06. Juli 2009 Die Erwartung schwacher Unternehmensergebnisse hat am Montag die Aktienbörsen belastet. Der Dax fiel um 1,2 Prozent auf 4651 Punkte. Für den MDax ging es um 1,6 Prozent nach unten auf 5609 Punkte. Der TecDax gab um 1,1 Prozent auf 612 Punkte nach.
Händler machten für die Kursverluste Nervosität vor dem Start der Bilanzsaison in den Vereinigten Staaten in dieser Woche verantwortlich. In den vergangenen Monaten hatten die meisten großen Börsenindizes den über 30prozentigen Kurseinbruch vom Jahresanfang aufgeholt. Nun kehre aber allmählich Ernüchterung ein, fasste ein Händler die gedämpfte Stimmung zusammen.
Zu viel Vorschusslorbeeren
Der Markt hat schon viele Vorschusslorbeeren gegeben, jetzt muss man sehen, ob das passt, erklärte Jörg Treptow, Händler bei MM Warburg. Die Konjunkturerholung werde noch eine Weile auf sich warten lassen, sagte Henk Potts, Stratege bei Barclays Stockbrokers. Da gibt es noch viele Hürden, die genommen werden müssen. Viele Anleger fragten sich, wo das Gewinnwachstum denn herkommen soll, warnte auch Justin Urquhart-Stewart, Investment-Leiter bei Seven Investment Management in London.
Autos und Rohstoffe auf Talfahrt
Besonders unter Druck gerieten in Europa die Aktien von Unternehmen, deren Gewinnentwicklung stark vom Konjunkturverlauf abhängt. So fielen in Frankfurt und Paris die Autowerte und in London die Rohstoffaktien. Daimler, BMW und VW verloren teils mehr als 3 Prozent, Peugeot und Renault etwa 2 und Fiat 1,2 Prozent. In London rutschten Anglo American, Rio Tinto und BHP Billiton um bis zu 7 Prozent ab. Zudem verloren Shell und BP angesichts eines Preiseinbruchs beim Öl fast 3 Prozent.
Auch bei den Finanzwerten machten die Anleger Kasse. Dax-Schlusslicht waren Commerzbank mit einem Minus von 5,2 Prozent auf 4,79 Euro. Wegen der relativ hohen Staatsbeteiligung ist die Commerzbank unter den Großen als erste gefordert, ihre Kreditpolitik zu ändern, sagte ein Händler mit Blick auf die Kritik an der gesamten Branche. Deutsche Bank fielen um 3,2 Prozent. Die Aktien der Post, die sich weniger als ein halbes Jahr nach ihrem Einstieg bei der Deutschen Bank wieder von ihrem Aktienpaket trennte, gaben um 1 Prozent nach.
Ebenfalls unter Druck standen Stahlwerte. Thyssen-Krupp und Salzgitter büßten je 2,9 Prozent ein. In Paris fielen die Aktien des Branchenprimus Arcelor-Mittal um 4,7 Prozent. Händler verwiesen vor allem auf die Unsicherheit vor der Bilanzsaison in den Vereinigten Staaten, die vom Aluminiumkonzern Alcoa am Mittwoch eröffnet wird.
Lufthansa fliegt höher
Gegen den Trend stemmten sich die Lufthansa-Papiere mit einem Plus von 2,2 Prozent. Börsianer begründeten das mit Spekulationen über ein Sparprogramm, den sinkenden Ölpreis und eine Kaufempfehlung der Bank of America/Merrill Lynch. Auch BASF
profitierten von einer Kaufempfehlung der amerikanischen Bank, dem niedrigeren Ölpreis und der Ankündigung eines Sparprogramms, bei dem Tausende von Jobs wegfallen. Die Titel schlossen mit einem minimalen Minus von 0,2 Prozent.
Im Stoxx50 zählten die vom Konjunkturverlauf unabhängigeren Pharmawerte zu den Gewinnern. Die in Zürich gelisteten Roche und Novartis legten zwei beziehungsweise ein Prozent zu. In London schlossen Glaxo-Smith-Kline und Astra-Zeneca je knapp ein
Prozent höher. In Frankfurt zählten Dialysespezialist FMC mit einem Plus von 0,6 Prozent zu den wenigen Gewinnern.
Konjunktursorgen und Ölpreis belasten amerikanische Aktienmärkte
Die New Yorker Aktienbörsen sind tiefer in die neue Woche gestartet. Sorgen um die Stärke und den Zeitpunkt einer wirtschaftlichen Erholung drückten die Stimmung in New York. Mit Blick auf die bevorstehende Bilanzsaison blieben die Anleger daher am Montag zurückhaltend. Auf Energietiteln lastete zudem ein Rückgang des Ölpreises.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fällt um 0,3 Prozent auf 8256 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sinkt um 0,5 Prozent auf 892 Zähler. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt 1,3 Prozent nach auf 1772 Punkte.
Positive Signale zur konjunkturellen Lage brachte die Veröffentlichung des Service-Index des Institute for Supply Management (ISM). Demnach haben die amerikanischen Dienstleister ihre Talfahrt im Juni stärker abgebremst als erwartet. Das reichte jedoch nicht
aus, um die durch enttäuschenden Arbeitsmarktdaten geschürten Sorgen der Anleger zu zerstreuen. Ein kleiner Angstfaktor ist wieder in den Markt zurückgekehrt, sagt Peter Cardillo von Avalon Partners.
Der Preis für amerikanisches Leichtöl WTI fällt um 3,3 Prozent auf 64,50 Dollar je Fass, nachdem er zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Ende Mai gesunken ist. Die Aktien der Ölmultis Exxon Mobil und Chevron gaben daraufhin jeweils mehr als 1 Prozent
nach.
Die Aktie des Generikaherstellers Caraco Pharmaceutical Laboratories büßt 4,1 Prozent ein. Das Unternehmen war wegen wiederholter Verstöße bei der Arzneimittelproduktion ins Visier amerikanischer Gesundheitsbehörden geraten. Nun will es 350 Arbeitsplätze
streichen, mehr als die Hälfte seiner Stellen.
Die viertgrößte amerikanischen Bank Wells Fargo will ihr Investmentbanking ausbauen und signalisiert damit ihr wachsendes Vertrauen in eine Erholung dieses Bereichs. Anleger würdigten dies nicht: Der Aktienkurs fällt um 1,7 Prozent.
Text: Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.
Bildmaterial: Natascha Vlahovic, FAZ.NET