27. Oktober 2003 Während die deutsche Bankenlandschaft trotz ihrer Ineffizienz wie in Stein gemeißelt zu sein scheint, kam und kommt es in Amerika immer wieder zu Bewegungen. So überraschte die Bank of America über das Wochenende mit dem bisher größten Übernahmeangebot aller Zeiten der Branche an den kleineren Konkurrenten FleetBoston Financial im Gegenwert von knapp 47 Milliarden Dollar.
FleetBoston-Aktionäre erhielten 0,5553 Bank-of-America-Aktien für jedes ihrer Papiere. Auf Basis des Schlußkurses vom Freitag war die Bank of America damit bereit, 45,46 Dollar und einen Aufschlag von mehr als 41 Prozent auf die Aktie von FleetBoston zu zahlen. Und das ist viel. Das zeigt sich nicht nur an der Kursreaktion im frühen Handel. Dort legt die Aktie von FleetBoston 23,8 Prozent zu auf 39,35 Dollar, während die Aktie der Bank of America um etwa zehn Prozent auf 73,70 Dollar nachgibt.
Voller Preis für FleetBoston
Analysten halten den von der Bank of America gebotenen Preis für relativ hoch. Der aktuelle Kurs führt auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,3. Das Ziel scheint darin zu bestehen, anderen denkbaren Geboten von Anfang an den Wind aus dem Segel zu nehmen. Sollte der Aktienkurs der Bank of America nicht völlig zusammenbrechen, dürfte kaum jemand ein besseres Angebot vorlegen, denkt Fondsmanager Andrea Perroni von der Banca Intesa.
Experten halten es für möglich, daß diese Transaktion der Beginn einer neuen Welle von Fusionen und Übernahmen sein könnte. Denn Branchengrößen wie die Citigroup. J.P. Morgan oder auch Wells Fargo hatten in jüngster Zeit angedeutet, ihre Kundenreichweite ausdehnen zu wollen. Die Phantasie reichte in diesem Zusammenhang sogar bis nach Europa, wo etwa in Deutschland die Aktien von der Commerz- und der HypoVereinsbank in jüngster Zeit deutliche Kursgewinne verbuchen konnten. Denn sie gelten als mögliche Übernahmekandidaten.
Bank of America selbst durch Fusion entstanden
Bank of America in der jetzigen Form war im Jahr 1998 selbst durch die Fusion in Form eines Aktientauschs zwischen der Nationsbank mit der BankAmerica Corp. entstanden. Die Transaktion hatte damals ein Volumen von 57 Milliarden Dollar. Gemessen am Aktienkurs war die Fusion zunächst nicht sonderlich erfolgreich. Denn von einem Hoch bei 88,43 Dollar im Jahr 1998 halbierte sich das Papier bis Ende des Jahres 2000 auf gerade noch 36,31 Dollar. Danach konnte es allerdings trotz der anhaltenden Baisse eine Aufwärtstrend etablieren und wieder bis auf 84,90 in der Spitze zulegen. Dafür war unter anderem der im Jahr 2001 ans Ruder gekommene Lewis mit verantwortlich. Er baute Stellen ab und verminderte die Risiken im Kreditportfolio.
Bank of America geht davon aus, unter Lewis' Führung die Transaktion im zweiten Quartal des Jahres 2004 abschließen zu können. Das Unternehmen geht von deutlichen Kostenvorteilen im Wert von 1,1 Milliarden Dollar aus, von Synergieeffekten in Höhe von 195 Millionen Dollar pro Jahr und will - trotz jährlicher Abschreibungen in Höhe von 330 Millionen Dollar auf immaterielle Güter - im Jahr 2005 einen Gewinn je Aktie von 7,97 Dollar je Aktie erzielen. Auf dieser Basis läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei günstigen 9,3.
Da jedoch solche Geschäfte immer mit gewissen Risiken behaftet sind und zu Arbitrageaktivitäten führen, dürfte es für Anleger sicherer sein, kurzfristig auf die Aktie von FleetBoston zu setzen. Längerfristig kann er zunächst beobachten, ob die Fusion erfolgreich wird und sich dann mit der Aktie des fusionierten Unternehmens noch einmal beschäftigen. Denn bei aller Euphorie - es gibt es auch makroökonomische Risiken. Und die könnten den Finanzwerten im Form steigender Zinsen einen Strich durch die Rechnung machen.
Die Charts zeigen die Entwicklung der Aktien der Bank of America (oben) und FleetBoston auf Sicht von drei Jahren.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,39 € | +6,95% |
| Dt. Boerse | 57,85 € | +2,94% |
| Adidas | 35,88 € | +2,34% |
| ThyssenKrupp | 23,70 € | +2,02% |
| SAP | 32,01 € | +1,89% |
| Allianz | 82,85 € | −0,16% |
| Henkel Vz | 32,25 € | −0,46% |
| FMC | 35,36 € | −0,87% |
| Lufthansa | 11,02 € | −0,99% |
| K+S | 37,85 € | −1,94% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.668,35 | +0,98% |
| TecDAX | 760,46 | +1,02% |
| MDAX | 7.282,47 | +1,34% |
| SDAX | 3.484,15 | −0,02% |
| REX | 373,56 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.881,01 | +0,86% |
| Dow Jones | 10.291,30 | +0,43% |
| Nasdaq 100 | 1.782,95 | +0,55% |
| S&P500 | 1.098,51 | +0,50% |
| Nikkei225 | 9.871,68 | +0,01% |
| EUR/USD | 1,4999 | +0,10% |
| Rohöl Brent Crude | 78,05 $ | +0,19% |
| Gold | 1.115,25 $ | +1,25% |
| Bund Future | 121,57 € | +0,06% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index11.11.2009 13:00 |
1361,31 | 1326,77 | 1262,56 |
Performance-Index11.11.2009 17:35 |
299,29 | 293,27 | 274,66 |
Euro-Aktien-Index11.11.2009 17:35 |
143,13 | 137,00 | 125,21 |