Technische Analyse

Umschichtungen unter Bankaktien sind sinnvoll

Von Achim Matzke

Technischer Kauf: HSBC in Hongkong

Technischer Kauf: HSBC in Hongkong

10. März 2006 Die Aktien der Banken haben zuletzt den Kursaufschwung an den europäischen Börsen angeführt. Das läßt sich am Branchenindex Dow Jones Stoxx Banks ablesen. Er ist mit einem Gewichtsanteil von rund 22 Prozent der größte unter den 18 Teilindizes des Dow Jones Stoxx 600. Hierbei waren es besonders die kontinentaleuropäischen beziehungsweise die Banken im Euro-Raum, die sich mit einer relativen Stärke, intakten Aufwärtstrends und ausgeprägten Kursgewinnen im Vergleich zu den britischen Großbanken überdurchschnittlich gut entwickelt haben.

Vor dem Hintergrund der steigenden Leitzinsen im Euro-Raum und den ebenfalls moderat steigenden langfristigen Zinsen auf dem Markt für Euro-Staatsanleihen haben einige kontinentaleuropäische Banken-Aktien wie zum Beispiel Fortis und KBC ihre steilen Aufwärtstrends in Konsolidierungen verlassen. Diese Phase dürfte auf Grund der überkauften mittelfristigen Lage einige Zeit in Anspruch nehmen. Parallel hierzu sind einige britische Großbanken wie zum Beispiel Barclays, HSBC Holding und Royal Bank of Scotland aus ihren monatelangen Seitwärtsbewegungen mit neuen Kaufsignalen herausgekommen. Als Konsequenz ist es aus technischer Sicht sinnvoll, die Kursgewinne bei ausgewählten Banken aus dem Euro-Raum sicherzustellen und in die aus technischer Sicht konservativen britischen Großbanken umzuschichten.

Barclays technisch interessant

Die im Index Stoxx 50 vertretene Aktie der britischen Barclays hat in den neunziger Jahren eine technische Neubewertung durchlaufen, wobei sich bis zum Jahr 1998 ein Kursanstieg bis rund 475 Pence ergab. In den Folgejahren hielt die Barclays-Aktie die technische Neubewertung nur mit einem deutlich reduzierten Aufwärtsmomentum durch,. wobei sich im Mai 2002 bei Kursen um 632 Pence das alte historische Hoch ergab. Mit einer Zeitverzögerung von etwa zwei Jahren wurde dann auch die Barclays-Aktie von der Baisse an den internationalen Aktienmärkten erfaßt. Der fast einjährige Baisse-Trend endete im März 2003 nach einem Kursverlust von rund 50 Prozent in einem Ausverkauf (Sell-out) bei Kursen um 310 Pence.

Der Comeback-Trend des Jahres 2003 sowie dessen Fortsetzung in der zweiten Jahreshälfte 2004 führten die Aktie wieder bis an die langfristige Widerstandszone zwischen 600 Pence und 632 Pence direkt unterhalb der alten historischen Höchstkurse. Unterhalb dieser Zone lief die Aktie von Barclays dann in eine etwa einjährige Seitwärtspendelbewegung hinein. Dabei lag die Kernhandelszone zwischen 520 Pence und 600 Pence. Aus technischer Sicht bildete sich als Konsequenz eine mittelfristig neutrale Position heraus.

Mit dem ersten Trading-Kaufsignal, dem Sprung über 580 Pence im November, wurde die Barclays-Aktie sowohl in einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend wie auch in die langfristige Widerstandszone hineingeführt. Anfang Februar 2006 ist die Barclays-Aktie mit einem Investmentkaufsignal auf neue Rekordhöhen gestiegen, so daß die Chance auf eine technische Neubewertung besteht. Da sich ein mittelfristiges technisches Kurspotential bis etwa 720 Pence andeutet und Barclays neben der ansprechenden technischen Gesamtlage auch noch eine attraktive Dividenden-Rendite von etwa 4,5 Prozent bietet, ist die Aktie aus technischer Sicht ein attraktiver Kauf.

HSBC ein konservativer technischer Kauf

Die Aktie der HSBC Holding, die mit einem Anteil von etwa 11,7 Prozent, die größte im Branchenindex Dow Jones Stoxx Banks ist, hatte nach dem Comeback-Trend des Jahres 2003 (Kursanstieg von 620 Pence auf 920 Pence) und dem Korrektur-Trend des ersten Halbjahres 2004 seit Juli 2004 (Start bei etwa 784 Pence) ein langfristiges Aufwärtsdreieck herausgebildet.

Dies wird einerseits durch die moderate langfristige Aufwärtstrendlinie seit Juli 2004, die derzeit bei etwa 880 Pence liegt, begrenzt. Andererseits hatte sich zwischen 950 und 955 Pence eine langfristige Widerstandszone herausgebildet. In den letzten Monaten wies die Aktie der HSBC Holding trotz des moderaten mittelfristigen Aufwärtstrends, der sie bis an diese langfristige Widerstandszone geführt hatte, eine ausgeprägte mittelfristige relative Schwäche gegenüber der Hausse im Branchenindex Dow Jones Stoxx Banks auf. Im Umfeld der Bekanntgabe der jüngsten Finanzdaten sowie der Konsolidierungshinweise bei vielen Banken im Euro-Raum ist die Aktie der HSBC Holding, die aktuell eine Dividenden-Rendite von rund 4,7 Prozent aufweist, mit einem Kaufsignal aus diesem langfristigen Aufwärtsdreieck herausgekommen, so daß jetzt bei dieser Aktie aus technischer Sicht ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als bei einigen Banken aus dem Euro-Raum besteht. Da das langfristige technische Kurspotential im Test der bisherigen Höchststände bei etwa 1090 Pence (aus dem Jahr 2001) bestehen sollte, ist HSBC Holding ein konservativer technischer Kauf.

Royal Bank of Scotland mit neuem Kaufsignal

Die Aktie von Royal Bank of Scotland, die mit einem Gewicht von etwa 6,3 Prozent an Position drei im Dow Jones Stoxx anzutreffen ist, erreichte nach der technischen Neubewertung in den neunziger Jahren im Mai 2002 bei Kursen um 2080 Pence ihren bisherigen Rekordwert. Danach rutschte die Aktie in eine knapp halbjährige Zwischenbaisse mit einem Kurseinbruch auf rund 1150 Pence. Dem moderaten Comeback-Trend im Frühjahr 2003 mit einem Kursanstieg auf etwa 1790 Pence folgte eine dreijährige Seitwärtspendelbewegung.

Diese Phase wurde einerseits von der mehrfach getesteten, gestaffelten Widerstandszone zwischen 1790 und 1845 Pence und andererseits durch die gestaffelte Unterstützungszone von 1450 Pence begrenzt. Mit Hilfe des mittelfristigen Aufwärtstrends seit Oktober 2005 und eines neuen Kaufsignals ist die Aktie der Royal Bank of Scotland, die eine Dividendenrendite von rund 4,1 Prozent aufweist, aus dieser dreijährigen Seitwärtspendelbewegung herausgelaufen. Da die langfristige technische Gesamtlage auf einen Test der bisherigen Höchstkurse bei rund 2080 Pence hindeutet, ist Royal Bank of Scotland aus technischer Sicht ein Kauf. Eine Position in Royal Bank of Scotland sollten Anleger mit einem Sicherungsstopp bei 1720 Pence belegen, um mögliche Verluste zu begrenzen.

Der Autor leitet das europäische Indexresearch von Commerzbank Corporates & Markets.



Text: F.A.Z., 10.03.2006, Nr. 59 / Seite 22
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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