09. Januar 2007 Für 18,88 Yuan angeboten, den ersten Handelstag in Schanghai bei 38,89 Yuan beendet - ein Plus von mehr als 100 Prozent also. Das spricht doch sehr für eine Blase, zumindest am Aktienmarkt Schanghai. Zu viel Nachfrage trifft offensichtlich auf zu wenig Angebot.
China Life ist der größte Versicherer der Volksrepublik und der erste, dessen Aktien in der Heimat an der Börse notiert wurden. Investoren fragten fast 50 Mal so viele Anteilsscheine nach, wie angeboten wurden.
Mehr wert als Allianz oder Axa
Aktien des Unternehmens waren seit 2003 schon in Hongkong und New York handelbar. Die Neuemission in Schanghai brachte dem Unternehmen nach Abzug von Gebühren umgerechnet 2,74 Milliarden Euro ein.
Insgesamt kommt China Life nun auf eine Marktkapitalisierung von 129 Milliarden Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als ING, Allianz oder Axa. Nur der Versicherer AIG aus den Vereinigten Staaten ist noch größer.
Der Markt wird mit Geld geradezu überschwemmt
Für die Analysten von Credit Suisse ist China Life der teuerste Versicherungstitel der Welt. Tatsächlich: Bloomberg zufolge handelt die China-Life-Aktie mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 7,7. AIG dagegen kommt nur auf ein Verhältnis von 1,9. Für ING ist das 2,1-fache, für Allianz bloß das 1,5-fache des Buchwertes zu zahlen.
In China achten die Leute nicht so sehr auf den Preis, zitiert Bloomberg Khiem Do von Baring Asset Management. Schließlich werde der Markt mit Geld geradezu überschwemmt. Im vergangenen Jahr hatte der Shanghai Composite Index 135 Prozent zugelegt. China-Fonds waren die großen Gewinner und machten in Fondsranglisten die ersten Plätze unter sich aus (siehe auch: China-Fonds sind die Spitzenreiter).
Der zweite Versicherer in den Startlöchern
China Life ist also kein Einzelfall, der chinesische Aktienmarkt boomt. So erlebten 2006 schon staatliche Großbanken wie Bank of China und Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) fulminante Börsengänge. Nun wollen die chinesischen Versicherungsunternehmen dem Beispiel folgen. Nach China Life Insurance bereitet auch der zweitgrößte Versicherer der Volksrepublik, Ping An Insurance, sein Festlandsdebüt vor.
Die ICBC setzte im Oktober einen weltweiten Rekord für Börsengänge mit einem Volumen von knapp 22 Milliarden Dollar (siehe auch: ICBC: Größter Börsengang der Welt ist ein voller Erfolg). Inzwischen ist das Institut noch vor HSBC die größte nicht-amerikanische Bank nach Marktkapitalisierung.
Skepsis in Hongkong
China Life ist ohne Frage ein Versicherer mit großen Chancen auf einem spannenden Markt. Die Chinesen haben bei Lebensversicherungen einen gigantischen Nachholbedarf - und bald auch das Geld, sich diese leisten zu können, so die Wette.
Doch eine derart hohe Bewertung der Aktie rechtfertigt das nicht. Das meinen auch die Investoren in Hongkong. Während der Titel in Schanghai mehr als 100 Prozent an Wert gewann, verlor er in Hongkong über vier Prozent.
Aktie heruntergestuft
In Hongkong kosten die Aktien nun umgerechnet nur halb so viel wie in Schanghai. Wie passt das zusammen? Analysten interpretierten den Kursrückgang in Hongkong als Hinweis darauf, dass einige Anleger wohl nicht mit einem Verharren des Kurses in Schanghai auf dem hohen Niveau rechneten.
JP Morgan stufte die China-Life-Aktie vor einigen Tagen sogar von overweight auf underweight herunter. Der Grund: Die Titel waren zu stark gestiegen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hatte sich der Kurs mehr als verdreifacht.
Zum Einsteigen zu spät, zum Aussteigen zu früh?
Chinas Aktienmarkt ist überhitzt und schreit nach einer Korrektur. Die Frage ist nur, wann diese kommt. Derzeit scheint es für einen Einstieg eindeutig zu spät zu sein - die Kursreaktion von China Life zeugt von ungesunden Exzessen.
Wer dagegen schon über Fonds oder Zertifikate in Yuan-Aktien investiert ist, sollte zwei Punkte bedenken: Wenn er jetzt aussteigt, könnte er weitere Gewinne verpassen, schließlich wird der Markt wahrscheinlich nicht morgen schon zusammenbrechen. Wenn er die Wertpapiere aber behält, besteht die Gefahr, dass er seine Anteilsscheine im Fall der Fälle nicht schnell genug wieder verkaufen kann. Er darf den Markt auf keinen Fall aus den Augen verlieren, um rechtzeitig reagieren zu können.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET, REUTERS