S&P-Aktie der Woche

Nokia-Aktie erscheint günstig bewertet

Von Ari Bensinger, Analyst bei S&P MarketScope

07. Januar 2003 Nokia mit Sitz in Finnland ist seit Beginn der Mobilfunkrevolution der marktbeherrschende Handy-Anbieter. Der Marktanteil des Unternehmens ist mehr als doppelt so hoch wie der des nächstfolgenden Wettbewerbers.

Während des abgelaufenen Jahres hat Nokia seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich in einer herausfordernden Marktumgebung zu behaupten, indem es durch seine wichtigsten Stärken wie die Erzielung von Skaleneffekten und Effizienzsteigerungen eine ansehnliche Rentabilität erreicht hat. Wir halten Nokia für Anleger, die in den sich ausbauenden Handy-Markt investieren wollen, für ein Muss. Daher halten wir die Nokia-Aktie für einen klaren Kauf.

Branche auf Erholungskurs

Der Handy-Markt ist, gemessen in verkauften Einheiten, nach allgemeiner Einschätzung derzeit der weltweit größte Markt der Konsumentenelektronikbranche. 2002 wurden rund 400 Millionen Geräte verkauft. Nachdem der Handy-Markt im Jahr 2001 seinen ersten Rückgang bei den Verkaufszahlen verbuchen musste, hat er sich 2002 mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von fünf Prozent wieder erholt. Alles in allem rechnen wir damit, dass der Handy-Markt ein solides langfristiges Branchenwachstum zwischen zehn und 15 Prozent verzeichnen wird.

Neue Technologien verkürzen Ersatzzyklus

Nachdem das Wachstum durch neue Handyvertragskunden abzuflauen beginnt, sind nunmehr Ersatzkäufe der Motor für das Branchenwachstum. Im Durchschnitt rüsten etwas mehr als ein Viertel der weltweiten Handyvertragskunden jährlich ihr Mobiltelefon auf. Dies indiziert einen Ersatzzyklus von etwa 2,5 Jahren. Blickt man in die Zukunft, so dürfte die Markteinführung von datenfähigen Mobiltelefonen mit Multimedia-Messaging-Funktion und Farbdisplay den Ersatzzyklus deutlich verkürzen.

In der Zwischenzeit wird sich der europäische Markt wahrscheinlich zur entscheidenden Wachstumsregion für den Umsatz durch Ersatzkäufe entwickeln. Mit einem beherrschenden Anteil von 50 Prozent am europäischen Markt ist Nokia bestens positioniert, um von den technologischen Entwicklungen hin zur nächsten Handy-Generation zu profitieren.

Schlagkräftiges Markenimage und neuartige Features

In einem Markt, in dem Telefone zunehmend zum Gebrauchsgegenstand werden, hat sich Nokia ein schlagkräftiges Markenimage aufgebaut. Das Unternehmen ist zum Maßstab für Designtrends im Handygeschäft geworden. In erster Linie ist das auf Nokias Philosophie zurückzuführen, dass ein Mobiltelefon eher ein modisches Accessoire als ein reines Kommunikationsmittel darstellt. Dementsprechend hat Nokia ein facettenreiches Entwicklungsteam zusammengestellt, um den Markt zu segmentieren und spezifische demografische Zielgruppen anzusprechen.

Standard & Poor's ist der Überzeugung, dass das Jahr 2003 den Beginn eines neuen Produktzyklus in Richtung der nächsten Handy-Generation markiert. Nokia plant, Anfang des Jahres eine Fülle von neuen Modellen mit der Betonung auf neuartigen Features wie Farbdisplays und Multimedia-Messaging (MMS) auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen rechnet damit, dass im Jahr 2003 über die Hälfte seiner Mobiltelefone MMS-fähig sein werden.

