternehmen einen kräftigen Umsatz- und Gewinnanstieg. Der Umsatz solle im laufenden Geschäftsjahr um 15 Prozent bis 16 Prozent wachsen und das Ergebnis je Aktie mindestens 8,30 Dollar erreichen, teilte der IT-Konzern am späten Donnerstag mit. Damit liegt die Gewinnprognose über den bisherigen Erwartungen der Wall-Street-Analysten. Die von Thomson Financial befragten Experten hatten im Mittel mit einem Gewinn von 7,94 Dollar je Aktie im kommenden Jahr gerechnet.

Optimisten dürften die IBM-Prognose geht vor dem Hintergrund zunehmender Sorgen um die Entwicklung der amerikanische Wirtschaft positiv interpretieren wollen. Allerdings dürfte das Unternehmen eher auf sein internationales Geschäft bauen, als auf die Konjunktur im amerikanischen Binnenmarkt.. IBM generiert 65 Prozent des Umsatzes außerhalb der Vereinigten Staaten. Und diese führen aufgrund des schwachen Dollars beziehungsweise wegen der starken internationalen Währungen alleine schon umrechnungstechnisch zu steigenden Erlösen und Gewinnen in Dollar. Aus diesem Grund dürfte die Prognose des Unternehmens weder überraschen, noch sollte man sie mit Blick auf die amerikanische Konjunktur überbewerten.

Grundsätzlich verleiht die Konstellation der Aktie des Unternehmens gewisse Reize, zumal sie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 12,8 und knapp elf auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr vernünftig bewertet zu sein scheint. Charttechnisch ist sie in den vergangenen Wochen zwar durch den mittelfristigen Aufwärtstrend gefallen, allerdings dürfte sie aufgrund des robusten Geschäftsmodells bald fangen können.

Für Wipro wird der hohe Umsatz in Amerika aufgrund des schwachen Dollars zur Last

Gerade das Gegenteil dürfte für die indischen Konkurrenzunternehmen Wipro, Infosys, Satyuam, Tata Comsulting und andere der Branche gelten. Hatten sie in den vergangenen Jahren prosperieren und aufgrund ihrer Wettbewerbsvorteile in Form tiefer Lohnkosten und einer relativ schwachen Währung Marktanteile gewinnen können, so geraten sie nun zunehmend in den Gegenwind des schwachen Dollars und steigender Lohnkosten, der eine starke Amerikalastigkeit zur Bürde machen kann.

Das Problem wird am Beispiel Wipros deutlich: Das Unternehmen konnte den Umsatz im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bis Ende Dezember den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode zwar um 32 Prozent auf 52,36 Milliarden indische Rupien steigern, der Nettogewinn dagegen legte nur elf Prozent auf 8,26 Milliarden Rupien zu. Das ist nicht das schwächste Gewinnwachstum seit drei Jahren, sondern es liegt auch unter den hohen Erwartungen des Marktes. Der Grund für die Entwicklung läßt sich leicht ausmachen: der schwache Dollar gegen die Rupie.

Wipro erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 60 Prozent seiner Erlöse in Amerika, 29 Prozent in Europa, drei Prozent in Japan sowie acht Prozent in Indien und dem Rest der Welt. Damit ist das Unternehmen faktisch eher ein amerikanisches, denn ein indisches. Allerdings birgt diese Konstellation Risiken. Erstens liegen sie in der konjunkturellen Abschwächung in den Vereinigten Staaten, die länger dauern und deutlicher ausfallen könnte, als man sich das bisher gemeinhin vorstellt. Zum anderen schlägt der schwache amerikanische Dollar voll auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung durch. Drittens werden die indischen Unternehmen der Branche schon seit längerem mit deutlich steigenden Lohnkosten konfrontiert. Viertens stellen internationale Unternehmen wie IBM ihre Kostenstruktur im Rahmen der Internationalisierung auf die Konkurrenz ein.

Aus diesen Gründen dürfte es kaum verwundern, dass die Aktien der indischen Unternehmen der Branche in den vergangenen Monaten deutlich in die Defensive geraten sind. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 20 und 16 scheinen die Papiere von Wipro angesichts der Entwicklung im Markt immer noch vergleichsweise ambitioniert bewertet zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Wipro

 
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