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Google steigt mit kräftigem Kursgewinn an der Nasdaq ein

20. August 2004 Nach Tagen des Gezerres um den Börsengang von Google hat die Aktie der Internetsuchmaschine einen guten Start an der Technologiebörse Nasdaq hingelegt: Der Titel verzeichnete einen kräftigen Kursgewinn. Doch passend zu dem Wirrwarr an den Vortagen verlief auch der Auftakt an der Nasdaq widersprüchlich.

Die Aktie stieg mit einem Kurs von 100,01 Dollar ein. Die Aktie war zu einem Emissionspreis von 85 Dollar ausgegeben worden, nachdem Google seine Preisvorstellungen erheblich zurückgeschraubt hatte. Im frühen Handel zogen Google zwischenzeitlich auf 103,42 Dollar davon, 12,7 Millionen Aktien wechselten den Besitzer. Fondsmanager erklärten sich das Kursplus von rund 22 Prozent mit dem Einstieg von institutionellen Investoren, die sich zunächst zurück gehalten hätten. Bis zum Ende des ersten Handelstages stieg der Preis für die Google-Aktie auf 100,34 Dollar, was einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis entspricht.

Eigentlich war eine Preisspanne von 108 Dollar bis 135 Dollar angestrebt worden. Aufgrund eines geringen Interesses unter Anlegern während des gewählten Auktionsverfahrens hatte Google die Spanne auf 85 Dollar bis 95 Dollar gesenkt. Außerdem hatten sich die bisherigen Aktienbesitzer entschieden, deutlich weniger Anteilsscheine als zuerst geplant zu verkaufen. Dies galt auch für die beiden Gründer des Unternehmens, Segey Brin und Larry Page. Dies Zahl der auszugebenden Aktien wurde insgesamt von 25,7 Millionen auf 19,6 Millionen verringert.

Verwirrung kurz vor Handelsstart

Neue Verwirrung gab es um den Handelsstart. Nach Nasdaq-Angaben gab es zwei Transaktionen mit Google-Aktien, die nicht hätten laufen dürfen. Dies hatte bereits vor dem offiziellen Marktdebüt zu einem Kurs von 135,91 Dollar geführt. Die Nasdaq hatte für diesen Handel allerdings noch kein grünes Licht gegeben.

Larry Page hatte am Nachmittag den Handel mit der Google-Aktie symbolisch freigegeben. Der Börsengang ist 1,67 Milliarden Dollar schwer und damit der viertgrößte in Amerika in diesem Jahr. Google hatte ursprünglich erhofft, bis zu 3,4 Milliarden Dollar zu erlösen.

Weiter Kritik am Ausgabepreis - „Erinnert an Internetblase“

Derweil machte sich unter Anlegern weiter Kritik an den Preisvorstellungen von Google breit. Dave Gold, ein Wirtschaftsprüfer aus Philadelphia, wird von Bloomberg mit den Worten zitiert: „Ich bin ein staatlich vereidigter Wirtschaftsprüfer und ich kann mich nicht vorstellen, wie Google zu diesem Ausgabepreis gekommen ist. Das erinnert mich an die Internetblase aus dem Jahr 2000. Das ergab für mich keinen Sinn, und das tut es auch weiterhin nicht.“ Auch für 85 Dollar habe er das Papier nicht gekauft.

Kevin Bressner, Analyst von J.P. Morgan Fleming Asset Management, meinte laut Bloomberg gar, er würde die Google-Aktie auch zum Preis von 20 Dollar nicht erwerben. Dazu ist aber anzumerken, daß Google mit der Entscheidung, den Börsengang über eine Auktion abzuwickeln, viele Investmentbanken verärgert hat. Diese sahen sich ausgebootet und um millionenschwere Provisionszahlungen gebracht. So hatten sich Investmentbanken auch beim Bieten zurückgehalten.