Skaleneffekte sorgen für steigende Margen

Mit einem Anteil am weltweiten Handy-Markt von knapp 40 Prozent produziert Nokia 560.000 Einheiten pro Arbeitstag. Der Marktanteil des Unternehmens ist größer, als der der drei nachfolgenden Wettbewerber zusammen. Dieses immense Produktionsvolumen führt zu Skaleneffekten und schafft dabei substantielle Ressourcen für den Bereich Forschung & Entwicklung (F&E). Zudem ist es Nokia gelungen, große internationale Vertriebskanäle und Beziehungen zu allen großen Telefongesellschaften aufzubauen.

Das Unternehmen konnte auch einen erbitterten Preiskampf überstehen. Die Betriebsmarge für die Herstellung von Mobiltelefonen hat sich im dritten Quartal 2002 auf 22 Prozent erhöht. Zum Vergleich: Beim stärksten Wettbewerber Motorola betrug die entsprechende Marge nur neun Prozent. Im Gegensatz dazu werden Handy-Hersteller, die keine für Skaleneffekte ausreichende Menge produzieren, Schwierigkeiten haben, überhaupt Gewinne zu erwirtschaften. Tatsächlich versuchen derzeit kleinere Hersteller von Mobiltelefonen wie Philips Elektronics oder Alcatel, aus dem Handy-Geschäft auszusteigen.

Starke Bilanz und hohe Qualität der Gewinne

Mit einem 2003er KGV von ungefähr 20 (basierend auf unserer US-Gewinnschätzung je Aktie in Höhe von 0,81 Dollar) wird die Aktie derzeit fast auf ihrem niedrigsten KGV-Niveau der vergangenen fünf Jahre gehandelt. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (basierend auf unserer Umsatzschätzung für 2003) liegt bei knapp unter 2,6, und damit über dem Branchendurchschnitt. Dieser Aufschlag ist unserer Ansicht nach berechtigt, insbesondere wenn man bedenkt, dass Nokia über die höchsten Gewinnmargen der Branche verfügt, die rund dreimal so hoch ausfallen, wie der Margendurchschnitt der Wettbewerber.

Auf Basis der S&P-Kerngewinn-Berechnung erachten wir die Qualität der Gewinne bei Nokia als hoch. Die aktienbezogenen Vergütungen hätten den operativen Gewinn je Aktie 2001 lediglich um 17 Prozent vermindert, im Vergleich zu den von uns beobachteten Kommunikationsausrüstern, die eine durchschnittliche Reduzierung um 45 Prozent aufweisen. Die Pensionsausgaben 2001 waren unerheblich. Die Bilanz Nokias ist mit über acht Milliarden Euro in bar und in liquiden Wertpapieren stark. Das Unternehmen hat nur eine minimale langfristige Verschuldung. Die hohen Margen führen zu einem starke Cashflow von durchschnittlich einer Milliarde Euro pro Quartal.

Aktie derzeit unterbewertet

Unter der Annahme gewichteter durchschnittlicher Kapitalkosten in Höhe von 12,4 Prozent und eines hohen, aber zurückgehenden Wachstums des freien Cashflows, ermittelt das Discounted-Cash-Flow-Modell von Standard & Poor's einen Substanzwert der Nokia-Aktie von ungefähr 20 Dollar. In Anbetracht der führenden Marktposition, der Generierung eines starken Cashflows und einer relativ niedrigen Bewertung denken wir, dass die Aktie unser Zwölf-Monats-Kursziel von 19 Dollar erreichen kann. Das bietet ein Kurspotenzial von etwas mehr als 15 Prozent.


Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Nokia-Aktie in den vergangenen fünf Jahren



Text: @cri
Bildmaterial: dpa

 
NamePunkteProzent
Dax 6.422,30 +0,03
TecDax 827,16 +0,24
DowJones 11.617,40 -0,83
Nasdaq 2.375,20 -1,51
STOXX 50 3.365,63 +0,18
Nikkei 225 13.072,87 +2,39
S&P 500 Zert. 12,95 +1,17
Euro/Dollar 1,47 -0,35
Bund Future 114,11 -0,17
Gold 830,05 -0,37
Öl 114,45 -1,55
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