31. Juli 2007 Ein gelungener Börsengang war es nicht gerade. Zunächst leistete sich der Dieselmotoren-Hersteller Tognum, ehemals MTU Friedrichshafen, beim größten deutschen Börsengang seit der Post im Jahr 2000 die Peinlichkeit, einen fehlerhaften Emissionsprospekt vorzulegen.
Schien es zunächst, dass die Aktien heiß begehrt wären, als vermeldet wurde, die Nachfrage nach den Papieren sei mindestens dreimal so hoch wie das Angebot gewesen, so wurden die 86,25 Millionen Aktien dann doch nur zu 24 Euro und damit in der Mitte der erreichten Preisspanne zugeteilt.
Mehrzuteilungsoption nicht vollständig ausgeübt
Und trotz der vermeldeten hohen Nachfrage wurde die Mehrzuteilungsoption nicht vollständig ausgeübt. Wie Tognum mitteilte, wurden über das ursprüngliche Transaktionsvolumen von 75 Millionen Aktien hinaus rund 8,8 Millionen Aktien verkauft. Die Mehrzuteilungsoption hatte sich aber auf 11,25 Millionen Aktien belaufen.
Das war dann zwar immerhin noch ein Gesamtbruttoerlös von 2,01 Milliarden Euro, lag aber unter dem bereit gestellten Gesamtemissionsvolumen von 2,07 Milliarden Euro. Davon flossen nur 268 Millionen Euro auf die Konten des Herstellers von Dieselmotoren für Schiffe, Panzer und Schienenfahrzeuge sein, der Löwenanteil ging an den schwedischen Finanzinvestor EQT.
EQT, die Investmentgesellschaft der schwedischen Wallenberg-Gruppe, erlöste 1,8 Milliarden Euro und hält nun noch 30 Prozent an Tognum. Ende 2005 hatte der Investor die damalige MTU Friedrichshafen für 1,6 Milliarden Euro gekauft. 700 Millionen Euro bürdete er dem Unternehmen an Schulden auf, die nun durch den Erlös aus der Kapitalerhöhung teilweise reduziert werden sollen.
Starthilfe von den Konsortialbanken
Auch der Start aufs Parkett verlief enttäuschend. Der erste Kurs der Tognum-Aktie betrug 24 Euro, anschließend gab der Kurs bis auf 23,80 Euro nach und schloss bei 23,95 Euro. Immerhin ging es danach für einige Tage bis auf 26,25 Euro aufwärts - allerdings nur weil die Konsortialbanken mit Aktienkäufen ein Abrutschen des Kurses verhindert, wie Christoph Stanger von der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte.
Mitte des Monats begann der Kurs dann zu fallen, bis auf 22,60 Euro am Montag. Indes könnte der Dienstag vielleicht die Wende bringen. Im Umfeld eines freundlichen Börsenstarts legt die Aktiennotiz zu Handelsbeginn 4,6 Prozent auf 23,50 Euro zu und nähert sich so wieder dem Emissionspreis an.
Hintergrund sind positive Geschäftszahlen für das im zweite Quartal 2007 sowie eine günstige Prognose. Der Motorenhersteller erwartet wegen der starken Nachfrage nach Schiffsmotoren und Antrieben für Energieanlagen einen deutlich höheren Gewinn im laufenden Jahr. Das um Sondereffekte wie Rohstoffkosten und Währungseffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll um 21 bis 25 Prozent zulegen, wie das aus der ehemaligen MTU Friedrichshafen hervorgegangene Unternehmen am Dienstag mitteilte. Den Umsatz will Tognum bei einem stabilen Dollar-Wechselkurs 2007 um mindestens neun Prozent steigern.
Positiver Ausblick
Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen das renditestarke Geschäft mit Dienstleistungen rund um den Betrieb und die Instandhaltung der Motoren ausbauen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) kletterte in der Folge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 49 Prozent auf 106 Millionen Euro. Zur Steigerung der bereinigten Ebit-Margen der ersten beiden Quartale hat laut Tognum hauptsächlich der überproportional hohe Anteil des Service-Geschäfts beigetragen.