„Hervorragende Bewertung"

Trotz der enttäuschten Erwartungen handelt es sich keinesfalls um einen kleinen Börsengang. Google rangiert auf der Liste der größten amerikanischen Börsengänge auf Platz 25. Mit einem Ausgabepreis von 85 Dollar je Anteilschein nimmt Google insgesamt 1,66 Milliarden Dollar Eigenkapital auf. Der gesamte Börsenwert von Google beläuft sich auf 23 Milliarden Dollar.

Damit ist das vor sechs Jahren von den damaligen Studenten Larry Page und Sergey Brin in einer Garage gegründete Unternehmen etwa so viel wert wie der größte amerikanische Autohersteller General Motors. „Ich glaube, daß das Unternehmen letztlich auf das richtige Preisniveau heruntergekommen ist", sagte Investmentbanker Sanford Robertson vom kalifornischen Wertpapierhaus Francisco Partners. Es sei aber immer noch eine "hervorragende Bewertung" für Google. „Selbst ein Ausgabepreis von 85 Dollar je Aktie ist ein bemerkenswerter Erfolg für Google. Google wird damit 1,7 Milliarden Dollar Eigenkapital aufnehmen, was ein riesiger Gewinn für ein Unternehmen ist, das vor sechs Jahren noch gar nicht existiert hat", erklärte Michael Moe, Vorstandschef der Investmentbank Think Equity Partners aus San Francisco.

Katalysator für einen nachhaltigen Aufschwung?

Dennoch waren die Gründer von Google mit noch höheren Ansprüchen angetreten. An der Wall Street hatte das Unternehmen für nervöse Spannung gesorgt, seit Ende des vergangenen Jahres die ersten Gerüchte über Börsenpläne die Runde machten. Vier Jahre nach dem Platzen der Spekulationsblase bei Internetaktien schürte das die Hoffnung, daß Google zum Katalysator für einen nachhaltigen Aufschwung von Technologiewerten werden könnte. Bisher ging von dem Internetunternehmen aber kein positiver Impuls für die Branche aus.

Der technologielastige Index der Nasdaq ist seit Anfang des Jahres um knapp 9 Prozent gefallen. Vor diesem Hintergrund schwächelt auch der Markt für Börsengänge, was den Zeitpunkt für den Google-Börsengang denkbar ungünstig machte.

Wenig erprobtes Auktionsverfahren

Google wollte zudem die Art und Weise verändern, wie Börsengänge an der Wall Street gehandhabt werden. Daher wählte das Unternehmen ein wenig erprobtes Auktionsverfahren, um Privatanleger stärker zu beteiligen. Traditionell setzen Investmentbanken den Preis fest und plazieren die Aktien bei großen institutionellen Anlegern. Mit der Auktion reduzierte Google die Rolle und den Ertrag der Investmentbanken, die bei traditionellen Börsengängen normalerweise hohe Gebühren einnehmen.

Allerdings verwirrte das zeitweise von logistischen Problemen geplagte Auktionsverfahren die Anleger, die sich zudem über die hohe Preisspanne mokierten. Weitere Fehltritte von Google sorgten in den vergangenen Wochen für Verunsicherung der Anleger und einen drastischen Stimmungsumschwung. So hatte Google eingestanden, Aktien und Aktienoptionen an Mitarbeiter ausgegeben zu haben, ohne dies der Wertpapieraufsicht zu melden. Möglicherweise drohen deswegen juristische Auseinandersetzungen.

In der vergangenen Woche hatte dann ein im Magazin "Playboy" veröffentlichtes Interview mit den Google-Gründern für Aufsehen gesorgt. Für Börsenkandidaten gilt grundsätzlich eine Schweigefrist.



Text: @thwi mit Bloomberg/Reuters; nks.
Bildmaterial: AP, dpa

 
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INFINEON TECHNOLOGIE +0,06 +1,63
COMMERZBANK AG INHAB -1,40 -11,76
SAP AG INHABER - AKT -3,17 -10,97
DEUTSCHE BANK AG NAM -4,36 -9,11
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TecDax 589,97 -2,35
DowJones 9.955,50 -3,58
Nasdaq 1.862,96 -4,34
STOXX 50 2.881,46 +0,32
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,47 -2,06
Euro/Dollar 1,36 +0,45
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