05. August 2005 Autoreifen scheinen derzeit kein schlechtes Geschäft zu sein. Nachdem der deutsche Hersteller Continental am Mittwoch mit guten Ergebnissen aufwartetet, zog am Donnerstag Abend der amerikanische Konkurrent Goodyear Goodyear Tire & Rubber nach.
Das Unternehmen konnte im zweiten Quartal den Nettogewinn auf 0,34 Dollar je Aktie verdoppeln und hat damit die Erwartung der Analysten übertroffen. Allerdings seien im Vorjahr Sonderbelastungen von 0,15 Dollar je Aktie enthalten gewesen. Diese miteinbezogen, beträgt der Gewinnanstieg nur moderate 6,25 Prozent. Indes hatten die Analysten im Mittel für das zweite Quartal mit einem Ergebnis von lediglich 0,22 Dollar je Anteilsschein gerechnet.
Wende nachhaltig gelungen
Der Umsatz sei unter anderem dank eines besseren Produktmix' um 10,5 Prozent von 4,52 Milliarden Dollar auf 4,99 Milliarden gestiegen. Die Konsensprognose der Analysten lautet für 2005 auf einen Gewinn von 1,10 Dollar je Aktie verglichen mit 0,63 Dollar im Vorjahr. Der Reifenabsatz nahm im zweiten Quartal auf 56,4 (55,0) Mio Stück zu. Besonders gut entwicklte sich das Geschäft in Lateinamerika sowie im asiatisch-pazifischen Raum mit Zuwachsraten beim Absatz von 15 bzw 8,5 Prozent.
Goodyear unterstreicht damit eindrucksvoll, daß dem Unternehmen die Ertragswende nachhaltig gelungen ist. In den Jahren 2002 bis 2003 hatte der Konzern hohe Verluste bei tendenziell stagnierenden Umsätzen verbuchen müssen. Auch im ersten und vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres gab es noch ein leichtes Minus. Die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres waren indes auf der Gewinnseite die stärksten seit dem zweiten Quartal des Jahres 2000.
Goodyear ist im Unterschied zu Michelin, vor allem aber zu Continental praktisch ein reiner Reifenhersteller. 84,3 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2004 stammen aus der Reifenproduktion, jeweils rund acht Prozent stammten aus dem Verkauf von Industrieprodukten wie Hydraulik und Kraftübertragung bzw. chemische Produkte wie synthetische Polymere und Harze. Michelin dagegen setzt nur rund 70 Prozent mit Reifen um, Continental sogar nur 44 Prozent und fast ebenso viel mit Bremssystemen.
Entlastung auf der Rohstoffseite könnte bevorstehen
Die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise wurden im Berichtsquartal durch Produktpreiserhöhungen sowie den vermehrten Verkauf hochpreisiger Reifen ausgeglichen.Zuletzt hatte das Unternehmen seine Abnehmer am Dienstag darüber informiert, daß es die Preise für Pkw- Reifen im kommenden Monat um fünf bis acht Prozent anheben werde. So konnte in Nordamerika trotz eines Absatzrückgangs von 1,6 Prozent der Umsatz um 5,8 Prozent gesteigert werden.
Insgesamt dürften die Rohstoffkosten 2005 um zehn Prozent steigen, sagte Goodyear-Chef Robert J. Keegan. Für das zweite Halbjahr stellte Goodyear ein langsameres Gewinnwachstum als in den ersten sechs Monaten in Aussicht, auch wenn die operative Entwicklung über der des Vorjahres liegen soll.
Zu Hilfe kommen könnte Goodyear aber die derzeitige Entwicklung auf dem Markt für Kautschuk. Am Freitag fielen die Futures im asiatischen Handel um 4,5 Prozent, da der Markt derzeit auf eine geringeren Nachfrageüberhang spekuliert. Hintergrund ist die Tatsache, daß der weltgrößte Kautschukproduzent Thailand in Reaktion auf die Preisentwicklung die Produktion ausweitet. Im Juni stieg die Produktion in Thailand gegenüber dem Vorjahr um 8,1 Prozent. Analysten rechnen mit einem weiteren Preisverfall um 15 Prozent in der kommenden Woche.
Der Kilopreis ist in diesem Jahr um 47 Prozent geklettert und notierte am 26. Juli auf einem 16-Jahres-Hoch, getrieben von einer immensen chinesischen Nachfrage, die im Reich der Mitte zu einem Schrumpfen der Lagerbestände um 91 Prozent geführt hatte.
Bewertung stark fortgeschritten
Unter diesem Gesichtspunkt könnten die Ergebnisse bei Goodyear auch noch ein wenig besser ausfallen. Nachdem die Aktie des Reifenherstellers am Donnerstag nachbörslich sieben Prozent auf 18,70 Dollar zulegte, ist die Aktie für das laufende Geschäftsjahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und für 2006 mit rund 14 bewertet. Das ist eine deutlich höhere Bewertung als sie Continental und Michelin aufweisen.
Nichts einzuwenden ist gegen die charttechnische Entwicklung. Seit Anfang 2003 läuft das Papier nunmehr nach oben und hat erst vor wenigen Tagen ein neues Drei-Jahres-Hoch aufgestellt. Gut möglich, daß dieses nach der gestrigen positiven Reaktion nach Börsenschluß heute noch einmal überboten wird. Langfristig droht die Aktie aber verstärkt ihrer Bewertung nachzulaufen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: Goodyear