In der zweiten Jahreshälfte werde der Anteil des Servicegeschäfts jedoch wieder schrumpfen, hieß es. Darüber hinaus habe die gute Kapazitätsauslastung die Margen positiv beeinflusst. Der Auftragseingang per Ende Juni für das laufende Geschäftsjahr lag bei 1,6 Milliarden Euro. Eine Vergleichszahl nannte Tognum nicht. Man habe deutlichen Vorräte für Aufträge überwiegend aus den Bereichen Marine und Energieerzeugung aufgebaut, die entsprechende Umsätze im zweiten Halbjahr 2007 generieren sollen.
Der Umsatz legte von April bis Juni um vier Prozent auf 669 Millionen Euro zu. Dabei profitierte das Unternehmen von der Erstkonsolidierung der amerikanischen Gesellschaft Katolight, die im April 2007 übernommen wurde. Die Tochter lieferte einen Erlösbeitrag von 28 Millionen Euro, so dass der Umsatz gegenüber dem Vorjahrsquartal ohne Neukonsolidierung nur leicht zurückging.
Hineinwachsen in Bewertung erscheint möglich
Insgesamt zeigt sich Tognum auf gutem Weg, wenn auch die Bäume sicher nicht in den Himmel wachsen. Wenn das Ebit auch wachsen soll, so wird das Konzernergebnis nicht zuletzt von einem negativen Finanzergebnis belastet. Ausgehend vom ungeprüften Pro-forma-Nettoergebnis des vergangenen Jahres beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 116. Um in den Bereich einer akzeptablen Bewertung vorstoßen zu können, müsste der Nettogewinn daher um das fünf- bis sechsfache steigen.
Das erscheint zunächst schwer erreichbar. Indes hat Tognum im ersten Quartal mit 36,9 Millionen Euro einen Nettogewinn verbuchen könne, der um 38 Prozent über dem Jahresgewinn 2006 lag. Kann dieser Kurs beibehalten werden, so könnte ein KGV um 20 erreicht werden, was schon wiederum realistischer erscheint.
Charttechnisch hat das Kursplus von über vier Prozent derzeit bislang nur bewirkt, dass sich die Talfahrt nicht weiter fortsetzt. Indes ist diese Erholung bereits ein positives Zeichen und könnte wenigstens der Anfang einer Bodenbildung sein.
Einiges hängt von der weiteren Marktentwicklung ab. Sollten sich die immer noch vorhandenen Befürchtungen hinsichtlich der amerikanischen Konjunktur und Kreditmärkte wieder stärker in den Vordergrund drängen und sich die Korrektur an Wall Street weiter fortsetzen, könnten die positiven Impulse weiter an Zugkraft verlieren.
Es scheint daher empfehlenswert, auf den endgültigen Ergebnisausweis zu achten, der bereits am 16. August vorgelegt werden soll. Bestätigt die Entwicklung des Nettoergebnisses den positiven Trend des ersten Quartals, könnte Tognum rasch in seine Bewertung hineinwachsen. Der Aufbau erster Positionen zum jetzigen Zeitpunkt hat zwar noch etwas Spekulatives, könnte sich aber unter Umständen als lohnend erweisen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE LUFTHANSA A | +0,40 | +2,91 |
| DEUTSCHE TELEKOM AG | +0,15 | +1,36 |
| BAYERISCHE MOTOREN W | +0,26 | +0,87 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | -5,49 | -7,74 |
| ADIDAS AG INHABER - | -1,84 | -4,73 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,23 | -4,70 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.304,41 | -1,43 |
| TecDax | 734,85 | -2,73 |
| DowJones | 11.384,21 | +1,36 |
| Nasdaq | 2.294,44 | +2,28 |
| STOXX 50 | 3.287,60 | -1,35 |
| Nikkei 225 | 13.033,10 | -2,45 |
| S&P 500 Zert. | 12,41 | -1,74 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,32 |
| Bund Future | 112,15 | +0,09 |
| Gold | 921,72 | +0,51 |
| Öl | 142,31 | -0,93 |
Union nimmt Aktienoptionen in den Blick
21:57Im Jahr 2004 habe ich mich dazu herabgelassen
21:56Und ganz wesentlich: Es sollten Lehren aus diesem Fall gezogen
